Eine Schrecksekunde lang lag ein Hauch von Gefahr in der Luft. „Ins Löwengehege darf nur, wer Spikes an den Füßen hat“, sagte Noch-Zoodirektor Bernd Hensch, als der die deutlich mehr als 300 Teilnehmer des freiwilligen Arbeitseinsatzes „Bock auf Zoo“ begrüßte. Schließlich gehe es darum, im Ernstfall schneller als die Raubtiere zu sein. Schnell stellte sich heraus, dass diese Ansage natürlich scherzhaft gemeint war.
„Bock auf Zoo“ ist eine Gemeinschaftsaktion des Zoos Eberswalde mit dem Lions- und mit dem Rotary-Club in Eberswalde, mit der Anlagen und Wege vom Herbstlaub befreit werden.

Auch der Bürgermeister arbeitet mit

Vor allem aber dient das Treffen als Kontaktbörse: Schüler harken gemeinsam mit Unternehmern vergilbte Blätter zusammen, bekommen im lockeren Gespräch Einblicke in Berufsbilder und können im Idealfall sogar Ausbildungsstellen oder Praktikumsplätze klar machen. Nach getaner Arbeit löffeln alle zusammen eine stärkende Suppe aus.
„Bei ,Bock auf Zoo‘ zeigt Eberswalde seine Verbundenheit mit der Einrichtung“, befand Bürgermeister Götz Herrmann, der ebenfalls zu Harke und Schubkarre griff. Für diesen guten Zweck stelle er gern seine Arbeitskraft zur Verfügung.

Armurtiger brüllt Baumpflanzer an

Nicht nur bei den Löwen wurde geputzt. Zu den weiteren Einsatzstellen gehörten zum Beispiel die Gehege für Geparden und Servale. Und in der Tigeranlage haben die Führungskräfte von Zoo, Lions und Rotarieren überdies eine Eberesche und eine Rotbuche, den Baum des Jahres 2022, gepflanzt. Die Raubtiere waren in allen Fällen vorab weggesperrt worden. Die Baumpflanzer mussten an dem geräumigen Käfig der Amurtiger vorbeilaufen – und wurden mit Gebrüll empfangen.
Baumpflanzaktion im Löwengehege: Vertreter vom Zoo sowie vom Lions- und vom Rotary-Club in Eberswalde bringen eine Eberesche und eine Rotbuche in die Erde.
Baumpflanzaktion im Löwengehege: Vertreter vom Zoo sowie vom Lions- und vom Rotary-Club in Eberswalde bringen eine Eberesche und eine Rotbuche in die Erde.
© Foto: Sven Klamann
„Es riecht ziemlich streng“, sagte Anna Romeyer (11), die mit ihren Freundinnen aus der Klasse 6 M der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Schule in Eberswalde im Löwengehege zu Gange war. Die Raubtiere hatten ihre Duftmarken hinterlassen.
Im Geparden-Gehege war Bernhard Götz im Einsatz. Der wissenschaftliche Leiter des Forstbotanischen Gartens in Eberswalde fühlt sich nicht nur wegen der direkten Nachbarschaft beider Einrichtungen und wegen seiner Mitgliedschaft bei den Rotarierern mit dem Zoo verbunden. „Meiner Ansicht nach ist ,Bock auf Zoo‘ in jeder Hinsicht eine tolle Aktion“, sagte er. Der freiwillige Arbeitseinsatz diene schließlich auch der Umweltbildung. Die Bäume, die beim „Bock auf Zoo gepflanzt würden, kämen jedesmal aus dem Forstbotanischen Garten.

Junge Eberswalderin hofft auf Lehrstelle

Dann griff Bernhard Götz erneut zur Schippe, füllte diese mit Laub und entsorgte seine Ladung mit Schwung auf der Ladefläche eines Multicars aus der Zoofuhrpark. Oben stand Samantha Stark und verteilte das Sammelgut. „Ich leiste im Zoo meinen Bundesfreiwilligendienst“, sagte die junge Eberswalderin. Die Arbeit gefalle ihr so gut, dass sie den Beschluss gefasst habe, sich um eine Ausbildung als Zoopflegerin zu bewerben. „In der kommenden Woche habe ich mein Bewerbungsgespräch“, verriet sie.
Andrang der Helfer: Auf dem Wirtschaftshof des Eberswalder Zoos werden mehr als 300 Freiwillige zu den Arbeitseinsätzen eingeteilt. Besonders beliebt sind die Raubtiergehege.
Andrang der Helfer: Auf dem Wirtschaftshof des Eberswalder Zoos werden mehr als 300 Freiwillige zu den Arbeitseinsätzen eingeteilt. Besonders beliebt sind die Raubtiergehege.
© Foto: Sven Klamann
Zu den Stammteilnehmern bei „Bock auf Zoo“ gehört der Klempnermeister Matthias Bohn. Eberswalde verfüge über einen der schönsten Zoos Deutschlands. „Da ist es für mich selbstverständlich, mit meiner Arbeitskraft etwas zurückzugeben“, sagte er.