Die Probezeit für die Bahnstrecke Templin-Joachimsthal dauert noch ein Jahr. Dann soll entschieden sein, ob die Verbindung bestehen bleibt. Der politische Bundesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen Michael Kellner drängt darauf, die Strecke offen zu halten. Er begab sich kürzlich auf Fahrt von Eberswalde nach Templin, um seine Unterstützung für die Eisenbahnlinie zu demonstrieren.
Kellner, der im Herbst 2021 im Wahlkreis Uckermark und Barnim I für den Bundestag kandidieren will, beschreibt die Nutzung der Route als „Chance für mehrere Menschen, zwischen Templin, Eberswalde und Berlin mobiler zu sein“.

Schorfheide-Bahn wichtig für Jugendliche und Touristen

Im Dezember 2018 startete die Testphase auf der davor jahrelang für den Personenverkehr stillgelegten Strecke. „Viele Jugendliche fahren mit dem Zug von Joachimsthal zu Schulen in Templin und umgekehrt“, erklärt Kellner. „Es ist äußerst wichtig, dass diese Bahnlinie vorhanden ist, insbesondere während der Touristensaison“.
Die offizielle Schorfheide-Bahn ist ein landkreisübergreifendes Projekt. „Es investiert nicht nur in einen besseren öffentlichen Verkehr, sondern lädt auch Menschen ein, in die Region zu ziehen, wenn sie wissen, dass es eine sichere Zugverbindung gibt.“, sagt Gisbert Amm, Vertreter der Grünen in Joachimsthal. Es geht nicht so sehr darum, die Zielzahl zu erreichen, sondern darum die Linie zu erhalten.

Es braucht 300 Fahrgäste pro Tag

300 Fahrgäste am Tag sind diese Zielzahl. Sie sind die Voraussetzung, um den Abschnitt zwischen Templin und Joachimsthal nach der Probezeit weiter zu bedienen. 2019 lagen die Fahrgastzahlen im Schnitt zwischen 160 und 170 pro Arbeitstag und 200 an den Wochenenden. Aber Michael Kellner ist optimistisch. „Aufgrund von Corona konnten die 300 in diesem Jahr nicht erreicht werden. Wir brauchen mehr Zeit.“
Und es gibt Nachbesserungsbedarf beim Fahrplan. „Zu viele Leute, die in Eberswalde arbeiten, brechen spät von der Arbeit auf oder haben Spätschichten“, erklärt Ruth Butterfield von den Joachimsthaler Grünen. „Abends und am Wochenende müssten mehr Züge von Eberswalde nach Templin und zurückfahren.“

Gute Idee aber kostspielig

Joachimsthals Bürgermeister René Knaak-Reichstein (CDU) findet die Strecke eine gute Idee, beschreibt sie aber als kostspielig. „Die Kommunen zahlen zehn Prozent der Kosten“, erklärt er. Die Bezuschussung sei ein Vier-Millionen-Euro-Projekt, wobei das Land den größten Teil der Kosten übernimmt. Hauptinitiator sei damals die Stadt Templin gewesen.
Nun sei es laut Gisbert Amm im Gespräch die Testphase aufgrund der Pandemie um ein Jahr zu verlängern. Doch auch ob das die nötigen Zahlen bringt, bleibt fraglich. „Ich glaube nicht, dass die Bahn im nächsten Jahr täglich 300 Passagiere erreichen wird, dieses Projekt braucht etwas mehr Zeit“, glaubt Knaak-Reichstein. In Bezug auf die Zugänglichkeit ist der Bürgermeister der Ansicht, dass es für bestimmte Fahrgäste etwas schwierig sein kann. Die meisten Zughaltestellen liegen nicht eben im Zentrum der Orte. Busse hingegen könnten die Menschen an mehreren Stellen und auch zentraler abholen und absetzen.

Verbindung zum Eberswalder Krankenhaus

Templins Bürgermeister Detlef Tabbert beschreibt die Reaktivierung der Strecke als „vernünftig und sinnvoll“. Sie sei ökologisch, schnell und verbinde die Menschen in der Uckermark mit wichtigen Institutionen wie etwa dem Krankenhaus Eberswalde. „Die Linie bedeutet auch, dass Touristen, die den Werbellinsee oder ähnliche Sehenswürdigkeiten in Barnim besuchen, jetzt die Verbindung zur Uckermark haben“, sagt Tabbert. „Dadurch bekommen wir mehr Übernachtungen“.
Das Fehlen von Werbung in den Zügen ist laut Kellner auf die durch die anhaltende Pandemie auferlegten Reisebeschränkungen zurückzuführen. Der Grünenkandidat plant seinen nächsten Besuch in Joachimsthal Anfang 2021.