Tino Kotte ist derzeit häufiger in den Ausschüssen der Stadt zu Gast. Der Mann vom Evangelischen Kirchenkreis Barnim wirbt um Unterstützung für die neue Kleiderkammer in der Eisenbahnstraße84. Die hat sich die Versorgung von Flüchtlingen auf die Fahnen geschrieben. Doch die Zahl der Ehrenamtler nimmt ab. Kotte bittet um die Finanzierung einer halben Stelle sowie um einen Sachkostenzuschuss.
Die CDU-Fraktion scheint das Thema plötzlich für sich entdeckt zu haben. Im jüngsten Hauptausschuss hatte Danko Jur noch dafür plädiert, die städtischen Finanzen zu schonen, da Eberswalde in der Flüchtlingfrage bereits viel leiste. Nun brachte seine Fraktion zur Haushaltsdebatte im Finanzausschuss den Antrag zur Unterstützung der Kleiderkammern mit 3000Euro ein. "Alle drei gleich" stellten Jur und Dietmar Ortel klar. Das will die Fraktion nach Verwirrung im Finanzausschuss auch schriftlich präzisieren, den Antrag erneut einbringen.
Die Tatsache, dass Eberswalde mehr als eine Kleiderkammer beheimatet, war bereits vor einem Monat im Hauptausschuss zur Sprache gebracht worden. Dort war es Carsten Zinn (Alternatives Wählerbündnis Eberswalde), der vermutete, dass diese bereits Unterstützung aus der Stadtkasse erhalten. Tatsächlich werden außer in der Eisenbahnstraße noch an drei weiteren Standorten Altkleider gesammelt und ausgegeben. Das Deutsche Rote Kreuz betreibt seine Kleiderstube in der Wilhelmstraße 34. Der Arbeitslosenverband sammelt, sortiert und verkauft die Textilspenden gleich an zwei Standorten: im Brandenburgischen Viertel, Havellandstraße15, und in der Bergerstraße95. An allen Stellen seien Flüchtlinge willkommen, betonen sowohl DRK als auch ALV. Diese würden das Angebot bereits nutzen. "Da gibt es keine Schwierigkeiten", sagt Kerstin Mustafic, Leiterin des Arbeitslosenservice Eberswalde. Auch, dass für die Sachen eine kleine Spende verlangt werde, verstünden die meisten. Konkurrenz gibt es unter den verschiedenen Träger nicht. Im Gegenteil. Den Bedürftigen werde sogar geraten, die jeweils anderen Kleiderkammern aufzusuchen, falls sie in einer nicht fündig werden. "Das, was die Kirchengemeinde in der Eisenbahnstraße macht, ist eine tolle Sache", sagt Kerstin Felletschin, Ehrenamtskoordinatorin beim DRK, über die neu hinzugekommene Kammer.
Dass die alteingesessenenen Sammelstellen aus dem Stadthaushalt bezuschusst werden, stimmt allerdings nicht. "Es gibt keine regelmäßigen Zahlungen", sagt Sozialdezernent Bellay Gatzlaff auf Nachfrage der MOZ. Im Rathaus werde bereits nach einer Lösung für die Eisenbahnstraße gesucht, verriet er. Die Stadt wolle bei der Vermittlung eines Bundesfreiwilligendienstleistenden helfen.
Offen ist bisher, woher das Geld für den von der CDU angedachten Sachkostenzuschuss kommen soll. Im Finanzausschuss wurde erneut auf den mit 40000Euro bespickten Topf "Eberswalde handelt" verwiesen, der extra für die Flüchtlingshilfe aufgelegt wurde. So plädierte der sachkundige Einwohner Gerd Markmann dafür, bei diesem Thema nicht zusätzlich in die Kasse zu greifen. Der neue Fonds sollte genutzt werden.
"Gucken wir mal", sagt Sozialdezernent Gatzlaff. Ob die Kleiderkammern mit dem Geld aus dem Nofhilfetopf bezuschusst werden können, obliege letztlich den Stadtverordneten. Allgemein genug formuliert ist der Verwendungszweck für die 40000Euro womöglich. "Zur Minimierung unzumutbarer Härten und vermeidbarer Belastungen sowohl für Flüchtlinge, Asylbewerber als auch für die Eberswalder Bevölkerung, die zuständigen Behörden bei der Unterbringung, Versorgung und Integration von Flüchtlingen bzw. Asylbewerbern zu unterstützen", heißt es im Papier wörtlich.