Nun stellt sich die Frage: Weiterkämpfen für einen gemeinsamen Kreativraum oder mit dem Erreichten zufriedengeben? "Was hier passiert, ist toll", stellt Mitorganisator Christoff Gäbler mit Blick auf die "Zwischenräume" fest. "Aber man merkt auch: Bestimmte Sachen gehen nicht mit zwei getrennten Standorten." Die erhofften Synergie-Effekte - dass eine Gruppe die andere inspiriert und mit ihr kooperiert - die kämen oft nicht zustande. Außerdem sei der organisatorische Aufwand zu hoch.
Gäbler ist Mitglied in zwei der fünf Initiativen, die das Projekt "Leerstand kreativ nutzen" vorangetrieben haben: bei wandelBar und dem Verein Hebewerk, der nun auch als Träger der "Zwischenräume" fungiert. Ebenfalls involviert sind Alnus, Freiraum und der Tauschring.
Um den Jahreswechsel herum haben sich die Hoffnungen der Gruppe zerschlagen, das Projekt könnte im Kupferhammerweg 1 heimisch werden - dort ist stattdessen die NEB Niederbarnimer Eisenbahn AG eingezogen. Gleichzeitig hat die Stadt der Kampagne eine Unterstützung von jährlich 10000 Euro für Miete und Betriebskosten in Aussicht gestellt sowie eine 400 Quadratmeter große Räumlichkeit im Brandenburgischen Viertel.
Dort, im Vereinshaus der Wohnungsbaugenossenschaft in der Havellandstraße 15, ist im März der "Zwischenraum H15" eröffnet worden. Doch das Angebot der Stadt anzunehmen, ist der Gruppe nicht leichtgefallen. "Das war hart für uns", sagt Ingo Frost von wandelBar. "Es gibt bei uns Leute, die der Meinung sind, dass wir weiter hätten kämpfen sollen."
Ganz persönlich ist Frost überrascht, wie gut das Angebot im abgelegeneren Brandenburgischen Viertel angenommen wird. In den fünf großzügigen Räumen kommen jeden Tag vollkommen unterschiedliche Menschen zusammen. Da wird gelötet, mit dem 3D-Drucker gearbeitet und an einem abhörsicheren Netzwerk gefeilt. Das Repair-Café lädt zum geselligen Reparieren ein und der Vegetarierbund Barnim hält seine Treffen ab. Manch anderer kommt herein und fängt einfach an, Musik zu machen.
"Wir gewährleisten, dass die "Zwischenräume' auch wirklich offene Räume sind", sagt Initiator Gäbler. Soll heißen: ohne Zugangsgebühr, Vereinsbindung oder anderen Zwänge. Das ist in der Eisenbahnstraße 69 im "Zwischenraum E69" nicht anders.
Dort ist vor allem der Tausch-, Leih- und Schenkladen präsent. Wer die Stufen ins Souterrain hinabsteigt, findet sich zwischen Regalen mit Second-Hand-Kleidung, Hausrat und Büchern wieder. Angenehm kühl ist es dort. In verschiedenen Abteilungen können die Besucher Sachen umsonst mitnehmen, sich ausborgen - größere gegen Pfand - und Dinge abgeben, die sie nicht mehr brauchen. "Viele von den Flüchtlingen kommen her, aber häufig auch alte Eberswalder", sagt Glenn Rossow, der den Laden leitet.
Gleichzeitig ist in der Eisenbahnstraße 69 ein Gruppenraum eingerichtet. Dort treffen sich Initiativen wie die Naturfreunde oder Solidarität für Asylbewerber*innen. Am Donnerstag und an den Wochenenden gibt es Raum für "kulturelle Interventionen", wie es Rossow nennt.
Doch so gut die "Zwischenräume" auch genutzt werden: Der Wunsch nach einem gemeinsamen, zentrumsnahen Standort bleibt. "Wir wünschen uns in der Raumsuche noch mehr Unterstützung", sagt Rossow. Verbal sei ihnen weitere Hilfe vonseiten der Stadt und des Kreises offeriert worden. "Wir werden auf das Angebot zurückkommen."
Treffen für Interessierte: jeden ersten Dienstag im Monat im "E69", jeden dritten im "H15", 20 Uhr; Tauschladen im "E69": geöffnet dienstags, 15 bis 19 Uhr, freitags, 15 bis 19 Uhr, donnerstags Tausch-Café, 16 bis 20 Uhr. Mehr Informationen im Internet unter www.hebewerk-eberswalde.de.