So mancher Tourist ist verblüfft, traut seinen Augen nicht, schaut zwei Mal hin: Da wuseln Dutzende Jugendliche in braunen Kutten durch die historische Anlage. Mädchen und Jungen, die wie Mönche ausschauen. Hier schöpft eine Gruppe Papier, dort werden Ziegel geformt. Sie wandeln durch die Kreuzgänge oder rücken den Außenanlagen zu Leibe. Verdingen sich als Gärtner. Oder als Baumeister.
In das Kloster ist gut 450 Jahre nach seiner Auflösung wieder Leben eingezogen. Wenn auch nur für zwei Tage. Betriebsamkeit. Und dann wieder totale Stille. Pfarrer Andreas Lorenz, sozusagen Abt auf Zeit, ruft zum Stundengebet. Knapp 100 Mädchen und Jungen aus dem Kirchenkreis Barnim nehmen an dieser dritten Auflage des Konfirmandencamps in Chorin teil. Starten so auf eine ganz eigene Weise in die Ferien.
Nicht mit großem Jubel und Ausgelassenheit, sondern mit Verzicht und Enthaltsamkeit. Genau dies sei ein Anliegen des Camps, sagt Pfarrer Lorenz aus Brodowin. Die Säulen des klösterlichen Lebens kennenzulernen, den besonderen Rhythmus zu spüren und in der innerlichen Suche eine Tiefe zu entdecken. Die Jugendlichen treten ein durch drei Pforten, das Westportal wird wieder zum Haupteingang des Klosters, so wie einst. Sie legen ihre Sachen ab, ihr Handy, ihre Uhr, sie erhalten braune Gewänder, wie sie die Laienbrüder vor Jahrhunderten getragen haben, und sie betreten den Klausurbereich. Sie kommen an - in der Welt der Zisterzienser. "Es ist so simpel wie wirksam", sagt Pfarrer Lorenz, der auf den Erfahrungen von 2012, der Premiere, und von 2014 aufbauen kann. "Das Anziehen der Kutte, das macht was mit einem." Und: Die Jugendlichen seien Gleiche unter Gleichen.
Klar, vieles ist für die jungen Christen total ungewohnt. Das Essen, das Schlafen, die dreistündlichen Gebete. "Wobei wir auf das Gebet um 3 Uhr verzichten. Die Teilnahme um 24 Uhr und um 6 Uhr morgens ist freiwillig. Und natürlich haben wir das Gebet auch etwas modifiziert, konfirmandengerecht gestaltet", so der Brodowiner Pastor. Mit Sprechgesängen.
"Um 24 Uhr war ich noch dabei", erzählt Charlotte Schönberger (12 Jahre) aus Basdorf bei der Gartenarbeit. Aber 6 Uhr, das habe sie einfach nicht geschafft. "Ich habe nicht so gut geschlafen." Mit Iso-Matte und Schlafsack auf dem Klosterhof. Das alles sei schon sehr gewöhnungsbedürftig. Ebenso wie die Kutte. "Ganz schön warm" werde es bei der Arbeit und irgendwie sei sie auch hinderlich. Zwei ihrer Mitstreiterinnen haben sich heimlich der Kleidung entledigt. Hoffend, dass diese Marscherleichterung den gestrengen Augen des Abts entgeht.
Für Leon Küter (14) aus Eberswalde ist hingegen vor allem das Essen im wahrsten Sinne des Wortes Geschmackssache. Vegetarische Suppen, kein Fleisch - nein, dies sei sein Fall nicht. Auch die Gebete alle drei Stunden fallen schwer. "Aber das Schnitzen hier oder das Körbeflechten, das macht Spaß", sagt Leon und lässt sich von Armin Weber zeigen, wie aus dem Holz-Rohling ein Löffel entstehen kann. Am spannendsten seien die Workshops, sind sich Thomas Riggert (14) und Melvin August (13), beide aus Stolzenhagen, einig. Restauration, Steine säubern, Klosternachbau im Miniformat - "das ist super". "Ja, die Workshops sind echt cool", pflichten Letizia Lindt (14) aus Melchow und Anna-Lena Döbler (13) aus Bernau bei. Und irgendwie sei es doch tatsächlich auch "mal schön ganz ohne Handy", findet Letizia, die gerade Kräutersalz herstellt. Ein überraschender Erkenntnisgewinn.
Dieses Camp sei eine wunderbare, spannende Möglichkeit, den Ort Kloster für Konfirmanden zu öffnen, ist Diakon Mario Lukkari aus Bernau, erstmals dabei, von dem Konzept angetan. Natürlich sei vieles fremd. Denn vieles habe eben mit Verzicht und Enthaltsamkeit zu tun. Werte, die in einer Zeit voller Komfort und des ständigen Konsums immer mehr in den Hintergrund treten. "Das Entscheidende aber ist das Erleben von Gemeinschaft", sagt der Bernauer. Eine Erfahrung, die Teilnehmer wie Teamleiter, darunter Künstler der Region, gleichermaßen schätzen. "Die Atmosphäre ist einfach toll. Alles ist total entspannt", sagt Anna Rüsling, die die Nähstube leitet. Und sich über die erste fertige Kutte freut. Für das nächste Camp. 2018.