Die Publikumsreihen waren am Dienstagabend gut gefüllt. Befürworter und Gegner des Ausbaus der zwölf Kilometer langen Ortsverbindungsstraße hatten sich eingefunden. Die einen verteilten vor der Sitzung im Saal des Tourismuszentrums eine Petition an die Volksvertreter, in der sich mehr als 200 Unternehmer sowie Einwohner von Finow, Eberswalde, Biesenthal und Finowfurt pro "Barnimer Handelsstraße" aussprechen. Die anderen warteten ab.
Vier Varianten hat das im Eberswalder Baudezernat angesiedelte Stadtentwicklungsamt auf ihre Entwicklungspotenziale für die Biesenthaler Straße abgeklopft, die noch, darauf wies Baudezernentin Anne Fellner hin, als Landesstraße eingestuft ist und erst nach der Fertigstellung der neuen B 167, also in ungewisser Zukunft, in kommunale Trägerschaft wechseln soll.
Für das Stadtentwicklungsamt stellte dessen Mitarbeiter Sören Bauer die Ergebnisse der Untersuchung vor, die ausdrücklich Entwurfscharakter haben - auch weil die Verwaltung der Entscheidung durch die Politik nicht vorgreifen will. Betrachtet wurden die Vor- und Nachteile folgender Varianten: die Telekomstraße wird entwidmet, zur Ortsverbindung ausgebaut, als Fahrradstraße betrieben, auf der Fahrräder Vorrang vor Autos eingeräumt wird, oder ausschließlich als Radweg ertüchtigt.
Der komplette Verzicht auf die Straße wäre laut Studie "aus umweltschutzbezogener Sicht ein wertvoller Beitrag zur Entwicklung des Naturparks Barnim, ohne dass Beeinträchtigungen des Verkehrsnetzes Eberswalde zu erwarten sind". Allerdings würde der Rückbau der Trasse die Stadt zwei Millionen Euro kosten - und sogar weit mehr, wenn dabei mit Umweltgiften verseuchtes Baumaterial entsorgt werden müsste.
Der Ausbau der Ortsverbindungsstraße zwischen Finow und Biesenthal könnte laut Studie eine Netzergänzung zu den bestehenden, parallel verlaufenden Trassen der Autobahn 11 und Landesstraße 200 darstellen. "Hierfür besteht jedoch keine zwingende Notwendigkeit, da nur eine Verkehrsverlagerung von maximal 3600 Kraftfahrzeugen pro Tag prognostiziert wird", betonte Sören Bauer.
Für diese Variante würden der Untersuchung zufolge die zu erwartenden Eingriffe in Natur und Umwelt ein Ausschlusskriterium darstellen, da die zwingend notwendige artenschutzrechtliche Befreiung wegen der geringen Verkehrsbedeutung für den Kraftfahrzeugverkehr wahrscheinlich nicht zu erhalten sei. Die Baukosten werden in der Studie mit etwa zehn Millionen Euro veranschlagt, von denen Eberswalde einen Großteil zu tragen hätte. "Zudem erscheint eine Akquise von Fördermitteln nach derzeitigem Planungsstand sehr unwahrscheinlich", heißt es in der Untersuchung.
Welche Kosten der Ausbau zur Fahrradstraße mit sich bringen würde, hat das Stadtentwicklungsamt nicht näher betrachtet, weil erhebliche Probleme darin gesehen werden, die bevorrechtigten Radfahrer vor dem Autoverkehr zu schützen. Obendrein werde es auch hier kaum machbar sein, eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung zu erwirken.
Ein durchgängiger Radweg zwischen Finow und Biesenthal würde hingegen laut Untersuchung das Radwegenetz in Eberswalde und im Barnim optimieren. Die dabei verursachten geringeren Eingriffe in Natur und Umwelt könnten durch geeignete Maßnahmen ausgeglichen werden. Für den Neubau eines "komfortablen Radweges" veranschlagt das Stadtentwicklungsamt Kosten von etwa fünf Millionen Euro, der alternativ denkbare abgespeckte Lückenschluss wird mit etwa 1,4 Millionen Euro beziffert. Da der Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Eberswalde diese Option bereits vorschlage, wäre eine Förderung möglich.
Die Untersuchung kommt zu dem eindeutigen Schluss, dass aus verkehrsplanerischer und finanzieller Sicht allein ein Radwegbau empfohlen wird. Sollte auch diese Variante nicht zum Tragen kommen, laufe alles auf einen Rückbau der Trasse hinaus, der aber eher vom Land Brandenburg zu leisten wäre.
Bevor die Verwaltung der Politik den Ball zuspielte, hob Eberswaldes Baudezernentin noch hervor, dass der Landesbetrieb Straßenwesen kein Interesse an einer Wiedereröffnung der Telekomstraße habe. Die vom Stadtentwicklungsamt erarbeitete Vorzugsvariante eines Radwegebaus werde vom Amt Biesenthal-Barnim und von der Stadt Biesenthal befürwortet und vom Kreis Barnim akzeptiert.
Für Wolfgang Sachse, den Vorsitzenden des Bauauschusses, steht fest, dass jetzt die Fraktionen an der Reihe sind, sich eine Meinung über die Entwicklungspotentiale der Straße zu bilden.
Die Untersuchung ist im Internet verfügbar: www.eberswalde.de