Heiß und stickig ist es in den 20 dunklen Armeezelten auf dem Gelände der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Eisenhüttenstadt. Kein Wunder, dass sich tagsüber kaum ein Flüchtling darin aufhält. "Es ist katastrophal", sagt ein Albaner auf Englisch, der seit nunmehr sechs Nächten in einer dieser Notunterkünfte schlafen musste. "Vorher waren wir in den Containern untergebracht", erzählt er. "Und dann hieß es auf einmal, ihr müsst in die Zelte. Warum?" Der Grund ist ganz einfach. Die Ausländerbehörde versucht, Familien und Frauen in den Häusern, Containern und in der Turnhalle unterzubringen. Doch dort reicht der Platz hinten und vorn nicht mehr. Alleinreisende Männer, die einen guten Gesundheitszustand haben, müssen deshalb in die Zelte, die das Technische Hilfswerk aufgebaut hatte.
Und die Lage wird von Tag zu Tag ernster. Am Wochenende ist erstmals die 2000er-Marke von Flüchtlingen überschritten worden, die nun im Erstaufnahmelager in Eisenhüttenstadt sowie in den Außenstandorten in Ferch (Potsdam-Mittelmark) und Frankfurt untergebracht sind, teilt das Innenministerium mit. Entlastung sollen weitere Zelte bringen, in denen noch einmal 500 Asylbewerber Platz finden. Als Standort im Gespräch ist die Landesfeuerwehrschule.
"Morgens wenn man aufsteht, ist alles feucht", sagt ein anderer Albaner und schüttelt den Kopf. Denn die Zelte halten zwar das Wasser von oben ab, da sie aber weder einen Holz- noch einen Gummiboden haben, sucht sich die Nässe ihren Weg und kriecht in die Sachen. "Warum sind hier nur Albaner drin und ein paar Afrikaner?", fragt der junge Mann und geht wieder raus zu seinen Mitbewohnern, die am Zaun der Einrichtung zusammenhocken, um der Demse in den Armeezelten zu entkommen. Auf die Frage nach Duschen und Toiletten winkt er ab: "Gehen Sie da mal hin", sagt er und man sieht den Ekel in seinem Gesicht. Sicherlich, erzählt er weiter, Bomben gebe es in Albanien nicht, aber Not herrsche trotzdem. Deshalb sei er auch gekommen. Er hofft, in Deutschland auf eine bessere Zukunft.
Laut der Ausländerbehörde machen Albaner momentan einen Hauptanteil der teilweise 500 Neuankömmlinge pro Woche aus. Die Chance auf Asyl für sie ist allerdings eher gering, im Gegensatz zu beispielsweise den Syrern, die ebenfalls in großen Zahlen Asylanträge stellen.
Die Zelte sind die letzte Option gewesen, machten der Staatsinnensekretär Matthias Kahl und Sozialministerin Diana Golze (Linke) bei ihrem Besuch in der ZABH am Freitag klar. "Wir können aufgrund der hohen Zugangszahlen, der erforderlichen Gesundheitsuntersuchungen, der Antragsaufnahme beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, aber auch aufgrund von Kapazitätsproblemen in den Landkreisen, die Asylbewerber nicht so verteilen, wie die wöchentlichen Zugänge sind", erklärte Kahl. Hinzu kommen Infektionskrankheiten, die diesen Prozess ebenfalls erschweren.
Der Kreisverband Oder-Spree vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) hat trotzdem kein Verständnis für die Unterbringung in Zelten. Die Vorsitzende Ingrid Freninez spricht von einem unhaltbaren Zustand, der schnellstmöglich zu verändern sei. Schon allein, weil die wechselnden Wetterlagen und Temperaturen es nicht hergeben würden, in Zelten ohne Stromversorgung eingewiesen zu werden. "Es muss eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge in kürzester Zeit auf die Landkreise und Städte erfolgen. Ein ausgewogenes und gut geplantes Quartiersmanagement ist hierfür eine Voraussetzung", erklärt sie.
Flüchtlingszahl erstmals über 2000 / Kritik vom DGB-Kreisvorstand an Zeltunterkünften