Monatelang hatte er gegen den Krebs gekämpft, war guter Hoffnung, schmiedete Pläne. "Ich habe zugenommen, mache wieder Sport", sagte er im Dezember erleichtert. Axel Titzki wollte leben - vor allem für seine zwei Töchter, seine Frau und seine Eltern. Seine Familie war das Einzige, das er noch mehr liebte als die Musik. Selbst in dieser schweren Zeit hatte er übrigens eines nie verloren, seinen Humor: "Tumor ist, wenn man trotzdem lacht" - das war zuletzt sein Lebensmotto. Doch der Krebs ließ sich nicht besiegen. Der Tod - plötzlich war er da. Und er reißt eine Lücke in das Kulturleben von Eisenhüttenstadt.
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Titzkis Studio gleich neben dem Wohnhaus war sein zweites Wohnzimmer, dort gab er Interviews, dort verbrachte er Tage und Nächte, dort fanden sich Noten zu wundervollen Melodien zusammen. Ein Reich voller Erinnerungen. Dort dachte er auch oft an seine Lehre als Maschinenanlagenmonteur zurück, die offensichtlich nicht das Richtige für ihn war. Denn der junge Mann hatte vor allem Musik im Kopf, wollte nicht schrauben, sondern singen und Gitarre spielen. Auf jeden Fall arbeitete er danach lieber als Hausmeister in einem Kindergarten. "Und ich glaube, ich war der schlechteste Hausmeister der Warschauer-Pakt-Staaten", erzählte er mit einem schelmischen Grinsen. "Da hatte ich nämlich unendlich viel Zeit, um Musik zu machen."
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Damit Axel Titzki auch immer und überall Musik hören konnte, kaufte er sich vom Begrüßungsgeld nach dem Mauerfall bei seinem ersten Besuch im Westen einen Walkman für ein paar D-Mark. Aber von Musik zu leben, das war verdammt schwer. "Und wenn mir meine Eltern in den 1990ern nicht geholfen hätten, wer weiß ...", zeigte er sich dankbar.
Verdient hat er mit seiner Nachwende-Band AT News jedenfalls nicht viel. Aber noch lange vor dem Format "Deutschland sucht den Superstar" rief er Anfang der 90er-Jahre mit seinem Bandkollegen einen Gesangswettbewerb ins Leben und gab Talenten eine Plattform. Titzki machte sich einen Namen in der Region und darüber hinaus. Und nach und nach kamen Aufträge herein. So produzierte er die zwei ersten Alben von E-Craft, arbeitete mit Nik Page von den Blind Passengers zusammen, und 1997 begann die Erfolgsgeschichte des Familienmusicals "Schneemann Snowy", für das er die Musik komponierte und Texte schrieb.
Bescheiden geblieben ist der Mann, der sich auch in der Lokalpolitik engagierte, aber bis zum Schluss. Immer wieder - selbst bei der umjubelten Schneemann-Show im vergangenen Dezember - betonte er, dass nicht er der "Papa von Snowy" sei, sondern die Idee dafür von einem anderen stamme. Dennoch, mit "Snowy" hat er sich ein Denkmal gesetzt und Jahr um Jahr, Tausenden Menschen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.
Am 10. Februar wird es für Axel Titzki eine Gedenkfeier im Friedrich-Wolf-Theater geben. Und wer weiß, vielleicht rockt er ja da, wo er jetzt ist, auch die Hütte.