Wer den Inselfriedhof kennt, dem wird unweigerlich auch schon die große Bronzeplastik aufgefallen sein, die unweit vom Haupteingang aufgestellt ist. Sie trägt den Namen "Tränende" und stammt von dem Bildhauer René Graetz, der 1908 in Berlin geboren wurde, seine Kindheit in der Schweiz verbrachte und nach dem Zweiten Krieg in die DDR kam.
Doch mittlerweile ist die 2,50 Meter große Dame in die Jahre gekommen. "Sie steht seit den 70er Jahren hier und war immer Wind und Wetter ausgesetzt", sagt Hartmut Preuß, Leiter des Städtischen Museums, der auch für die Kunst im öffentlichen Raum verantwortlich ist. Einzig laienhafte Versuche hatte es gegeben, kaputte Stellen zu kitten.
"Jetzt ist sie einfach mal an der Reihe", findet er. Daher hat die Bildgießerei Seiler aus Schöneiche den Auftrag erhalten, die Plastik abzuholen und zu restaurieren. Am Mittwoch sollte es dann soweit sein. Doch beinahe hätte die Aktion noch abgeblasen werden müssen. War doch der Kran, den wiederum die Firma Seiler angefordert hatte, zu schwer, um über die Brücke zum Inselfriedhof zu fahren.
"Normalerweise schickt das Unternehmen, das den Kran anliefert, zunächst einen Außendienstmitarbeiter, um nach den Gegebenheiten zu schauen", erklärt Thomas Seiler, Geschäftsführer der Gießerei. Diesmal sei das leider nicht der Fall gewesen. Doch dank schneller und unbürokratischer Hilfe der Stadtwirtschaft gelang die Aktion doch noch. Die nämlich rückte nach einem Hilferuf von Hartmut Preuß in der Stadtverwaltung mit einem Bagger an. So konnte das 600 Kilogramm schwere Kunstwerk, in Gurte eingespannt, von seinem Sockel gehoben werden. Zunächst einmal wurde es auf zwei Matratzen abgelegt, die Thomas Seiler auf der Wiese ausgebreitet hatte, und schließlich auf der Ladefläche des Transporters. Die wurde zuvor wiederum mit den Matratzen gepolstert. Eine Decke bot zusätzlich Schutz, bevor der Experte die Haltegurte festzurrte.
"Wir werden jetzt die alten Kittungen entfernen, die Risse öffnen und anschließend fachgerecht verschweißen", sagt Thomas Seiler. Besonders sei hierbei, dass die Plastik nicht nur aus einem Teil gegossen ist. In einem letzten Arbeitsschritt wird mit einem speziellen Werkzeug die Oberfläche abgerieben, bis die Schweißnähte verschwunden sind und die Struktur der "Tränenden" wieder der gleicht, die René Graetz ihr einstmals verliehen hat.
Der Bildgießer nimmt an, dass die Restaurierung in etwa zwei Monate in Anspruch nehmen wird. In der Zwischenzeit wird der Betonsockel, auf dem die Plastik wieder angebracht werden soll, abgekärchert. Ob sie dann tatsächlich auch noch in diesem Jahr wieder aufgestellt wird, kann er nicht sagen. Das hänge von den Temperaturen ab. Denn der Verbundmörtel, der für die Verankerung des Kunstwerks in den Sockel verwendet wird, funktioniere laut Hersteller nur bis zu 5 Grad Celsius. Ob nun aber noch in diesem, oder erst im nächsten Jahr, die "Tränende" wird auf jeden Fall in neuem Glanz erstrahlen.