"Der Amtsausschuss stellt einen Antrag auf Abwahl des Amtsdirektors, ohne dafür eine Begründung zu geben – das finde ich sehr befremdlich", wandte sich Mario Rückert an die Gemeindevertreter. "Dann wird dem Amtsdirektor auch noch die Möglichkeit verwehrt, zu den ihm nicht bekannten Vorwürfen Stellung zu nehmen – damit kann ich nicht umgehen." Diese Verfahrensweise sei weder sozial noch demokratisch, "da lässt der menschliche Umgang miteinander doch sehr zu wünschen übrig".
Dazu komme der finanzielle Schaden fürs Amt. Wie berichtet, müssen dem Amtsdirektor nach dessen Abwahl etwa 75 Prozent der Bezüge bis zum Ende der Amtsperiode weitergezahlt werden. Im Falle Danny Busse wären das bis Januar 2024 "mindestens 250 000 Euro plus Versorgungskosten", hat Mario Rückert ausgerechnet – zusätzlich zu den Bezügen eines neuen Amtsdirektors. "Ich frage die Gemeindevertretung: Warum wird dem Amtsdirektor nicht die Möglichkeit gegeben, sich zu äußern?"
Als Antwort meldete sich Lars Wendland, einer der Unterzeichner des Abwahlantrags, mit einer offensichtlich vorbereiteten Erklärung zu Wort. "Von 13 Ausschussmitgliedern haben sich zehn mit der Materie beschäftigt", sagte er. "Alle zehn sind sich einig gewesen, den Antrag zu befürworten. Alle zehn sind sich einig, die Gründe nicht zu benennen." Dass Mehrkosten von mehr als 250 000 Euro auf das Amt zukämen, "das ist bekannt".
Er gehe davon aus, dass nach der Abwahlentscheidung am 28. Mai "irgendwann allen einleuchten wird, warum wir uns zu dieser Verfahrensweise entschlossen haben". Es gehe auch darum, andere Leute zu schützen. Der SPD-Abgeordnete, der 2013 auch schon mal in den Bundestag einziehen wollte, erklärte, er selbst wolle nicht neuer Amtsdirektor werden. Keiner der zehn Unterzeichner wolle das.

"Menschlich völlig daneben"

Eine andere Bürgerin wiederholte die Frage nach den Gründen für den Abwahlantrag. Bürgermeister Horst Siebke erklärte: "All diese Fragen werden im Moment nicht beantwortet." Es werde Antworten geben – aber nicht vor der Entscheidung über den Abwahlantrag am 28. Mai. "Danach wird es eine Sitzung des Amtsausschusses geben und ich gehe davon aus, dass dann auch über die Gründe informiert wird."
Nach dieser Aussage verließen die Einwohner, die nicht nur aus Brieskow-Finkenheerd, sondern auch aus Groß Lindow und Ziltendorf zum Sitzungsort Bürgersaal gekommen waren, die Sitzung, um vor dem Gebäude umso heftiger zu diskutieren. Erst nach einer Abwahl über die Gründe dafür informiert zu werden – das sei ungeheuerlich, schimpfte Steffi Hecke. Sie fühle sich als Bürgerin "veräppelt. Ein solcher Umgang mit dem Amtsdirektor ist schäbig!" Andere betonten, sie fänden das Verhalten der Mehrheit des Amtsausschusses "wirklich beschämend". Eine Frau betonte: "Wenn jemand mich auf Arbeit kündigt, dann möchte ich doch auch die Gründe dafür wissen."
Was hier passiere, sei "menschlich völlig daneben", betonte auch Jana Penack aus Groß Lindow. "Der Amtsdirektor muss die Möglichkeit bekommen, sich zu dem zu äußern, was der Amtsausschuss ihm vorwirft." Alles andere sei absolut undemokratisch und unmoralisch. Die anderen Einwohner stimmten ihr zu.

Offene Petition gestartet

Mehrere Einwohner des Amtes Brieskow-Finkenheerd haben eine offene Petition gestartet, mit der sie eine Anhörung des Brieskow-Finkenheerder Amtsdirektors Danny Busse vor dem Amtsausschuss noch vor der Abstimmung über den Abwahlantrag fordern. Die Petition wurde auf der Internetplattform www.openpetition.de veröffentlicht und kann dort von jedermann unterschrieben werden. Eingereicht worden ist die Petition von Cindy Kalk, Nicole Nobst, Sylvana Noack, Mario Rückert und Astrid Kirche. Ist das vorgegebene Quorum von 260 Unterschriften erreicht, wird die Petition mit der Bitte um eine Stellungnahme an den Amtsausschuss weitergeleitet. Online-Petitionen sind in Deutschland ein gängiges Mittel der demokratischen Mitbestimmung.

„Unfairer“ Umgang mit Busse

„Wir fordern die Anhörung des Amtsdirektors Danny Busse zu den ihm unbekannten Vorwürfen. Die Anhörung soll noch vor der Abwahl, vor dem Amtsausschuss stattfinden“, heißt es in der Petition an den Amtsausschuss, die wie folgt begründet wird: „Wir sehen es als unfair und respektlos an, ohne vorherige Gespräche eine Abwahl … durchzuführen. Die Amtsausschussmitglieder hüllen sich in Schweigen.“ Und abschließend: „Laut Aussage des ehrenamtlichen Bürgermeisters der Gemeinde Brieskow-Finkenheerd bekommen die Bürger erst nach der Abwahl Gründe für diese zu erfahren.“
Link zur Petition: h ttps://bit.ly/3dflYJi