"Das war schon wieder sehr bewegend", sagt Stephanie Padel von Bundespolizeiinspektion über den Moment, als die anwesenden Kinder in dieser Woche in einem Haus in der Kunitzer Loose mit großen und neugierigen Augen ihre Geschenke geöffnet haben. "Es war schön zu sehen, wie sehr sie sich alle gefreut haben." Über Präsente, die für manch anderen fast schon normal sind. Eine elektrische Zahnbürste stand beispielsweise auf dem Wunschzettel, ein Fußkettchen und ein Teddy. Sogar ein Lego-Set von der Polizei sei dabei gewesen.
Die Weihnachtsengel an diesem Nachmittag waren 31 Beamte der Bundespolizei. In der Inspektion in Frankfurt waren zuvor die Wünsche der 31 Bewohner der Kinderhäuser Oder-Neiße gelandet - Anfang Dezember. "Wir haben die aufgemalten oder aufgeschriebenen Wünsche im Wert von bis zu 25 Euro dann an unseren Weihnachtsbaum gehängt und bei Plätzchen und Kaffee konnten sich die Kollegen jeweils einen davon aussuchen", erzählt Stephanie Padel. Zwei Wochen Zeit blieben schließlich, um die gewünschten Geschenke zu besorgen. "Und dann sind wir mit fünf Säcken zur Kunitzer Loose gefahren."
Die Herzenwunsch-Aktion läuft bereits seit einigen Jahren. Irgendwann habe es mal eine Weihnachtsbaumaktion in Frankfurt gegeben, erinnert sich Stephanie Padel. "Und wir wollten so etwas auch machen." Da die Bundespolizeiinspektion für den Landkreis Oder-Spree zuständig sei, konzentriert man sich seitdem auf dortige Kinderheime. Wiederholt wurden zunächst die Bewohner des Kinderhauses am Fließ in Eisenhüttenstadt in Trägerschaft des Evangelischen Jugend - und Fürsorgewerkes (EJF) beschenkt. Doch da es noch weitaus mehr Kinderheime in der Region und damit auch mehr Kinder gibt, die eben kein heiles Elternhaus haben, wollten die Beamten auch mal woanders Freude schenken.
Im vergangenen Jahr fiel die Wahl auf das Kinderhaus Leuchtturm in Brieskow-Finkenheerd, diesmal auf die Kinderhäuser Oder-Neiße. In fünf verschiedenen Häusern in Wellmitz, Ziltendorf, Kunitzer Loose und Möbiskruge werden von dem freien Träger der Jugendhilfe insgesamt 31 Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis 17 Jahren betreut. Die Bewohner stammen aus Frankfurt, Fürstenwalde, Spremberg, Eberswalde, Eisenhüttenstadt, Guben und Chemnitz.
"Wir haben sogar alle gemeinsam gesungen. Das ging schon unter die Haut", betont Stephanie Padel, die davon ausgeht, dass die Aktion auch im nächsten Jahr fortgeführt wird. Schließlich gebe es noch mehr Kinderheime. Bis Mitte November bleibt nun wieder Zeit, bis dahin müssen sich dann alle interessierten Mitarbeiter wieder wegen der Weihnachtswunschbaum-Aktion melden. Bisher war die Resonanz immer groß.
Und diesmal haben die Beamten sogar kleine Dankeschöns erhalten. Die Bewohner der Kinderhäuser Oder-Neiße haben nämlich Christbaumschmuck gebastelt. Der sollte zunächst an den nun etwas kahlen Weihnachtsbaum in der Bundespolizeiinspektion gehängt werden. "Wir haben uns dann aber dafür entschieden, dass jeder, der an der Aktion teilgenommen hat, sich eine der gebastelten Überraschungen aussuchen und mit nach Hause nehmen kann. Dort hängen sie nun vielleicht an den privaten Weihnachtsbäumen und erinnern am Heiligabend daran, dass Weihnachten eben nicht nur das Fest der Geschenke ist, sondern auch ein Fest der Nächstenliebe ist."