Der 17-Jährige Marcus Koop war am vergangenen Sonnabend wie gewohnt auf seinem Hoverboard unterwegs, als ihn Polizeibeamte gegen 22.30 Uhr in der Karl-Marx-Straße stoppten. Der Grund: Fahren ohne Führerschein und unter Alkoholeinfluss. Nach seiner Heimfahrt auf dem elektrisch betriebenen Rollbrett ohne Lenkstange, auf dem man sich stehend fortbewegt, hat der Jugendliche mit einer satten Strafe zu rechnen – ein Punkt in Flensburg, eine Geldstrafe und vielleicht sogar Sozialstunden.
Zuvor hatte der Jugendliche Bier mit einer Freundin in der Rosa-Luxemburg-Straße getrunken. Der Atemalkoholtest ergab 0,7 Promille. „Ich habe nicht geahnt, dass ich dafür einen Führerschein brauche“, sagt Marcus Koop. Über ein Jahr sei er mit dem Hoverboard unterwegs gewesen. Eine Polizeistreife habe sich das Gerät sogar bereits von ihm vorführen lassen.
Die China-Ware liegt auch bei der Stahlstädter Jugend schwer im Trend. „Viele meiner Freunde und Mitschüler sind damit unterwegs“, sagt Marcus Koop. Ob und wie viele ähnliche Fälle es in Stadt und Region gibt, konnten weder die Polizei noch ADAC auf MOZ-Anfrage beantworten.
„Ich habe sofort meinen Vater angerufen“, erinnert sich Marcus Koop. Da das Sorgerecht bei der Mutter liegt, konnte er seinen Sohn nicht mit nach Hause nehmen. Die Beamten haben ihn stattdessen zunächst nach Hause begleitet. Als die Polizei am vergangenen Samstag bei der bereits schlafenden Elke Koop klingelte, fiel sie aus allen Wolken.
„Ich war total geschockt“, sagt sie. Sie habe zunächst gedacht, dass ihr Junge „Mist“ gebaut habe. Dabei ist Marcus Koop nicht vorbestraft. Zum Atemalkoholtest mussten Mama und Sohn anschließend auf die Polizeiwache. „Was ich als Mutter empfand: Dass er dafür direkt in eine Zelle geführt wurde“, ist Mama Koop noch ganz aufgebracht. Ihr Junge hätte heute noch Alpträume vom fensterlosen Raum mit Panzertür. „Es war sehr kalt“, erinnert sich Marcus Koop. Erst gegen Mitternacht konnte der Junge mit seiner Familie nach Hause.
Am Ende bleibt die Entrüstung bei Familie Koop. „Es kann nicht sein, dass der Verkäufer nicht davor warnt“, sagt Elke Koop. Großvater Bernd habe die Freude, die zum Ärgernis wurde, online erworben. „Jetzt habe er Angst davor, was auf meinen Sohn zukommt“, sorgt sich die 36-jährige Stahlstädterin.
„Die Hoverboards sehen zwar aus wie Spielzeug, sind aber motorisiert und fahren schneller als 6 km/h. Sie gelten daher als Kraftfahrzeug und benötigen eine Zulassung“, bestätigt Jana Wierik, ADAC-Sprecherin Berlin-Brandenburg. Der öffentliche Straßenraum sei für das Gefährt somit tabu. Eine Führerscheinpflicht gelte auch für andere Kleinfahrzeuge wie Segway und Airwheels, sagt Wierik.
„Sie sind ausschließlich auf einem Privatgelände und nur mit Zustimmung des Eigentümers erlaubt.“ Die mangelnde Aufklärung der Hersteller sei ein Problem, bestätigt die ADAC-Sprecherin. Am Ende haftet der Verbraucher – im Falle von Minderjährigen die Eltern. Dem jungen Mann, der im September 18 wird, droht nun sogar eine Fahrsperre – dabei wollte er bald seinen Führerschein machen.