Mit seiner persönlichen Bilanz war Ammer nicht unzufrieden. "Weniger als zehn Treffer sollten es schon sein. Das hat geklappt", erklärte der 1,90 Meter große Modellathlet. Allerdings hatte ihn dafür Trainer Ronny Schulze in der 58. Minute beim Stand von 0:9 für Adolf Kampioni aus dem Spiel nehmen müssen. In der restlichen halben Stunde folgten noch acht weitere Cottbuser Treffer. Ammer ging unter dem lautstarken Applaus der Zuschauer, hatte er doch manchen Gegentreffer vereitelt.
"Ich hoffe, ich kann meine Stärken im Strafraumspiel einbringen und einige Flanken verhindern", hatte er vor der Partie geäußert. Gegen Energie gespielt hatte er bereits zuvor zweimal jeweils mit Viktoria Frankfurt. Das erste Mal, als Viktoria im Jahr 2003 in die Oberliga aufgestiegen war. Das 0:2 gegen das Ede-Geyer-Team war beachtlich. Etwas später hieß es dann 0:4. "Heute werden wir mehr Gegentreffer kassieren." Zumal Trainer Rudi Bommer seinen Männern einen trainingsfreien Tag versprach, wenn sie mindestens mit 14:0 gewinnen.
Erfahrungen mit Profis hatte Ammer damals in der Oberliga-Saison gesammelt. "Wenn ein Profi in den Winkel schießt, dann ist das gewollt. Einem Amateur gelingt das vielleicht zweimal im Leben. Bei einem Schuss muss man schon das Gespür haben, um zu ahnen, wohin er gehen soll. Schade, dass ihr österreichischer Torwart Robert Almer nicht dabei ist. Ihn hätte ich gern beobachtet."
Theoretisch wäre dafür auch Zeit, da Ammer ausgemacht hatte, in der Halbzeit aus dem Spiel genommen zu werden. Ammers Befürchtungen bestätigten sich. Die Lausitzer begannen hoch motiviert, Stürmer-Zugang Charles Takyi stand bereits in der 1. Minute frei am kurzen Pfosten - Ammer hatte bei diesem platzierten Schuss keine Chance. Drei Minute später hatte er Glück, als Takyi aus derselben Position den Ball per Kopf knapp am Gehäuse vorbei setzte. In der fünften Minute gelang Marc Wiedemann für Müllrose sogar ein Entlastungsangriff, doch zu hoch. In derselben Minute Ammers erste gelungene Parade, er hielt den Scharfschuss von Christian Bickel aus 20 Metern. Doch zwei Minute später der zweite Gegentreffer, gegen Sanogos Schuss aus zehn Metern war kein Kraut gewachsen. Drei Minuten später erneut ein Abwehrfehler in der Müllroser-Hintermannschaft, den Ammer nicht mehr ausbügeln konnte - 0:3 durch Takyi.
Dafür lautstarker Beifall in der 12. Minute, als Ammer gleich zweimal gegen Sanogo klärt. Doch eine Minute später kann auch er gegen den frei gespielten Nicolas Farina nichts ausrichten - 0:4. Dafür wieder eine Minute später Beifall, als er einen scharfen Sanogo-Schuss zur Ecke klärt. Doch umsonst - Takyi ist beim Eckball per Kopf zur Stelle (0:5/16.). Drei Minuten hat Ammer jetzt zum Luftholen, dann trifft Farina flach ins lange Eck - 0:6 (19.).
Um Ammers Gesundheit bangen hätte man müssen, wenn er tatsächlich bei einem fulminant getretenen Ball aus acht Metern knapp unter das Quergestänge noch eingegriffen hätte - 0:7 (21.) durch Takyi. Langsam wird es Ammer angesichts des Dauerdrucks zu arg. Lautstark versucht er seine Vorderleute zu sortieren, ganz knapp setzt Takyi einen Aufsetzer über das Tor (24.).
Nach kurzem Verschnaufen des Bundesligisten muss Ammer in der 27. Minute erneut hinter sich greifen - Sanogo schießt aus halbrechter Position flach ein. Ammer kommt zu spät und bleibt sichtlich verärgert etwas länger auf dem Rasen liegen.
Doch Cottbus kennt noch kein Erbarmen, schießt Tor um Tor. Obwohl Ammer noch beim Verlassen des Spielfeldes plante, in der Pause zu duschen, läuft er zur zweiten Halbzeit erneut auf. Bis zur 58. Minute. Da steht es 0:9.
Müllroser SV: Ammer (58. Kampioni) - Karge, Kirchhoff (32. Fuhrmann), Seifert (32. Schuster/82. Pehle), Sagert (67. Sellin) - Wiedemann (46. Apel), Berg (62. Anton), Max Herrmann, Graßnick, Koch - Paul Herrmann ; Trainer: Schulze
Cottbus: Renno (46. Heimann) - Schulze (46. Affane), Banovic (46. Susic/75. Dahm), Börner (46. Möhrle) - Bickel (46. Fomitschow), Farina (46. Kruska), Putze (46. Bittroff), Brzenska (46. Stiepermann), Srab (46. Kapplinghaus) - Sanogo (46. Rivic), Takyi (46. Mosquera); Trainer: Bommer;
SR: Katja Mattig (Müllrose); Zuschauer: 1530
Hat gleich den Ball: Müllroses Torwart Stefan Ammer setzt sich in dieser Spielszene gegen den Cottbuser Farina Nicolas durch.Fotos (3): Michael Benk
Große Kulisse: 1530 zahlende Zuschauer hatte der Müllroser Sportplatz schon lange nicht mehr erlebt.
War nicht unzufrieden: Energie-Coach Rudi Bommer
Hat gleich den Ball: Müllroses Torwart Stefan Ammer setzt sich in dieser Spielszene gegen den Cottbuser Farina Nicolas durch.Fotos (4): Michael Benk
Große Kulisse: 1530 zahlende Zuschauer hatte der Müllroser Sportplatz schon lange nicht mehr erlebt.
Freude über den Ehrentreffer: In der 75. Minute verkürzte der Müllroser Björn Koch auf das zwischenzeitliche 1:13.
War nicht unzufrieden: Energie-Coach Rudi Bommer
Der Müllroser Keeper vereitelt manchen Gegentreffer, schluckt gegen Energie Cottbus aber neun Tore
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