Herr Kelly, Ihre Anfänge lagen in der Straßenmusik und Sie sind nach dem Ende der Kelly Family dahin zurückgekehrt. Warum?

Ich bin auf der Straße aufgewachsen und das ist meine wahre Berufung. Nachdem unser Vater gestorben war, ging die Kelly Family auseinander. Er war immer unser Kapitän gewesen. Dann hat jeder seinen eigenen Weg eingeschlagen. Ich habe mich entschieden, es noch einmal auf der Straße zu versuchen, auch wenn ich anfangs große Angst hatte.

Was ist das Besondere an der Straßenmusik?

Es ist die Begegnung von Mensch zu Mensch mithilfe der Musik. Und es ist der Überraschungseffekt. Die Menschen, die zusehen und -hören, wissen nicht, was sie erwartet und ich weiß es ebenfalls nicht. Es ist ganz anders, als wenn die Zuschauer zu einem Konzert kommen, für das sie bezahlt haben. Sie wissen, was sie sehen wollen und der Künstler weiß, was von ihm erwartet wird.

Jetzt ist ein Einkaufszentrum wie das City Center nicht die Straße. Warum kommen Sie dennoch dahin?

Anfangs war ich nicht so dafür und habe immer "Nein" gesagt, wenn mir solche Auftritte angeboten wurden. Aber letztendlich geht es auch hier um den Menschen und die Musik. Es ist genauso möglich, Kontakt zu seinem Gegenüber aufzunehmen. Es ist eine fast eine intime, private Situation. Viele Einkaufszentren geben sich zudem Mühe, ein schönes Ambiente zu schaffen. Shoppen ist Teil unserer Kultur. Und eigentlich sind viele Fußgängerzonen ja mittlerweile Einkaufszentren geworden.

Was macht für Sie die Begegnungen mit den Menschen so einzigartig?

Es sind die Geschichten, die sie zu berichten haben. Neulich traf ich eine Frau, die mehrere schwere Einkaufstüten mit sich trug. Ich meinte zu ihr: "Da haben Sie aber viel eingekauft und können gut essen." Sie erzählte mir daraufhin, dass die Einkäufe für ihre Nachbarin sind, die selbst nicht einkaufen gehen kann. Dieser selbstlose Akt der Nächstenliebe hat mich sehr beeindruckt. Solche Menschen sind immer auch ein Spiegelbild für mich selbst. Ich reflektiere die Begegnungen und frage mich, was ich eigentlich für andere tue.

Was werden die Besucher im City Center denn hören?

Ich werde natürlich eigene Lieder spielen, aber auch Cover-Lieder, die die Menschen kennen.

Gleich im neuen Jahr werden Sie auf Tournee gehen. Wie erhalten Sie den Charakter Ihrer spontanen Auftritte bei den Konzerten?

Erst neulich haben mir in Bremen zwei Fans die Frage gestellt. Ich habe ihnen gesagt: Ich mache Musik, aber binde eben Geschichten mit ein und berichte von den einzigartigen Begegnungen, die ich jeden Tag mache. Als Beispiel habe ich ihnen dann von der hilfsbereiten Frau erzählt.

Nun steht Weihnachten schon fast vor der Tür. Welche Bedeutung hat das Fest für Sie? Werden Sie während der Feiertage auch unterwegs sein?

Weihnachten ist sehr wichtig. Ich bin bis zum 23. Dezember unterwegs, über die Feiertage nicht. Ich habe drei Kinder und eine Frau. Wir werden erst zu Hause sein und dann auch meine Geschwister und ihre Familien besuchen. Ich möchte gerne Christ sein, deshalb hat Weihnachten noch die ursprüngliche Bedeutung. Wir gehen zur Messe, um dem Mysterium etwas näher zu kommen. Natürlich gibt es aber auch Geschenke.

Jimmy Kelly, Donnerstag, 15 und 17.30 Uhr im City Center Eisenhüttenstadt, Tourdaten unter www.jimmykelly.de