Den britischen Gästen zeigte Gabriele Urban im Stadtarchiv einige der dort verwahrten Dokumente, die den damaligen Jugendaustausch zwischen ihrer Heimatstadt Crawley sowie Eisenhüttenstadt dokumentieren. Zum Beispiel findet sich dort noch eine Programmübersicht, in welcher die geplanten Aktivitäten aufgeführt werden: Der Besuch von Sportveranstaltungen, Mittagessen im Restaurant Aktivist an der Karl-Marx-Straße, ein Besuch in Bremsdorf und zwei Spiele gegen Jugendmannschaften aus Eisenhüttenstadt.
„Es war so heiß an diesem Tag“, erinnert sich Steve Waller. Beide Partien gegen den BSG Stahl hätten sie unentschieden gespielt, wie er sagte. Den Aufnäher mit dem Logo des Vereins, der auf den Trikots der gegnerischen Mannschaft angebracht war, hat John Farrier als Andenken behalten. Ihn sowie ein paar Fotos kramte der 65-Jährige aus einer Plastikfolie heraus und breitete sie auf dem Tisch im Stadtarchiv aus. Neben einem Foto der Mannschaft ist dort noch ein Gruppenfoto mit dem  Bürgermeister von Crawley, Steve Wallers Vater, zu sehen. Er war, meinte Steve Waller, ein Sozialist. „Die politische Richtung stimmte also“, bemerkte er in Hinsicht auf Eisenhüttenstadt, das als sozialistische Planstadt entstanden ist. Und hier liegt laut ihm noch eine weitere Gemeinsamkeit beider Orte. Auch Crawley sei mit einem klaren Ziel aufgehabt worden: Die Stadt hatte den Zweck, Menschen aus dem überfüllten London herzulocken, führte der Brite aus.
Wie brisant die politische Lage zu dieser Zeit gewesen ist, wurde den beiden, damals sehr jungen Männern hingegen erst im Nachhinein bewusst, wie sie einräumten. Zum Beispiel sei der Ausflug nach Dresden kurzfristig gestrichen worden – wegen der Unruhen des Prager Frühlings. „Uns wurde vor Augen geführt, was damals tatsächlich in Europa los war“, hob Steve Waller hervor. Sie hätten auch ein Gefühl von Überlegenheit verspürt. „Wir sind sofort aufgefallen mit unseren Anziehsachen und den Jeans“, meinte John Farrier. Einige hätten sogar versucht, ihnen Dinge abzukaufen.
Sehr positiv in Erinnerung geblieben ist den beiden Männer die Großzügigkeit der Menschen, auch wenn Verständigung nur über einen Übersetzer erfolgt ist. Die meisten jungen Deutschen waren nur des Russischen mächtig, wie Ursula Urban erläuterte. John Farrier haben sich vor allem die gemeinsamen Abende in der Disco Lunik eingeprägt. „Das war damals ein sehr erstklassiges und teures Hotel“, weiß er noch.
Von diesem einstigen Glanz ist heute nichts mehr zu spüren. Ohnehin haben die Gäste aus England bei ihrem Besuch erfahren, dass es viele Orte, an denen sie gewesen sind, nicht mehr gibt. Das Freibad in der Buchwaldstraße oder das Schifferkinderheim in Fürstenberg, in dem sie damals unterbracht waren, und das laut Gabriele Urban heute ein Wohnhaus ist.
Und doch gibt es laut Steve Waller auch etwas, dass sich seit ihrem Aufenthalt vor 50 Jahren nicht verändert hat. „Es ist immer noch so angenehm ruhig hier“, ist dem 65-Jährigen aufgefallen. Und so wie früher wollen sie heute auch im Aktivist zu Mittag essen. Denn die deutsche Küche schmeckt ihnen immer noch sehr. „Besonders Schnitzel und Sauerkraut“, betonte Grete Brynildsen.