Ist das der Beginn einer Trendwende, auf die Eisenhüttenstadt seit 1990 wartet? Laut den neusten Zahlen des Landesamtes für Statistik, die mit Verzögerung veröffentlicht werden, hatte Eisenhüttenstadt im Juli 2020 23.866 Einwohner, davon 12.456 weibliche Einwohner. Das sind zwar gut 200 Einwohner weniger als im Juli 2019.
Aber wenn man die Daten aus dem laufenden Jahr 2020 dazu nimmt, kann man den Eindruck gewinnen, dass sich der Bevölkerungsschwund stark abgebremst hat. Denn der Verlust von Juli 2018 zu Juli 2019 betrug noch fast 800 Einwohner. Das ist auch die Größenordnung, die in den Vorjahren immer wieder zu verzeichnen war. Bis auf die Jahre 2014 und 2015, wo es die Sondereffekte durch den starken Zuzug von Flüchtlingen gab, hat Eisenhüttenstadt von 2017 bis 2019 rund 3000 Einwohner verloren.

Keine großen Ausschläge im Jahr 2020

In den ersten sieben Monaten dieses Jahres sind die Einwohnerzahlen dagegen teilweise gestiegen, dann aber auch wieder gesunken, allerdings ohne große Ausschläge. Die Zahl Ende Juli dieses Jahres war in etwa die, die zu Beginn des Jahres ausgewiesen war. Da macht sich offensichtlich bemerkbar, dass in Eisenhüttenstadt bei der Einwohnerzahl auch die Bewohner der Zentralen Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge des Landes mit einberechnet werden.

Mehr Bewohner in der Erstaufnahmeeinrichtung

Nach Angaben des Innenministerium lebten zu Beginn des Jahres 308 Menschen auf dem Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung in der Poststraße. Die Zahl stieg im Mai auf 436 an, ging danach etwas zurück und erreichte im September fast 500 Bewohner. Es steht zu vermuten, dass die Statistik des Landes im September womöglich einen Einwohnerwert für Eisenhüttenstadt ausweist, der wieder über der 24.000-Marke liegt.

Leerstand bleibt unvermindert hoch

Auch wenn sich die Einwohnerzahlen statistisch im Vergleich zu den Vorjahren positiv entwickeln, so macht sich das beim größten Vermieter der Stadt, der kommunalen städtischen Gebäudewirtschaft (Gewi), nicht bemerkbar. Ein guter Indikator für Bevölkerungszuwachs oder Bevölkerungsabnahme ist die Entwicklung des Leerstandes. Oliver Funke, Geschäftsführer der Gewi, kann da keine Entspannung verzeichnen, wie es die Einwohnerentwicklung nahelegen würde. Eher im Gegenteil: Es zeichnet sich ab, dass unterm Strich der Leerstand etwas stärker steigen wird im Vergleich zum Vorjahr. Da lag die Leerstandszunahme bei rund 91 Wohnungen. Dieser Wert ist jetzt schon übertroffen.

Tendenziell mehr Zu- als Wegzüge

Oliver Funke verzeichnet aber, was Bürgermeister Frank Balzer auch schon geäußert hat. Das Problem sind für Eisenhüttenstadt nicht mehr in dem Maß die Wegzüge, die vor allem nach der Wende zu schmerzlichen Verlusten geführt haben. Die Wegzüge werden durch Zuzüge kompensiert oder sogar übertroffen. Was dann letztlich doch zu einem Minus führt, sind Sterbefälle. Nach wie vor sterben deutlich mehr Eisenhüttenstädter als neue geboren werden.