Regelmäßig ist die 38-jährige Müllroser Bogenschützin Isabel Kühl ein Kandidat bei der Sportler-Umfrage des Landkreises. Noch nie hatte sich dabei die Pädagogin ganz vorn platziert, doch das ist für sie nebensächlich.  „Für uns Bogenschützen ist diese Nominierung eine Ehre, andere Sportarten stehen wesentlich mehr in der Öffentlichkeit. Als ich vor einem Jahr gleich früh bei der Arbeit von meiner Chefin wegen des langen Artikels angesprochen wurde, fand ich das nicht ganz so schön, andererseits ist es jedoch auch eine Wertschätzung unserer Erfolge.“
Auch wenn es auf nationaler Ebene weitere erfolgreiche Müllroser Bogenschützen gibt, Isabel Kühl steht schon aufgrund ihrer langen Zugehörigkeit zur nationalen Spitze über allen. Zumal sie sich jeweils mit dem olympischen Recurve-Bogen in der Damenklasse durchsetzen muss, der auch Olympia- und WM-Starter angehören.
So hatte sie zwar in diesem Jahr bei den Freiluft-Titelkämpfen des Schützenbundes wie vorgenommen die K.-o.-Runde der besten 16 erreicht, war dann jedoch gleich auf die Hallenweltmeisterin Elena Richter getroffen. Gegen die Berlinerin hatte sie keine Chance. Wesentlich besser war es für sie ein halbes Jahr zuvor im März bei den Hallen-Titelkämpfen des Schützenbundes gelaufen.  In Abwesenheit der beiden Spitzenschützen Lisa Unruh (Olympiazweite) und Elena Rieger, hatte die Schlaubetalerin die Vorrunde als Dritte abgeschlossen. Nach Siegen in den K.-o.-Runden gegen Elisabeth Kessler (Zell), Elisa Felix (Berlin) und Elena Neumann (Köln) hatte sie das Finale gegen die Vorrunden-Fünfte Meike Räder (Krefeld) erreicht. Nach 5:5-Satzpunkten entschied die Krefelderin das Stechen mit einer glatten Zehn gegen die Müllroserin, die eine Neun geschossen hatte. Damit holte Kühl wie vor drei Jahren erneut Silber in der Halle. Dass sie das Finale gegen eine Konkurrentin ihrer Kragenweite und nicht etwa gegen eine Auswahlschützin verloren hatte, scheint die Mutter zweier ebenfalls Bogensport treibener Töchter Lisa-Marie (13) und Charlotte (10) nicht sonderlich zu ärgern. „Im März werde ich erneut angreifen. So lange wie es geht, versuche ich vorn mitzuhalten.“
Priorität in der Familie Kühl genießt jedoch mittlerweile das Training der ältesten Tochter, die bei ihrem ersten Auftritt bei einer Freiluft-DM des Schützenbundes auf Anhieb den Titel in der U 14 gewonnen hatte. Diese trainiert fast täglich. Doch auch die jüngste Tochter meldet inzwischen bogensportliche Ansprüche an. Bei den Vereinsmeisterschaften der Müllroser Schützengilde hatte diese ihre Mutter im Finale besiegt. Zwar ist das gelbe Zentrum ihrer 18 Meter entfernt stehenden Scheibe noch doppelt so groß wie das der Mutter, aber immerhin. Dabei hatte die Jüngste bereits Nervenstärke gezeigt, als sie sich im Halbfinale im Stechen durchgesetzt hatte. „Das ist schließlich meine Tochter“, hatte Isabel spontan den Sieg der Deutschen Vizemeisterin der U 12 beim Deutschen Bogensportverband kommentiert. Eine Runde zuvor hatte Isabel in der K.-o.-Phase gegen ihre ältere Tochter keine Gnade walten lassen.
Wirklich wichtig sind für Isabel Kühl jedoch nur noch die Deutschen Titelkämpfe. Und da hat die schlanke Müllroserin, die gut und gern auch als Leichtathletin durchgehen würde, ihren drei goldenen Plaketten des Deutschen Bogensportverbandes eine weitere im September in Bellingen hinzugefügt. Dort hatte sie sich in der Klasse Damen-Recurve mit elf Ringen Vorsprung durchgesetzt. „Das war ganz gut für mich gelaufen“, legt sie nicht sonderlich viel Euphorie in diesen Erfolg. Mehr zählen für sie die Medaillen beim Deutschen Schützenbund, wo die Auswahl-Athleten mitmischen.
Warum es dort bislang eher in der Halle und nicht ganz so gut im Freien geklappt hat, begründet sie mit dem höheren Trainingsaufwand in der Halle. „Durch die Kooperation mit dem Polizeisportverein in Frankfurt können wir dort mittwochs und donnerstags üben. In Müllrose haben wir unsere Trainingszeit am Sonnabend. Vor den deutschen Meisterschaften haben wir das voll genutzt.“
Hinzu kommen die fast täglichen Trainingseinheiten im Wohnzimmer mit Schüssen auf eine im Garten aufgestellte Schreibe. „Ich versuche drei bis viermal wöchentlich zu trainieren, doch so ganz wichtig ist mir das nicht mehr. Vielmehr verfolge ich die Entwicklung meiner Kinder.“ Nach der Erkenntnis von den Vereinsmeisterschaften am Sonnabend scheinen beide die Nervenstärke ihrer Mutter geerbt zu haben. Für das Technik-Training ist ohnehin eher Vater Udo Kühl zuständig.