Dessen mehr als 100 aktive und passive Vereinsmitglieder müssen in den nächsten Wochen auf Steffen Heinkel bei den Chorproben, die immer dienstags von 19.30 bis 21.30 Uhr im Fürstenberger Gesellschaftshaus "Schleicher" stattfinden, verzichten. Grund: Der 40-jährige Polizeioberkommissar, der dem inzwischen 135 Jahre bestehenden Chor vorsteht, und dessen Arbeitsstelle das Eisenhüttenstädter Polizeirevier ist, nimmt seit diesem Montag  an einem dreimonatigen "Fachlehrgang Binnen" an der einzigen Wasserschutzpolizei-Schule Deutschlands, in Hamburg, teil.
Der gebürtige Eisenhüttenstädter wohnt seit 2010 mit Ehefrau Anita (42), Tochter Leonie (13) und Sohn Lucas (16) im Ortsteil Fürstenberg und hat eine bewegte berufliche Vita hinter sich.  1996 ging er mit 16 Jahren zur Polizei und versah ab 1999 als Polizeimeister sein Dienst in Frankfurt. 2002 wechselte er auf das Polizeirevier des Deutschen Bundestages in Berlin. Danach ging es zur Landespolizei Berlin, auf den Polizeiabschnitt 55 in der Karl-Marx-Straße. Aber warum nur Neukölln? "Ich vermisste den Kontakt zu den Bürgern. Mir haben einfach der normale Polizeialltag und -dienst gefehlt", erwidert er, der sich vom Wesen her als sehr kontaktfreudig einstuft.
Von Berlin zurück nach "Hütte"
Die Familie lebte damals in Berlin-Rudow, doch 2007 entschieden seine Frau und er, zurück nach Eisenhüttenstadt zu ziehen, weil sie als OP-Schwester dort eine Anstellung im Krankenhaus fand und es einfach für das Aufwachsen der Kinder besser war, sagt er, dessen Eltern ebenfalls in Eisenhüttenstadt wohnen.
Bis 2009 pendelte Steffen Heinkel zwischen "Hütte" und der Hauptstadt per Regionalbahn zum Dienst, bis er einen Tauschpartner fand. Dienstlich nun auch zurück in der Heimat interessierte er sich ab 2016 ür die Stelle bei der Wasserpolizei, auf die er im Oktober 2018 kam.
"Mir macht es einfach Spaß, mit Menschen zu arbeiten", sagt Steffen Heinkel, der über seinen Freund Christian Scheibner, der schon seit über 20 Jahren im Chor ist, zum MGV Germania 1885 kam. "Als die Frühlingssaison 2011 begann, in der einfachere Lieder gesungen werden, bin ich am 1. Februar 2011 in den Chor eingetreten", erinnert er sich. Was war das für ein Gefühl? "Ich wurde aufgenommen, als ob ich schon immer dazu gehört hätte. Es ist ein sehr geselliger Verein. Mich dort wohl zu fühlen, wurde mir leicht gemacht", lächelt er. Wer schon länger dabei ist, steht im großen Chor mit seinen aktuell 50 aktiven Mitgliedern relativ weit vorn. Damals aber – in der Anfangsphase – sang er als Neuling, der noch seine Texte und Noten lernen musste, in der letzten Reihe. "Das war alles gar nicht so einfach", gibt er zu. Es dauerte etwa ein Jahr, dann durfte er im kleinen, 16-köpfigen Chor, der alle vier Stimmen abdeckt und sich aus dem großen Chor rekrutiert, mitsingen.
Welche Lieder gefallen ihm am besten? "Lustige, beschwingte und Frühlingslieder", erwidert er. "Aber Weihnachtslieder haben auch ihren Reiz. Wenn wir etwa in der Kirche singen, dann nimmt mich das schon emotional mit."
Chor auf Verjüngungs-Kurs
Mit dem singenden Polizeioberkommissar und einigen weiteren jüngeren Mitgliedern setzen die Sänger von Germania 1885 ihren Verjüngungs-Kurs fort. Wer dazustoßen möchte, besuche die Vereins-Website im Internet unter www.mgv-germania-1885.de.

Sechs Fragen an den Vereinsvorsitzenden


Was hat Sie in Ihrer Entwicklung am meisten beeinflusst, geprägt? Am meisten geprägt haben mich meine Eltern, meine Frau, meine Kinder und mein großer Freundeskreis.

Was würden Sie als Er-stes veranlassen, wenn Sie Bürgermeister in Ihrer Stadt wären?Ich würde mich darum kümmern, dass es endlich beim ehemaligen Hotel Lunik vorwärts geht. Das ist schon ein ziemlicher Schandfleck. Und ich würde versuchen, die Stadt weiterhin zu entschuldenMöchten Sie noch einmal 17 sein?Nein.

Was wünschen Sie sich seit Jahren?Ich wünsche mir, dass unsere Kinder später auch ihr Glück finden, ob in Partnerschaft oder Beruf. Dass ich mit meiner Frau gemeinsam alt werde und wir uns noch die Welt anschauen können. Für den Männergesangsverein Germania 1885 wünsche ich mir, dass sich neue junge Mitglieder finden lassen. Das ist wichtig für uns, da wir einer der wenigen Vereine sind, in dem Alt und Jung so zusammen finden.Träumen Sie gern?Ja. Ansonsten bin ich schon ein sehr realistischer Mensch, sehr geradeaus.

Was hält Sie in Ihrer Heimat? Würden Sie noch woanders hinziehen?Wegzuziehen kann ich mir momentan nicht vorstellen, weil wir hier so heimatverbunden sind – sei es mit dem Chor oder mit unseren vielen Freunden.