Die Isolation beginnt erst jetzt!“, betont die 33-jährige Frau aus Brieskow-Finkenheerd, die ihren Namen aus diesem Grund lieber nicht öffentlich machen möchte. Dabei haben sie, ihr Mann und die vier Kinder die 14-tägige Quarantäne erst vor wenigen Tagen beendet. Angeordnet worden war diese durch das Gesundheitsamt des Landkreises Oder-Spree. Denn die Mutter der Frau hatte sich im August nachweislich mit dem Coronavirus infiziert, genau wie deren Partner. Aus diesem Grund war auch die sechsköpfige Familie vom mobilen Einsatzteam des Kreises abgestrichen worden – zweimal sogar. Beide Tests blieben negativ. Das Corona-Stigma aber ist da.

Angst vor Ansteckung ist zu spüren

„Die Quarantäne ist zu Ende, wir fühlen uns gut, und trotzdem haben wir das Gefühl, dass die Türen für uns jetzt verschlossen bleiben“, sagt sie. Die Leute hätten Angst, das spüre auch ihre 63-jährige Mutter. „Sie wollte nach Ablauf ihrer Quarantäne zum Sport und zum Zahnarzt“, berichtet die junge Frau. „Beides Mal sagte man ihr, sie solle in ein paar Wochen wiederkommen.“
Was die Pflegefachkraft aber noch weniger versteht, ist die Vorgehensweise des Gesundheitsamtes. Denn während ihre Familie zweimal getestet wurde, blieb es bei ihrer positiven Mutter bei einem behördlich angeordneten Test. Einen zweiten am Ende der Quarantänezeit gab es nicht.

Zweiter Corona-Test wieder positiv

„Meine Mutter wollte aber Sicherheit haben, ging zu ihrem Hausarzt, wurde getestet und siehe da: Das Ergebnis war erneut positiv.“ Der Arzt habe das Gesundheitsamt sofort darüber informiert, doch dieses verlängerte die Quarantäne nicht. „Meine Mutter durfte theoretisch wieder alles machen. Das versteht doch niemand“, sagt die 33-Jährige. Auch die Kosten für den zweiten Test muss die 63-Jährige, die nicht weiß, wo sie sich angesteckt hat, wohl selbst tragen. Übrigens war im Zuge der ersten Testung der Kontaktpersonen auch die 87-jährige Mutter der Corona-infizierten Frau positiv auf das Virus getestet worden. „Ihr geht es nicht gut“, sagt die Enkeltochter. Doch auch sie werde kein zweites Mal getestet. Sie sei zu Hause, wirklich kümmern würde sich die Behörde nicht.

Die Symptomfreiheit zählt

Eine Nachfrage bei der Kreisverwaltung in Beeskow ergab Folgendes: „Bei einem labordiagnostischen Nachweis von Sars-Cov-2 wird der positiv Getestete für mindestens zehn Tage abgesondert. Die erneute Testung Erkrankter mit Symptomen nach Ablauf der mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit ist nicht indiziert.“ Die Symptomfreiheit sei hier ausschlaggebend. Die Doppeltestung der sechsköpfigen Familie erklärt das Landratsamt so: „Bei symptomlosen Kontaktpersonen erfolgt gemäß Robert-Koch-Institut am ersten Tag nach der Ermittlung des Kontaktes sowie zusätzlich an Tag 5 bis 7 nach Kontakt zu dem positiv auf Sars-Cov-2-Getesteten eine Testung.“ Negative Testergebnisse würden die Quarantänezeit aber nicht beeinflussen, da bis zum Schluss Symptome entwickelt werden können.

Die Frau muss die Testkosten tragen

Auch bezüglich einer möglichen Kostenübernahme für den zweiten, erneut positiven Test der 63-Jährigen macht die Kreisverwaltung keine Hoffnung: „Die Kosten für die zweite Testung sind in diesem Fall eine privatärztliche Leistung. Da die Frau bereits mehr als 48 Stunden symptomfrei war, wurde die sie gemäß Vorgaben des RKI aus der Absonderung entlassen. Der erneute Nachweis von Sars-Cov-2 heißt nicht, dass die Frau noch infektiös ist. Der PCR-Test kann lebende/aktive Viren von bereits inaktiven/abgetöteten Viren nicht unterscheiden. Das Gleiche trifft auch für den Partner zu.“
Auf die Frage, wie viel ein Corona-Test den Kreis kostet, heißt es, dass eine Testung das Gesundheitsamt etwa 60 Euro kosten. Hier könne es regionale Unterschiede bei den Labors geben.