"Ehrlich gesagt: Ich weiß es noch nicht." Der neue Eigentümer des ehemaligen Getreidespeichers am Oder-Spree-Kanal hatte eine einfache Antwort auf die Frage, welche Pläne er denn mit dem markanten Bau in Eisenhüttenstadt vorhat. Wahrscheinlich wird auch in nächster Zeit noch nicht viel Aktivität zu sehen sein. "Es wird langsam gehen", sagt der Berliner, der seinen Namen nicht verraten wollte. Vielleicht geht es ja in die kulturelle Richtung. Man können ja einen Turmschreiber in der obersten Etage unterbringen, sagt er lachend. Zumindest hat man aus dem achtstöckigen Gebäude einen wunderschönen Blick über Eisenhüttenstadt, wie Fotos in dem Exposé, das für Interessenten auslag, bestätigen. Der Speicher, der jahrzehntelang funktional für die Lagerung von Getreide genutzt wurde, hat einen neuen Liebhaber. 150 Prozent habe ihn das Gebäude angetan.
Der Getreidespeicher war eines der Highlights bei der Herbstauktion des Unternehmens Karhausen, neben der Villa "Klein Cecilienhof" samt Wasserzugang in Potsdam. Wobei es für die Villa am Sonnabend keinen Zuschlag gab. Für Mindestgebot von 2,35 Millionen Euro fand sich kein Bieter.
Auch bei der Eisenhüttenstädter Immobilie ließ sich das Bietergefecht zunächst zäh an. "Möchte jemand bieten für dieses spannende Objekt, mit dem man sicherlich viel machen kann?", warb Chef-Auktionator Matthias Knake im BESL Meistersaal am Potsdamer Platz. Zwei Bieter lieferten sich schließlich ein spannendes Duell, wobei der eine in der ersten und der andere in der letzten Reihe des Saals saß. Matthias Knacke sprach denn auch immer von dem Herren in der ersten und in der letzten Reihe. Geboten wurde, ausgehend vom Mindestgebot in Höhe von 150000 Euro, in 2000-Euro-Schritten. Wobei der Herr in der ersten Reihe durchaus deutlich zu verstehen gab, wie groß sein Interesse an dem Speicher war. Denn er übersprang Zwischenschritte, bot statt 194000 Euro gleich 200000 Euro, ging von 212000 Euro gleich auf 215000 Euro. Doch der Hammer fiel schließlich nach dreimaligem Aufruf für den Herrn in der letzten Reihe: 227000 Euro. Dafür gab es auch gleich noch Szenenapplaus von den Anwesenden.
Allerdings wird es nicht bei dem Betrag bleiben. Das Auktionshaus verlangt auf den Betrag eine Courtage in Höhe von 7,14 Prozent auf den Kaufpreis. Dazu kommen noch sechs Prozent Grunderwerbssteuer im Land Brandenburg.
Darüber hinaus wird sich der Eigentümer noch mit ganz anderen Problemen rumschlagen müssen. Wie Matthias Knacke vor der Versteigerung mitteilte, steht das achtgeschossige Gebäude unter Denkmalschutz. "Der Speicher ist ein Einzeldenkmal", sagte der Auktionator. Bei einem möglichen Umbau wären da zumindest Abstimmungen mit dem Denkmalschutz erforderlich. Und einer möglichen Nutzung könnten noch ganz andere, sehr enge Grenzen gesetzt werden. Denn es werde geprüft, ob der Speicher nicht sogar als technisches Denkmal eingestuft werden soll. Im Inneren befinden sich große Getreidesilokammern und im rechten Teil des Baus über acht Etagen verteilt verschiedene Rohrsysteme zum Reinigen des Getreides. Mit zum Paket gehört auch eine Halle und das Grundstück, das insgesamt zirka 2,1 Hektar umfasst.
Versteigert wurde unter den rund 50 Losen, die am Sonnabend aufgerufen wurden, auch eine ehemalige Richtfunkstelle mit Bunker in Höhenland bei Bad Freienwalde. Das Mindestgebot lag da bei 7500 Euro. Der Hammer fiel schließlich bei 36000 Euro.