Wer das direkt am Oder-Neiße-Radweg gelegene Bauernstübchen in Aurith betritt, dem fällt sofort die kleine Kollektion Wollsocken ins Auge. Fein aufgereiht hängen die bunten Fußwärmer an einer kleinen Wäscheleine unterhalb des Tresens. Und wenn in der Gaststube gerade kein Betrieb ist oder die Gäste mit Essen beschäftigt sind, sitzt links vom Eingang Inhaberin Silke Thurian - und strickt. "Angefangen hat alles vor sechs Jahren. Meine Tochter hatte mich gefragt, ob ich ihr nicht einen Schal stricken könne. Allerdings hatte ich seit meiner Kindheit nicht mehr gestrickt, als es mir damals von meiner Oma beigebracht wurde", sagt die 46-Jährige. Sie strickte einfach darauf los und fabrizierte neben dem gewünschten Schal unter anderem auch einen Pullover. "Es hat mir schnell großen Spaß. Als eines Tages unsere Bäckerin vorbeikam fragte sie, warum ich nicht auch Strümpfe stricke. Sie zeigte mir dann die Technik, die nicht ganz einfach ist, da man fünf Nadeln braucht", erzählt die Gastwirtin.
Mittlerweile strickt sie fast ausschließlich Socken - und dies leidenschaftlich gerne. "Stricken wurde immer mehr zu meinem Hobby. Wenn es ruhig ist und alle Gäste versorgt sind, greife ich zur Nadel. Häufig werde ich auch darauf angesprochen - mit ausschließlich positiven und anerkennenden Worten." Einige Gäste bringen sogar ihre eigene Wolle mit und möchten daraus etwas bestimmtes gestrickt haben. "Solche Auftragsarbeiten gibt es immer wieder. Zurzeit stricke ich an einer Mütze, die eine werdende Mutter für ihr Kind haben möchte. Und der große Renner sind zurzeit Stulpen", sagt Silke Thurian.
Wenn sie genug Zeit hat, benötigt sie für eine Socke etwa einen Tag. Die Unikate verkauft sie dann für wenige Euro. "Reich werde ich durch das Stricken nicht. Es ist einfach der Spaß an der Freude. Ich möchte nur die Materialkosten wieder hereinbekommen. Für mich ist die schönste Belohnung, dass sich die Leute freuen und die Handarbeit loben." Für sie ganz persönlich hat Stricken außerdem eine ganz eigene Wirkung: "Es ist einfach unheimlich beruhigend. Wenn ich stricke, ist mein Kopf komplett leer und ich kann wunderbar abschalten. Und auch die Finger bleiben immer in Bewegung", zählt sie auf.
Über die sechs Jahre seien sicherlich 500 Socken zusammengekommen. "Ich habe auch schon welche nach Tschechien, Norwegen und in die USA verkauft. Für manche Fahrradtouristen, die sich bei uns stärken, sind sie ein schönes Mitbringsel." Hin und wieder kommt sie mit den Radfahrern ins Gespräch und erfährt, woher sie kommen und wohin sie fahren. "Gerade die polnischen Touristen werden seit einigen Jahren immer mehr. Wir verständigen uns dann mit Englisch, etwas Polnisch und mit Händen und Füßen." Gefragt seien vor allem kleine Speisen, da die Radler in der Regel erst abends in ihrem Quartier richtig essen. "Suppe, Bockwurst, ein Stück Hefekuchen - alles was schnell geht. Und natürlich wird viel zu trinken bestellt."
Silke Thurian bezeichnet sich selbst als "Mädchen für alles". Außer ihr gibt es noch einen Koch, der auch jetzt im Winterhalbjahr gut bürgerliche Hausmannskost zubereitet. Im Jahr 1998 wurde das Bauernstübchen errichtet. "Der Name hat keine besondere Bedeutung, die Gegend hier ist einfach sehr landwirtschaftlich geprägt", erklärt die strickende Gastwirtin.