"Wir wollten unseren Freunden das Nachtleben in Eisenhüttenstadt zeigen und sind zum Magnet gegangen", erzählt Alexander Klotzowski. Kurz nach Mitternacht muss es gewesen sein, als sie die Disko betraten. Er und eine Bekannte aus Eisenhüttenstadt hatten bereits Eintrittskarten gekauft. "Uns hat man nicht mal nach dem Ausweis gefragt", erinnert er sich. Doch als die zwei Syrer aus der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber, mit denen sie gekommen waren, zahlen wollten, wurden sie zurückgewiesen. "Sie sollten ihren Ausweis zeigen, aber so etwas besitzen sie eben nicht." Wer hier als Flüchtling ankommt, erhält lediglich eine Plastikkarte in der Größe eines Personalausweises, auf der Name und Geburtsdatum stehen. Sogar ein Foto gibt es. Doch das reichte den Türstehern nicht. "So haben wir unseren Eintritt zurückverlangt und sind abgezogen", sagt Klotzowski.
Auch Hanka Kempe, die gemeinsam mit Alexander Klotzowski zu den Administratoren der Facebook-Seite "Hütte stellt sich quer gegen Fremdenhass" gehört, war in dieser Nacht persönlich dabei, als die Asylbewerber tanzen wollten, aber nicht durften. "Die Diskothek Magnet bietet die ideale Möglichkeit dafür, auch die jüngere Generation unserer Stadt mit Flüchtlingen in Kontakt treten zu lassen. Immer wieder berichten Jugendliche von netten Unterhaltungen mit Asylsuchenden an der Magnet-Bar", schreibt die junge Frau im Internet. Allerdings würden auch immer wieder Flüchtlinge mit dem Hinweis "Next week" (dt. "Nächste Woche") abgewiesen. Für Hanka Kempe ist das ein Unding. Immerhin gehören die Asylsuchenden zu den Einwohnern Eisenhüttenstadts, betont sie. "Zudem verschenkt man sich wertvolle Einnahmen und geht in der Integration einen großen Schritt zurück. Schade!"
Für Daniel Grabow, den Betreiber der Diskothek, gestaltet sich das alles etwas schwieriger. "Vor den Karren, dass ich ausländerfeindlich sei, lasse ich mich nicht spannen", betont er und sagt: "Am liebsten würde ich alle reinlassen und sagen: ,Super, macht Party. Wir freuen uns über ein paar mehr Gäste'." Aber in der derzeitigen gesellschaftlichen Situation umzusetzen, dass jeder Mensch gleich behandelt wird, das sei sehr schwer. Viele Deutsche seien sehr restriktiv gegenüber Flüchtlingen eingestellt, da gebe es von vornherein Konfliktpotenzial, sagt Grabow. Hinzu komme, dass es in der Vergangenheit auch Vorfälle gegeben habe, in denen sich ausländische Gäste daneben benommen haben. Und schließlich müsse er in der Disko für Sicherheit sorgen. Das sei seine Verantwortung. "Ich habe es bisher nie dazu kommen lassen, dass Steine fliegen, weil wir vorher reagiert haben."
Als beispielsweise mal etwa 150 Asylbewerber vor der Tür standen, habe sich kein anderer mehr ins Magnet getraut, erzählt der Diskobetreiber. Anschließend hat Grabow das Gespräch mit der Polizei und der Ausländerbehörde gesucht und sich für einen regulierten Zugang von Asylbewerbern ausgesprochen, die beim Einlass auch namentlich erfasst werden, damit man der Heimleitung mitteilen könne, wenn mal etwas passiere. In den letzten Wochen habe es aber keine Probleme mehr gegeben, da seien pro Nacht höchstens fünf oder zehn Flüchtlinge gekommen.
Zu dem konkreten Fall, als die zwei Syrer am Eingang abgewiesen wurden, erklärt Daniel Grabow: "Es wird immer mal passieren, dass wir Leute nicht reinlassen. Das trifft auch auf Deutsche zu." Dort, wo man sich nicht sicher sei, dass es gut geht, weise man die Leute ab. Und genauso würde man sowohl ausländische als auch deutsche Besucher vor die Tür setzen, wenn sie sich nicht benehmen. Dass Asylbewerber nur eine Plastikkarte als Ausweisdokument haben, stelle indes gar kein Problem dar.