Unscheinbar ist heutzutage das Mausoleum auf dem Friedhof in Ratzdorf. Wer nicht einen Hinweis bekommt, wird es für eine Trauerhalle halten. Und tatsächlich wurde das Grabmal eine Zeit lang als solche genutzt - bis zum Jahre 1985. "Dann wurde die neue Halle gebaut", berichtet Manfred Rösler, der sich seit geraumer Zeit mit der Geschichte des Mausoleums beschäftigt. Nachdem dort keine Aufbahrungen und Trauerstunden mehr stattfanden, wurde die kleine Halle teilweise als Lagerraum benutzt.
"Das sieht man leider auch", bedauert der Ratzdorfer. Denn die künstlerischen Gestaltungselemente, die dort zur Zierde stehen - Relikte aus Zeiten, in denen man an Gedenktagen noch Blumen niedergelegt hat - sind stark angegriffen. Der Statue einer Frauenfigur, die aufgrund ihrer Waage wahrscheinlich Justitia darstellen soll, fehlt eine Hand, der gesamte Körper aus Sandstein ist porös. Weiterhin gibt es noch einen Löwen sowie ein Relief am Kreuz, auf dem eine Kogge mit gebrochenem Ruder dargestellt ist. Auf dem Schiff befindet sich ein Skelett, das nahezu gewiss den Tod verkörpern soll.
"Wahrscheinlich sah der Innenraum nicht immer so aus", vermutet Manfred Rösler und macht beispielsweise auf eine Aussparung über der heutigen Tür aufmerksam, die darauf hindeutet, dass diese einstmals anders ausgesehen hat. Auch eine Art Blindfenster ist in die Wand eingelassen. "Wie das wirklich einmal war, das müssen die Experten herausfinden", betont er. Es gibt noch andere Fragen, die es zu klären gilt: War das Gebäude wirklich von Beginn an verputzt? Verbirgt sich möglicherweise ein kleiner Schatz in der Kugel unterhalb des Kreuzes auf der Dachspitze und woher stammen die Einschusslöcher darunter?
Bereits vor längerer Zeit hat Manfred Rösler Kontakt zur Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Oder-Spree aufgenommen. "Die waren gemeinsam mit Vertretern aus Potsdam hier, haben sich das Mausoleum angeschaut und sofort Unterstützung zugesichert", erzählt der Ratzdorfer. Mittlerweile steht das Grabmal unter Denkmalschutz. Am Freitag wird es eine weitere Begehung geben, in der geschaut wird, was alles zu tun ist, um das Gebäude wieder in seinen Originalzustand zu versetzen.
Errichtet worden sein muss es um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, denn der Erste, der in der Gruft unter dem Mausoleum begraben wurde, ist Johann Friedrich von Geißler. Er verstarb im Jahr 1809 und war der Schwiegervater eines Johann Conrad Ropert, der 1815 in Ratzdorf die königliche Salzfaktorei gegründet hat. Mit der verzweigten Familiengeschichte der Roperts hat sich insbesondere Katrin Schulze, die Ratzdorfer Dorfchronistin, beschäftigt. Nach besagtem Johann Friedrich Geißler sind auch Johann Conrad Roperts erste Frau Christine Wilhelmine (geb. Geißler, gest. 1823), Maria Elisabeth Heide (gest. 1837), Schwiegermutter aus zweiter Ehe, seine zweite Frau Johanna Christine (gest. 1845), seine Tochter Pauline Albertine Agnes (verheiratete Krause) und er selbst bestattet. Später folgte ihm noch Pfarrer Friedrich Wilhelm Öhme (gest. 1873), der nicht aus der Familie Ropert stammte, aber in der Gemeinde Ratzdorf von allen geschätzt wurde und daher in der Gruft beigesetzt wurde.
Der Eingang zu dieser - sie liegt unter dem Mausoleum -ist heutzutage nicht mehr zu erkennen. Er ist rechterhand der überirdischen Gedenkstätte unter dem Rasen verborgen. "Darunter ist eine Tür, die zu einer Treppe führt, über die man nach unten gelangt", weiß Manfred Rösler, der selbst schon einmal den Abstieg gewagt hat. "Dank der Belüftungsfenster sind die Särge und der Sargschmuck noch gut erhalten", berichtet er aus seinen Erinnerungen.
Ob die Gruft, wie definitiv das Mausoleum, nach der Restaurierung einmal Besuchern gezeigt werden kann, ist er noch nicht sicher. "Da muss man schauen, ob das möglicherweise unter die Störung der Totenruhe fällt", sagt er. Erst einmal ist er froh, dass sich schon erste Sponsoren gefunden haben, die die Restaurierung finanziell unterstützen und dass auch die Aussicht auf Fördermittel besteht. "Unser Mausoleum ist einzigartig in der Region", weiß er.