Es ist, als ob die Gemeinde Vogelsang aufgehört hätte zu existieren, oder mehr als die Hälfte der Wiesenauer in einem Jahr ihre Gemeinde verlassen hätte: Eisenhüttenstadt ist im vergangenen Jahr um 742 Einwohner geschrumpft (Vogelsang hat 774 Einwohner). Zwar hat die Stahlstadt vor allem in den 90er-Jahren des vergangenen nen Jahrhunderts noch heftigere Schrumpfkuren hinter sich, doch die aktuelle Zahl ist einsame Spitze im Land Brandenburg. Keine andere Kommune hat in absoluten Zahlen mehr Einwohner verloren. So steht es im aktuellen Bericht zu den Bevölkerungszahlen im Land Brandenburg zum 31. Dezember 2011, den das Landesamt für Statistik kürzlich herausgegeben hat.
Grund für das Minus sind vor allem die vielen Fortzüge, die durch Zuzüge bei weitem nicht ausgeglichen werden konnten. Auch sterben deutlich mehr Eisenhüttenstädter als neu geboren werden. Wobei es bei diesen Zahlen zwischen dem Landesamt und der Statistik der Stadt Abweichungen gibt. So sind bei der Landesstatistik 218 Personen mehr gestorben als geboren wurden. In der Stadtstatistik liegt der "Sterbeüberschuss" aber bei 232. Beim Landesamt steht bei den Zu- und Fortzügen ein Minus von 523 unterm Strich, bei der Stadt liegt das Minus nur bei 300 Personen. Aber auch mit dieser günstigeren Zahlen liegt Eisenhüttenstadt immer noch an der Spitze mit den größten Einwohnerverlusten.
Derweil sei Eisenhüttenstadt weiter ein wichtiger Industriestandort, dessen Bedeutung eher gewachsen ist, sagt Wolfgang Rump von der regionalen Planungsgemeinschaft Oderland. "Eisenhüttenstadt schrumpft, obwohl es in den vergangenen Jahren gelungen ist, Arbeitsplätze zu rekrutieren", so Runp. Mit Frankfurt (Oder) liege die Stahlstadt als regionaler Wachstumskern "sehr gut im Rennen." Tatsächlich unterstreicht die Statistik die Aussagen von Rump. So ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigen von 2010 zu 2011 nahezu gleich geblieben, es hat also keinen Abbau gegeben. Deutlich ist aber auch, dass es eine große Zahl von Beschäftigten gibt, nämlich rund 5820, die zur Arbeitsstelle nach Eisenhüttenstadt einpendeln, wobei 3890 aus dem Landkreis kommen. Die Pendlerdistanzen hätten sogar in den vergangenen Jahren zugenommen, erklärt Wolfgang Rump. "Es gelingt aber nicht, die Bevölkerung in der Stadt zu halten." Der Regionalplaner betont, dass trotz schrumpfender Bevölkerung die Zentralität von Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder) für das Umland gewachsen ist.
Darüber hinaus hat Eisenhüttenstadt jetzt schon mit demografischen Folgen zu kämpfen, die die Umlandgemeinden wohl erst in den nächsten Jahren mit voller Wucht treffen werden. So liegt der Anteil der Senioren relativ hoch, während der Anteil junger Erwachsener weiter schrumpft.