Tagelang hat eine aus einem Eisenhüttenstädter Tierheim stammende Mischlings-Hündin in den sozialen Netzwerken für Furore gesorgt. Drei Tage nach der Vermittlung war sie den neuen Haltern entlaufen. Trotz vieler hilfsbereiter Tierfreunde konnte sie zwar gesichtet, aber nicht gefangen werden. Bis das Tierheim um Leiterin Jana Feister einsprang und nach drei weiteren Tagen mit einem Trick die Aktion doch noch zu einem glücklichen Ende führte.
Kalias Glück schien perfekt, als sie das Tierheim endlich verlassen und zu einer Familie ins knapp 30 Kilometer entfernte Guben ziehen durfte. Ein Haus und ein großer Garten erwarteten die etwa sechsjährige Hündin. Die laut Jana Feister menschenbezogene Hündin freute sich über jede Zuwendung und nahm aktiv am neuen Leben teil.

Hündin Kalia gräbt sich unter dem Zaun durch

Doch am dritten Tag grub sie sich unter dem Zaun durch und lief davon. „Vermutlich vermisste sie ihre Hundefreunde und die ihr vertraute Umgebung im Tierheim. Das klingt erstmal komisch, aber das Tierheim war eben ihr bisheriges Zuhause“, vermutet die Leiterin. In den sozialen Medien rief sie zu einer Suchaktion auf, um die Familie zu unterstützen. Dazu stellte sie eine Lebendfalle.
Noch zweimal wurde Kalia am Grundstück ihr Adoptanten gesehen, doch sie kam nicht zurück. Kalia entfernte sich dann immer weiter. Im Umkreis von zehn Kilometern wurde sie immer wieder gesehen. Viele Gubener meldeten Sichtungen. Auch die neuen Besitzer waren immer schnell zur Stelle, doch die Bindung war nach nur drei Tagen im neuen Heim noch nicht so groß. Die Hündin ließ sich nicht heran rufen.

Tierheimleiterin hilft sofort bei der Suche mit

Die neuen Halter informierten sofort Tierheimleiterin Jana Feister von der Flucht, die sich daraufhin umgehend nach Guben begab. Sie tat das in der Hoffnung, dass Kalia auf eine vertraute Person hört. „Doch an den ersten beiden Tagen konnten wir sie trotz einiger Sichtungen durch Passanten nicht auffinden“, sagt Jana Feister.
Die Suche nach dem Hund in den Wiesen, Wäldern und Maisfeldern zwischen Guben und Schlagsdorf gestaltete sich schwierig. Am dritten Tag ihrer Suche nahm Jana Feister die Hündin Bella aus ihrem Tierheim mit. Die beiden Hunde hatten sich dort angefreundet.

Kalia lässt sich von Bella anlocken

Jana Feisters Idee ging auf. Als Kalia endlich die Fährte von Bella aufnahm, begann sie sich zögerlich den Tierschützern zu nähern. „Ich lag im Wald ganz flach auf dem Boden. Nun hieß es Ruhe bewahren. Mein Helfer Sven Schönfeld sicherte derweil die Straße ab, um zu verhindern, dass die Hündin vom Auto erfasst wird. Es war direkt an der Brücke nach Polen“, erzählt Jana Feister.
Kalia kam zwar zögerlich auf Bella zu, doch als sich wieder Passanten aus der Ferne näherten, wich sie wieder zurück. Da sich alle weiter ruhig verhielten, näherte sich Kalia erneut. Schließlich konnte Sven Schönfeld sie anfassen und kraulen und letztlich auch sichern.
Kalias neue Besitzer, die laut Jana Feister durch die vergebliche Suche mit ihren Nerven schon am Ende waren, schlossen ihre Hündin überglücklich in die Arme. Letztlich war auch Kalia sichtbar froh, wieder Zuhause zu sein. Sie wollte einfach nur noch ins Haus.

Adoptanten hatten nichts falsch gemacht

Den Adoptanten macht Jana Feister dabei keinerlei Vorwürfe. „Die Besitzer haben alle unsere Hinweise beachtet und zum Beispiel ein Sicherheitsgeschirr verwendet. Kalias spontane Grabaktion war überhaupt nicht zu erwarten. Viel mehr ärgere ich mich über Hunde, die unnötigerweise entlaufen, zum Beispiel weil sie nur mit einem Halsband gesichert sind und sich dieses über den Kopf streifen.“
Der Dank geht auch an die vielen Tierfreunde, die bei der Suche mitgeholfen haben. „Vermisst-Meldungen in sozialen Medien haben Vor- und Nachteile. Man kann in kürzester Zeit viele Menschen informieren und erhält aktuelle Sichtungen. Doch häufig wollen Passanten auch aktiv helfen und laufen dem Hund nach, pfeifen und rufen, doch das verstärkt die Panik verängstigter Hunde umso mehr“, sagt Jana Feister.
Daher solle man das Sichern von solchen Angst-Hunden wie Kalia lieber erfahrenen Leuten überlassen. „Am besten sollte man sich hinhocken, auf keinen Fall nachlaufen und umgehend das Tierheim und wenn bekannt die Besitzer informieren. Auch über die Feuerwehr oder das Ordnungsamt sollte im Falle des Auffindens eines herrenlosen Tieres Hilfe zu erreichen sein“, rät Jana Feister.
Ihr tue es immer sehr leid, wenn sie hilfsbereite Tierfreunde wie bei Kalia wegschicken müsse. „Doch in solch einem Fall hilft nur Ruhe. Jedes Knacken, jedes Wort oder jeder falsche Schritt kann einen Angsthund noch weiter wegtreiben.“
Während Kalia wieder nach Hause gebracht wurde, ging es für Bella erstmal zurück ins Tierheim. Doch auch auf sie wartet laut Jana Feister bereits ein neues Zuhause, in das sie in wenigen Tagen umziehen darf.