Dort machen auch Manuela und Rocko Fiebeg aus Hohen Neuendorf eine Pause von ihrer Bootsreise und schmieren sich mehrere Brötchen. "Ich arbeite normalerweise in einer Kita und bei diesem ganzen Stress, den man dort hat, hat solch eine Tour natürlich auf mich eine sehr entschleunigende Wirkung", sagt Manuela Fiebeg und plant, mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern auf der Familienreise noch weiter nach Küstrin zu fahren. Bisher seien sie schon in etwa eineinhalb Wochen unterwegs.
Die Idee, sich überhaupt ein Boot zuzulegen, bekam Manuela Fiebig damals selbst. Mit ihrem Mann war sie vor ein paar Jahren in einem kleineren Boot paddeln und wurde dann immer von den schnelleren, größeren Motorbooten nassgemacht. Scherzhaft erklärt sie, dass sie zu ihrem Mann gesagt habe: "Mir reicht es jetzt! Ich will auch mal jemand nassmachen."

Planung notwendig

Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung kennt der 76-Jährige Christian Lucko jene Touristen, die Urlaub auf dem Boot machen wollen, ohne sich vorab zu informieren. "Natürlich ist das eine wunderbare Sache. Auf dem Wasser hat man eine andere Perspektive auf das Leben und findet Ruhe", schwärmt der 76-Jährige. Die langsame Geschwindigkeit auf dem Wasser, die schöne Natur und seine Tiere würden auch heute noch auch auf ihn einen entschleunigenden Effekt haben. Ohne entsprechendes Vorwissen kämen Urlauber aber ganz schnell an ihre Grenzen.
"Es gibt auf der Straße ganz klare Verkehrsregeln. Auf dem Wasser denken aber viele, dass sie machen könnten, was sie wollen", sagt Christian Lucko. So komme es beispielsweise zu vielen Missverständnissen an den zu passierenden Schleusen, wenn einige Urlauber klar formulierte Anweisungen wiederholt ignorierten. "Ich kann Interessierten nur empfehlen, sich bereits ein Vierteljahr vor dem Urlaub mit dem Thema zu beschäftigen", sagt Christian Lucko. Damit tue man nicht nur sich, sondern auch den anderen Bootsfahrern einen großen Gefallen. Die Möglichkeiten dann seien aber umso größer.

30 Boote liegen im Hafen

"Von Eisenhüttenstadt aus gibt es Wasserwege, auf denen man theoretisch ganz Europa bereisen kann", erklärt der Vereinsvorsitzende – abhängig von der Bootsart und der nötigen Fahrerlaubnis. So sei er auf seinen Touren beispielsweise schon bis nach Groningen gefahren. Derzeit habe man über 30 Boote im Hafen, sechs Liegeplätze stünden für Gäste zur Verfügung. "Wichtig ist, dass man sich vorab Gedanken über die Route macht, die man zurücklegen möchte. Da kann man sich an vielen Kiosken entsprechende Karten holen", ergänzt Christian Lucko. Ähnlich wie auf der Navigations-App von GoogleMaps, könne man dort auch auf verschiedene Kartensysteme der Wasserwege zurückgreifen.
Weil der Motoryachtclub regelmäßig an Fahrtenwettbewerben teilnimmt, bei denen der Verein schon oftmals auf Platz eins in Brandenburg lag, kann der 76-Jährige seine diesjährigen Leistungen sogar exakt beziffern – 1211 zurückgelegte Kilometer, 57 passierte Schleusen und 35 Übernachtungen auf dem Boot.

Wissenswertes zum Urlaub auf dem Wasser


Um sich vorab zu informieren, empfiehlt Christian Lucko den Katalog "Urlaub auf dem Wasser – Binnengewässer", welches in vielen Kiosks erhältlich ist. Darin gibt es Informationen zu Binnengewässer-Revieren in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen Anhalt und Berlin. Das Heft umfasst 116 Seiten und beinhaltet zudem eine klappbare Revierkarte mit den wichtigsten relevanten Telefonnummern und Adressen.Im Katalog wird detailliert die Ausstattung der Häfen beschrieben, die Sehenswürdigkeiten der Regionen vorgestellt und mit zahlreichen Bildern untermalt. Herausgeber ist die Team Service Medien GmbH (TMS), die einen ähnlichen Katalog auch über  das Befahren der Ostsee veröffentlicht hat. oj