Ruhig und besonnen gab Wolf-Dietmar Goszczynsky am Samstagnachmittag auf dem Wiesenauer Sportplatz Anweisungen an die Spieler des Müllroser SV. Für den 58-Jährigen war es ein Einstand nach Maß als Trainer bei den Schlaubetalern: Mit 5:0 besiegte die Landesklasse-Elf die zwei Ligen tiefer beheimate Reserve der SG Wiesenau. „Nach unserer schnellen Führung sind wir nochmal in die Bredouille geraten. Aber nach der Pause sind wir dann zum verdienten Sieg gekommen. Die erste Halbzeit ist für mich abgehakt, da ich ein positiver Mensch bin“, erklärte Goszczynsky.

Kreative und offensive Taktik

Seine Spielphilosophie habe man nach zwei gemeinsamen Trainingseinheiten allerdings noch nicht erkennen können. „Das ist noch ein langer Prozess. Aber allgemein gesagt kann man sagen, dass ich sehr kreativ und offensiv spielen lassen will.“ Nach der Anfrage des Vorstandes, ob er das Traineramt übernehme wolle, habe er nicht lange überlegen müssen. „Das kam natürlich überraschend, aber da ich gerade eine Art Kreativpause hatte und ein Jahr als Trainer raus war, hat das gut gepasst. Ich bin ja schon ewig in Müllrose, habe hier früher selbst im Männer-Team gespielt“, berichtet Goszczynsky.
Von der Mannschaft sei er sehr positiv aufgenommen worden. „Da ist schnell ein herzliches Verhältnis gewachsen, die Spieler waren völlig unvoreingenommen. Genau wie ich – die Vorfälle vor meiner Zeit habe ich nicht angesprochen. Der Vorstand hat das Thema aufgearbeitet und ich fange bei Null an. Ich denke, das ist auch das Beste im Sinne der Mannschaft und des Vereins.“

Verein handelt nach Rücktritt schnell

Nachdem Trainer Dirk Herrgoß und Co-Trainer Falk Küchler aufgrund von Unstimmigkeiten mit der Mannschaft eineinhalb Wochen zuvor den Müllroser SV verlassen hatten, konnte somit schnell ein Nachfolger präsentiert werden. „Ein zweiter Mann soll bis zur Winterpause gefunden werden, so lange läuft auch erst einmal der Vertrag“, berichtet MSV-Präsident Dieter Hartung, der interimsmäßig für das Training und die Partie in Königs Wusterhausen verantwortlich war und in Wiesenau auch mit auf der Bank saß. „Wolf-Dietmar Goszczynsky ist fachlich gut aufgestellt. Wir kennen uns schon lange, er spielt in unserer Ü50 und hat als Trainer Turbine Finkenheerd hochgebracht. Jetzt hoffen wir, dass sich die Mannschaft zusammenrauft und auf den Fußball konzentriert. Alles andere muss beiseite gestellt werden, wir wollen in der Landesklasse drinbleiben und das wird schwer genug“, sagte Hartung.

Paul Herrmann erzielt das 2:0

Nicht ganz leicht taten sich die Müllroser auch beim Pokalspiel gegen die Wiesenauer, die in der Kreisliga derzeit auf Rang 7 stehen. Zwar führten die Gäste bereits nach sechs Minuten durch Jannik Krause, in der Folgezeit ging der Favorit aber zu nachlässig mit seinen Torgelegenheiten um. Auf der anderen Seite konnte sich der MSV bei Schlussmann Philipp Reschke bedanken, der mehrmals in höchster Not das 1:0 in die Halbzeit rettete.
Zehn Minuten nach der Pause legte Paul Hermann nach. Der Torjäger erlief einen Ball in die Spitze in Mittelstürmer-Manier, vernaschte Torhüter Florian Wendland und schob locker ein. Eric Sellin sorgte nach guter Vorarbeit von Elias Ponta für die Entscheidung (63.). Krause erhöhte nach einer Einzelleistung mit seinem zweiten Treffer auf 4:0 (72.), Marc Beckamann traf eine Minute vor dem Abpfiff per Foulelfmeter zum 5:0-Endstand.
Bei den Gastgebern war man trotz der am Ende deutlichen Niederlage nicht unzufrieden. „Uns haben vier, fünf Stammspieler gefehlt, dafür war der Auftritt sehr gut“, sagte Spielertrainer Martin Greiner. „Wir haben eine junge Ausbildungsmannschaft, für sie war es ein gutes Testspiel. Unser Saisonziel ist es, besser als in der vorigen Saison abzuschließen“, erklärte der 36-Jährige.

MSV-Kapitän Reschke: „Kein Kommentar“

MSV-Kapitän Philipp Reschke sagte nach der Partie: „Der Sieg war am Ende auch in der Höhe verdient. Am Anfang haben wir uns sehr schwer getan, da unser Spielkonzept auf dem engen Feld nicht aufgegangen ist. Der Gegner hat das gut gemacht und stand eng hinten drin.“ Über den neuen Trainer erklärte der 28-jährige Torhüter: „Einige kannten ihn schon, schließlich ist er ein Ur-Müllroser. Er wurde von der Mannschaft sehr positiv aufgenommen und bringt frischen Wind herein.“ Zu den Vorkommnissen, die zum Rücktritt des Trainer-Duos geführt hatten, sagte Reschke: „Kein Kommentar. Wir wollen jetzt einfach Fußball spielen.“
Und dies tat die Mannschaft besonders in der zweiten Halbzeit auch. Weiter geht es am Samstag, wenn der MSV zum ersten Ligaspiel unter Wolf-Dietmar Goszczynsky den MSV Zossen empfängt. „Da erwarte ich ein ganz hartes Spiel. Aber ich freue mich sehr darauf“, sagte der neue Trainer.