Dirk Herrgoß ist ein konsequenter Mensch mit Prinzipien. Nachdem es beim Landesklasse-Vertreter Müllroser SV vor kurzem in Reihen der Spieler Vorfälle gegeben hat, über die sich in der Öffentlichkeit niemand äußern möchte, bat der Trainer mit seinem Co Falk Küchler die Mannschaft in der vergangenen Woche zu einer Aussprache auf dem Platz. „Dieses Gespräch hat uns dann aber so missfallen, dass wir nach kurzer Rücksprache keinen anderen Ausweg gesehen haben. Wir haben die Konsequenzen gezogen, legen unser Traineramt beim Müllroser SV nieder und stehen der Mannschaft nicht mehr zur Verfügung“, erklärt Herrgoß.
Nach Informationen der MOZ soll ein Spieler ein Vereinsmitglied beleidigt haben und sei deswegen aus der Mannschaft suspendiert worden. Einige Spieler hätten sich daraufhin mit ihrem Mitspieler solidarisiert. Herrgoß will auf die Vorkommnisse nicht näher eingehen. „Ich möchte keine schmutzige Wäsche waschen. Aber ich habe einfach eine andere Weltanschauung und möchte morgens noch in den Spiegel schauen können. Der Großteil der Mannschaft hat zu den Vorkommnissen die gleiche Meinung wie das Trainerteam. Fakt ist, dass drei, vier Spieler aufgrund ihres Verhaltens den Verein verlassen hätten müssen. Da wir aber nur einen sehr kleinen Kader haben, hätte der Verein in der Folge Spiele absagen und Strafe zahlen müssen. Daher gab es für uns beide nur diese Alternative“, erklärt Herrgoß.

Selbst traurig über den Schritt

Der 51-Jährige sei selbst über diesen Schritt sehr traurig, schließlich habe er auch als Aktiver im Männerbereich lange für den Müllroser SV gespielt. „Ich trage dem Verein nichts nach – im Gegenteil, ich hatte eine sehr schöne Zeit hier. Der Vorstand hat unseren Rücktritt akzeptiert und konnte diesen komplett nachvollziehen“, sagt Dirk Herrgoß, der vor zwei Jahren das Traineramt bei den Schlaubetalern übernommen hatte. In 49 Landesklasse-Spielen holte die Mannschaft unter seiner Regie 18 Siege und neun Unentschieden, was einem Schnitt von 1,3 Punkten pro Spiel entspricht.

Der Vorstand bedauert die Entscheidung

Vereinspräsident Dieter Hartung wollte sich am Dienstagabend noch einmal mit dem Vorstand beraten. „Wir haben in der letzten Woche versucht, mit den beiden Trainern und den Spielern noch einmal zu reden, aber da ließ sich nichts mehr kitten. Ich bedanke mich bei unseren Trainern und bedaure ihre Entscheidung sehr, da wir mit der Vorbereitung und dem Saisonstart voll zufrieden sind“, sagt Hartung, der sich nun nach einem Nachfolger umsehen muss. „Das ist nach drei Spieltagen natürlich schwierig, aber ich hoffe, dass wir bis zum Wochenende eine Lösung präsentieren können. Aber wir sollten gleichzeitig auch die Kirche im Dorf lassen, schließlich sind wir hier immer noch im Freizeitbereich.“
Bis ein neuer Verantwortlicher an der Seitenlinie gefunden ist, haben Hartung und Eric-Gordan Kirchhoff, Coach der Müllroser A-Junioren, das Training der Männer übernommen. Darüber hinaus kündigt der Vereinsvorsitzende weitere Gespräche an. „Wir werden noch einmal ausführlich mit den betroffenen Spielern reden.“

Nach 1:0-Erfolg nun auf Platz 5

Fußball gespielt wurde im Übrigen am Wochenende auch beim MSV. Beim weiter punktlosen Aufsteiger Eintracht Königs Wusterhausen siegten die Müllroser durch einen Treffer von Marc Beckmann in der 36. Minute mit 1:0 und stehen nach drei Spieltagen mit sieben Zählern auf dem 5. Tabellenplatz der Landesklasse Ost.