Die Nachrichten passen nicht zusammen. Erst kürzlich wurde eine Studie vorgestellt, dass in den vergangenen Jahren die Pendlerströme zwischen Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder) zugenommen haben. Allein in Richtung Frankfurt (Oder) ergibt sich ein Plus von 300 Pendlern. Während mit dem weiteren Ausbau der B112 darauf reagiert wird, geht man bei den Bahnverbindungen in eine andere Richtung. Das Angebot wird zusammengestutzt. Im April dieses Jahres wurden die Pläne für den neuen Landesnahverkehrsplan des Infrastrukturministeriums vorgestellt, in dem es heißt, dass schwach nachgefragte Verbindungen zwischen den beiden Städten gestrichen werden sollen. Nun konkretisieren sich die Pläne. Betroffen ist vor allem die RE1-Linie, die - momentan zwar nicht - direkt nach Berlin fährt, ohne dass man in Frankfurt (Oder) umsteigen muss. Zunächst die positive Nachricht: "Von Montag bis Freitag werden die Züge des RE1 von ungefähr 4.36 Uhr im 1-Stundentakt bis 8.40 Uhr ab Eisenhüttenstadt über Frankfurt (Oder) nach Berlin durchgebunden", teilte der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) auf Anfrage mit. "Außerdem werden zwischen 13.40 Uhr im 1-Stundentakt bis 19.40 Uhr (jeweils Abfahrtszeit in Eisenhüttenstadt) durchgehende RE1-Züge nach Berlin angeboten." Die negative Nachricht: In den Zwischenzeiten entfallen die RE1-Züge. Stattdessen müssen Reisende die stündliche Verbindung mit dem RE11, der von Cottbus nach Frankfurt (Oder) fährt, nutzen.
"In der Gegenrichtung verkehren montags bis freitags gegen 5.50 Uhr und 6.50 Uhr, von 11.50 Uhr im 1-Stundentakt bis ungefähr 18.50 Uhr und gegen 20.20 Uhr vom Hauptbahnhof in Berlin durchgehende Züge des RE1 nach Eisenhüttenstadt", teilt der VBB weiter mit. Besonders mau sieht es am Wochenende aus: "Die Durchbindung des RE1 über Frankfurt (Oder) hinaus bis nach Eisenhüttenstadt wird nachfragebedingt am Wochenende entfallen." Wobei, darauf weist der VBB hin, die jeweiligen Abfahrtszeiten noch nicht endgültig abgestimmt sind.
Ausschlaggebend für die Angebotsstreichung sind Fahrgastzählungen. Wann genau die erhoben wurden, sagt der VBB nicht. Immerhin gab es in den vergangenen Monaten immer wieder zahlreiche Zugausfälle, mussten Bahnreisende auf Busse umsteigen. Momentan fährt der RE1 gar nicht nach Eisenhüttenstadt, sondern wird durch Dieseltriebzüge ersetzt, die die Strecke zwischen den beiden Städten bedienen, aber keinen Direktanschluss nach Berlin bieten. Zu den Fahrgastzählungen teilt der VBB lediglich allgemein mit: "Nachfragedaten werden im Prinzip kontinuierlich erhoben. Je nach Verkehrsvertrag entweder durch Zähleinrichtungen in den Zügen oder mit Stichproben durch Personal." Für die Bewertung der Angebotseinschränkungen seien Zahlen für den statistischen Zeitraum Fahrplan 2011 zugrunde gelegt worden.
Kritik an der Maßnahme wurde erst jüngst im neuen Nahverkehrsplan des Landkreises Oder-Spree geäußert: "Eine Angebotsreduzierung zwischen Frankfurt und Eisenhüttenstadt widerspricht dem permanent ansteigenden Pendleraufkommen."