Möglicherweise ist es nur ein Strohfeuer, vielleicht aber auch der Beginn einer intensiveren Auseinandersetzung mit einer Frau, die in der Vergangenheit in viele Schubladen gesteckt wurde und deren Leben noch immer Rätsel aufgibt. Vor allem der Stempel „Geliebte von Che Guevara“ haftet ihr an – dabei scheint bis heute nicht geklärt, wie intensiv die Beziehung von Tamara Bunke (1937-1967) und Ernesto Guevara (1928-1967) tatsächlich war. Dass sie Kommunistin, ja Revolutionärin war, ist hingegen unbestritten. Und dass sie eine Schwäche für Lateinamerika hatte und mit 29 Jahren im Kampf in Bolivien starb, ebenfalls.
In Eisenhüttenstadt läuft seit November eine Ausstellung über „Tania la Guerillera“. Die ist so erfolgreich, dass sie nun um mehrere Wochen verlängert wurde.

Großes Interesse an aktueller Ausstellung über Tamara Bunke

„Wir haben auch Anfragen von Schulklassen“, berichtet Heidemarie Wiechmann von der Partei Die Linke. Sie hat dabei geholfen, die Ausstellung, die unter Leitung von Professor Oliver Rump und in Kooperation mit Cuba Sí entstanden ist, nach Eisenhüttenstadt zu holen. Mit diesem großen Interesse hatte weder Heidemarie Wiechmann noch das „kommunalpolitische forum Land Brandenburg“, das Veranstalter ist, gerechnet.
Eisenhüttenstadt spielt im Leben von Tamara Bunke eine nicht ganz unwichtige Rolle. Nachdem ihre Eltern vor den Nationalsozialisten nach Argentinien geflohen waren, wo Haydée Tamara Bunke am 19. November 1937 das Licht der Welt erblickte, kehrt die Familie, zu der auch noch Tamaras Bruder Olaf gehörte, in die 1949 gegründete Deutsche Demokratische Republik (DDR) zurück. Dort scheint die erste sozialistische Planstadt, die zunächst den Namen Wohnstadt hatte, dann ab 1953 Stalinstadt und seit 1961 Eisenhüttenstadt heißt, ein reizvolles Ziel für Bunkes, die beim Aufbau des Sozialismus helfen wollen.

Gedenktafel am Wohnblock, in dem Familie Bunke lebte?

Tamara Bunke besucht während ihrer Zeit in Stalinstadt zwei Schulen: zunächst die Clara-Zetkin-Schule in Fürstenberg, dann die „Oberschule Stalinstadt“ – jetzt Grundschule Astrid Lindgren – wo, sie 1956 ihr Abitur macht. Seit 1952 ist sie Mitglied der Freien Deutschen Jugend, in der zwölften Klasse knüpft sie erste Kontakte zur SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands). Ab 1958 studiert Tamara in Berlin Romanistik. 1960 begegnet sie zum ersten Mal Ernesto Che Guevara, bald darauf geht sie nach Kuba.
Nur sieben Jahre später stirbt sie als „Tania la Guerrillera“ in Bolivien. 1998 werden ihre Überreste nach Santa Clara in Kuba überführt, wo sie in der Gedenkstätte für Che Guevara und dessen Mitstreiter beigesetzt wird.
Saarlouiser Straße 14 in Eisenhüttenstadt. Als Tamara Bunke dort in den 1950ern mit ihrer Familie wohnte, war es noch die Straße der Jugend 44.
Saarlouiser Straße 14 in Eisenhüttenstadt. Als Tamara Bunke dort in den 1950ern mit ihrer Familie wohnte, war es noch die Straße der Jugend 44.
© Foto: Janet Neiser
Die Saarlouiser Straße befindet sich mitten im Flächendenkmal. Genau dort fanden auch Filmarbeiten für "Das schweigende Klassenzimmer" statt.
Die Saarlouiser Straße befindet sich mitten im Flächendenkmal. Genau dort fanden auch Filmarbeiten für „Das schweigende Klassenzimmer“ statt.
© Foto: Janet Neiser
Zurück nach Stalinstadt in die 1950er-Jahre. Dort wohnt Familie Bunke die meiste Zeit in einer Vierzimmerwohnung in der Straße der Jugend, die 1961 in Straße des Komsomol, und nach dem Ende der DDR in Saarlouiser Straße umbenannt wird. Neben dem Straßennamen hat sich auch die Hausnummer geändert. Damals war es die 44, heute ist es die 14. Genau dort soll nun eine Gedenktafel aus Messing für Tamara Bunke angebracht werden.

Das sagt die Gebäudewirtschaft zu dem Vorhaben

Mehr als 400 Euro Spenden sind während der Tamara-Bunke-Ausstellung in der Alten Ladenstraße 11 in Eisenhüttenstadt bereits zusammengekommen, freut sich Heidemarie Wiechmann, die mit dem „kommunalpolitischen forum“ den Vorstoß wegen der Gedenktafel wagte. Es ist nicht der erste in der jüngeren Geschichte Eisenhüttenstadts.
2014 kam dieser Vorschlag schon einmal von Bernd Marx aus Lübbenau, der seit Jahren zum Leben von Tamara Bunke forscht. Doch damals verlief das Anliegen im Rathaus im Sande. „Da ging es wohl auch darum, dass Tamara Bunke für die DDR-Staatssicherheit gearbeitet haben soll“, weiß Heidemarie Wiechmann. Doch das sei nicht belegbar. Das bestätigt auch Professor Oliver Rump, der Akten verschiedenster Geheimdienste durchforstet hat.
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Oliver Funke, Geschäftsführer der Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft, der das Wohnhaus gehört, hat bereits zugesagt, dass die Messingtafel angebracht werden darf. Er habe während der Ausstellung viel Neues über Tamara Bunke erfahren, sagt er. Und so eine Tafel bringe sicherlich auch Besucher in die Stadt, die sich für diese Geschichte interessieren würden.
Welche Worte auf der Erinnerungsplakette stehen werden, da befinde man sich noch in der Beratung, sagt Heidemarie Wiechmann. Aber sie hat bereits die Zusage, dass Vertreter aus Kuba kommen werden, sobald die Tafel angebracht wird.
Ausstellung „Tania la Guerillera – Von Eisenhüttenstadt an die Seite Che Guevaras“, Alte Ladenstraße 11, Eisenhüttenstadt, Di-So von 10 bis 16 Uhr, Eintritt frei