Das dritte Wochenende in Folge wird der Kreißsaal des Städtischen Krankenhauses in Eisenhüttenstadt geschlossen sein. Von Freitag, 22 Uhr, bis Montag, 6 Uhr, bleiben dort die Lichter aus und die Türen verschlossen. Der Grund? Hebammen-Mangel. Mit dem vorhandenen Personal – das Haus hat fünf Hebammen, eine davon war seit Mitte November krank – kann der Kreißsaal nicht durchgängig besetzt werden. Sechs Hebammen wären ausreichend.
Die Zukunft ist offen
Wie lange die Wochenend-Regelung gilt, steht derzeit in den Sternen. Zufriedenstellend ist dies für den Krankenhaus-Geschäftsführer keinesfalls: Till Frohne hält es für wichtig, dass Frauen der Region die Geburtshilfe-Betreuung auch künftig bekommen und es zu keiner weiteren Ausdünnung kommt. Zumal Eisenhüttenstadt auch die Frauen aus dem Bereich Guben betreut, wo es keine Geburtshilfe mehr gibt.
"Wir sind mit den umliegenden Krankenhäusern regelmäßig im Kontakt und haben um Unterstützung gebeten, aber da auch dort Hebammen fehlen, ist eine Kooperation nicht gegeben", erklärt Gisela Grinnus, Abteilungsleiterin Personal im Krankenhaus. Dass die Situation anderswo ebenfalls kritisch ist, zeigt der Fall, dass am vergangenen Freitag Eisenhüttenstadt um Hilfe bei der Besetzungen der Schichten im Kreißsaal aus dem Klinikum in Frankfurt gebeten wurde. "Das geht natürlich nicht", betont Till Frohne. Vor ein paar Jahren hingegen haben Eisenhüttenstädter Hebammen sehr wohl noch in Markendorf ausgeholfen.
Aktuell gibt es im Krankenhaus auch keine Bewerbungen von Hebammen. Der Markt scheint leer gefegt. Kontakt besteht mit fünf Personalagenturen, teilt die Personalchefin mit. Es habe auch schon Vorstellungsgespräche via Skype-Interview mit Hebammen aus dem europäischen Ausland gegeben. Bei den Bewerberinnen würden jeweils aber noch die Anerkennungs- und Prüfungsverfahren laufen, die Voraussetzung für eine Tätigkeit in Deutschland seien und erfahrungsgemäß noch einige Zeit dauern würden. "Aus Russland würden voraussichtlich bis zu vier Hebammen Ende Winter 2020 kommen, auch sie müssen dann noch die Anerkennungs- und Prüfungsverfahren durchlaufen. Deutschkurse werden sie bis dahin aber bestanden haben", erklärt Gisela Grinnus.
Vergütung wird aufgestockt
Nach der Schließung des Kreißsaals am Wochenende hatte es Kritik an der Bezahlung der Hebammen gegeben. Dazu teilt das Krankenhaus Eisenhüttenstadt mit: "Hebammen werden entsprechend unserem Tarifvertrag mit Ver.di vergütet. Für 2020 ist eine Aufstockung der Vergütung vorgesehen, tariflich, eventuell auch übertariflich, schon vor Neuverhandlung dieses Tarifvertrages."
Ein Beispiel aus Nauen (Havelland) zeigt, dass Druck seitens der Politik etwas bewegen kann. Dort wurde der Kreißsaal nach 14.Monaten Schließung wegen Personalmangels im November wiedereröffnet. Bürgermeister und Landrat hatten sich stark in der Sache gemacht. Eine Anfrage an das Rathaus Eisenhüttenstadt in Sachen Kreißsaal läuft.