Es ist ein besonders markantes Gebäude am Oder-Spree-Kanal: der ehemalige Getreidespeicher. Getreide wird dort in den Silos nicht mehr gelagert. Nun wird ein neuer Eigentümer gesucht. Bei der nächsten Immobilien-Auktion des Auktionshauses Karhausen soll das Gebäude versteigert werden. Das Mindestgebot beläuft sich auf 150000 Euro. Wobei man bei Zuschlag nicht nur den Speicher mit 800 Quadratmetern Nutzfläche erhalten würde, sondern auch eine Halle, die aus der Mitte der 1960er-Jahre stammt. Das gesamte Grundstück hat eine Größe von knapp 21000 Quadratmetern.
Bei der Grundstücksauktion ist der Speicher samt Grundstück eines der Objekte, die besonders herausstechen. 1939 hat die Hamburger H.-W. Lange&Co. GmbH aus Altona das imposante Gebäude errichten lassen, sagt Michael Reh vom Fachbereich Wirtschaftsförderung der Stadt. Wobei baugleiche Speicher auch noch in anderen deutschen Städten zu finden sind. "Es handele sich um ein Typenprojekt. Er wurde als 10000-Tonnen-Reichstypenspeicher von 1936 bis 1945 mehrfach an großen Wasserstraßen im Reichsgebiet gebaut", erklärt Michael Reh. Weitere Exemplare des 47 Meter hohen Bauwerkes befinden sich noch in Halle, Magdeburg und Tangemünde.
Die ursprüngliche Nutzung, die 2010 eingestellt wurde, dürfte für einen möglichen Eigentümer kaum eine Rolle spielen. Christiane Nowak, Bereichsleiterin Stadtentwicklung und Stadtumbau, erinnert sich, dass einmal von Investoren die Überlegungen ins Spiel gebracht wurden, in das Speichergebäude Wohnungen zu bauen. Tatsächlich gibt es inzwischen einige Beispiele in anderen Städten, wo solch eine Umnutzung stattgefunden hat. Und die direkte Lage am Wasser würde sicherlich auf Kauf- oder Mietinteressenten für eine Wohnung stoßen. Allerdings müsste ein Investor wahrscheinlich viel Geld mitbringen. Denn der Speicher hat eine Besonderheit, auf die im Exposé des Auktionskatalogs von Karhausen aufmerksam gemacht wird. So befinden sich in einem Teil des Acht-Geschossers durchgehende Silos, im anderen Teil verschiedene Rohrsysteme zum Reinigen des Getreides sowie Lagerräume, ein Aufzug, Schalt- und Überwachunsgräume. An diesen Hürden sind letztlich auch die Ideen für eine Wohnnutzung gescheitert, beziehungsweise wurden von den potenziellen Investoren nicht weiter verfolgt. "Das Gebäude ist insgesamt in einem ordentlichen Zustand", schreibt das Auktionshaus, schränkt aber auch ein: "Eine Umnutzung des Gebäudes wurde vom Auktionshaus nicht geprüft."
Unabhängig von der Frage, ob sich ein Liebhaber für das markante Objekt findet, bietet der östliche Bereich des Oder-Spree-Kanals zwischen Stadthafen und Inselbrücke noch manches Potenzial. So verfügt die Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft (EWG) im südlichen Bereich, also zwischen Magistral- und Inselbrücke über ein Areal, das sie im Rahmen einer Zwangsversteigerung erworben hat. "Die Flächen dienen als Baureserve", sagt Verena Rühr-Bach, Vorstandsvorsitzende der EWG. Es besteht sogar ein gültiger Bebauuungsplan der ursprünglichen Investoren, der Reihenhäuser vorsieht. Die EWG hat momentan aber keine konkreten Planungen. Die Baufläche liegt vor den EWG-Wohnblöcken im Nadelwehrring.
Direkt daneben bis hin zur Straße der Republik - vor dem leerstehenden Bettenhaus - befindet sich eine Fläche, die am 13. Oktober im Amtsgericht in Frankfurt zwangsversteigert wird. Ein großer Teil des mehr als 15000 Quadratmeter großen Areals könnte bebaut werden, allerdings erst nach der Erstellung eines Bebauungsplanes. Auf einem Teil des Gelände steht noch eine zweigeschossige Ruine. Teilweise liegen dort, so das Exposé des Amtsgerichtes, 4500 Tonnen mineralische Abfälle. Der Verkehrswert für das gesamte Grundstück wird mit mehr als 183000 Euro angegeben.