Mehr als eine Woche ist es jetzt bereits her, dass ein Rentner aus Müllrose bei der Polizei als vermisst gemeldet wurde. Am Dienstag vergangener Woche war der schon sehr betagte Mann am Abend nicht nach Hause gekommen. Weil er auf Medikamente angewiesen ist und diese nicht bei sich hatte, hatte die Polizei sofort eine groß angelegte Suchaktion gestartet. Bereitschaftspolizisten suchten unter anderem alle Seeufer in Müllrose und der unmittelbaren Umgebung ab. Suchhunde wurden auf Spurensuche geführt. Ein Polizeihubschrauber, ausgerüstet mit einer Wärmebildkamera, flog die Stadt und die Umgebung ab. Die aufwendige Aktion blieb erfolglos und wurde schließlich beendet. Weder der vermisste Mann aus Müllrose noch irgendwelche Anhaltspunkte, die auf seinen Aufenthaltsort schließen lassen würden, wurden gefunden.
Die Suche nach dem Rentner wurde deshalb aber nicht eingestellt – ganz im Gegenteil. Unmittelbar nach der Aktion übernahm die Kriminalpolizei in Eisenhüttenstadt die Ermittlungen. Die Kriminalisten befragten Angehörige und Nachbarn, versuchten, mögliche Wege des Rentners nachzuvollziehen, durchsuchten die Umgebung des Wohnhauses und weitere Areale in der Stadt. Immer in der Hoffnung, auf irgendwelche Spuren zu stoßen, aus denen sich neue Ermittlungsansätze ergeben würden.
Am Dienstag sind sie dann schließlich fündig geworden: Im Uferbereich des Katharinensees mitten in Müllrose fanden die Polizisten das Fahrrad des Vermissten, erzählt Kriminalhauptkommissar Andreas Rosin, Leiter der Kripo in Eisenhüttenstadt. Er leitet am Mittwoch den Einsatz einer Gruppe Polizeitaucher im See. Ob der vermisste Mann am Tag seines Verschwindens mit eben diesem Fahrrad unterwegs war, ist nicht bekannt. Augenzeugen haben sich bisher nicht gemeldet. „Aber es ist möglich“, sagt Andreas Rosin. „Und deshalb suchen wir jetzt hier im Katharinensee nach dem Mann.“
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Die Polizisten gehören zur Tauchergruppe der Bereitschaftspolizei in Potsdam. Fünf Taucher der Gruppe sind am Mittwoch nach Müllrose gekommen. Jeweils zwei – Uwe Czerny und Bastian Maaß sowie Ronny Bölk und Holger Köhler – bilden ein Einsatzteam. Zuerst steigt der eine ins Wasser und wird von seinem am Ufer stehenden Kollegen mit Hilfe eines Seils gesichert, dann wird gewechselt. Der fünfte Taucher – Dennis Lenz – agiert als Truppführer.
Zwei Tauchgänge führen die Polizisten im See, dessen Wassertemperatur 4 bis 5 Grad Celsius beträgt, durch. Maximal eine Stunde lang bleiben sie im Wasser. „Das ist im Winter die Höchstdauer“, erläutert Polizeikommissar Dennis Lenz. Im Sommer könnten sie bis zu zweieinhalb Stunden im Wasser bleiben, doch jetzt sei es für längere Tauchgänge einfach zu kalt.
Bei ihrer Suche müssen sich die Taucher vor allem auf ihren Tastsinn verlassen, denn die Sicht ist gleich null. „Der Boden ist einen halben Meter hoch mit Schlamm bedeckt“, weiß Dennis Lenz, „die Taucher müssen den Schlamm mit den Händen durchwühlen.“ Das Ziel ist klar: „Wir suchen, um den Mann zu finden. Finden wir nichts, dann ist das auch ein Ergebnis, dann kann der See ausgeschlossen werden.“
Gefunden wird am Mittwoch nichts. Heute suchen die Taucher weiter im Katharinensee.