Eine der Gemeinden, die den Protest nun unterstützt, ist die Gemeinde Neißemünde. Der Neuzeller Amtsdirektor Hans-Georg Köhler beschreibt die Situation mit folgenden Worten: "Über viele Jahre hinweg war der Wolf in der Region nicht aktuell und auch nicht wirklich Thema. Seit geraumer Zeit aber hat sich das extrem verändert." Gerissene Weidetiere, vermehrte Sichtungen – immer wieder rücke das Raubtier in den Fokus. Für den Brandenburger Wolf gebe es momentan keinen Grund, Angst zu haben, wie der Amtsdirektor erklärt. Unter normalen Bedingungen dürfe er von den Jägern nämlich nicht erschossen werden. Einen natürlichen Feind hat er nicht.
"Das Tier hat viele Möglichkeiten, sich frei Futter zu besorgen und geht daher immer mal wieder zu Schafherden, die ein leichtes Opfer für ihn sind. Auch an unseren Dorfrändern halten sich viele Menschen Tiere, die durch den ausgeprägten Jagdtrieb des Wolfes stark gefährdet sind", erklärt Hans-Georg Köhler. Vermehrt sei es schon zu Vorfällen in der Region gekommen. Darüber hinaus sei auch zu betonen, dass der Wolf bei einem Angriff je nach Möglichkeit alle Tiere im Stall töte, obwohl er aus nahrungstechnischer Sicht nur einen Bruchteil davon brauche.

Die Jagd nach dem Wolf soll beginnen

"Über 50 Gemeinden in Brandenburg haben sich bereits zur wolfsfreien Zone erklärt", sagt der Amtsdirektor. "Ich habe von der Gemeindevertretung den Auftrag bekommen, an die Landesregierung zu schreiben, dass die Gemeinde Neißemünde sich nun als wolfsfreie Zone sieht." Dies geschehe im öffentlichen Interesse. Der Schutz der Bevölkerung, die unbeschwerte Nutzung der Landschaft und die Naherholung – wie auch der Tourismus – seien durch das Raubtier gefährdet. "Damit bitte ich den Gesetzgeber entsprechende Maßnahmen einzuleiten, um dieser besorgniserregenden Entwicklung entgegenzusteuern. So soll der Wolf wieder ins Jagdrecht aufgenommen werden, dass er wie ein Reh oder ein Wildschwein ganz normal bejagt werden kann", führt Hans-Georg Köhler aus.
Ähnlich sieht es Reinhard Jung aus Lennewitz, Geschäftsführer des Bauernbunds Brandenburgs, der selbst 15 Mutterkühe auf seiner Weide hält: "Der Wolf ist mittlerweile kein gefährdetes Tier mehr, man muss die Situation jetzt schnellstmöglich in den Griff kriegen. Der strenge Schutz, den das Raubtier auf europäischer Ebene genießt, muss gelockert werden." Die Zustimmung, die die Initiative im ländlichen Raum erhalte, unterstreiche die Relevanz des Projekts.
Amtsdirektor Köhler führt aus: "Der Wolf ist ja eigentlich scheu. Aber er tritt immer wieder in Erscheinung, weil er genau weiß, dass ihm hier nichts passiert."