Die Zeit der DDR war auch für viele Müllroser jene Zeit, in der sie den größten Teil ihres Lebens verbracht haben. Inzwischen ist es mehr als 27 Jahre her, dass die DDR aufgehört hat, zu existieren. Und die Zahl jener Menschen, die diese Zeit über Jahrzehnte bewusst miterlebt haben, wird immer kleiner. Womit auch die Erinnerungen der Müllroser Bürger an diese Zeit immer weiter verblassen. Aber wie könnte Geschichte lebendiger dargestellt werden als in den persönlichen Erinnerungen jener Menschen, die diese Jahre miterlebt und mitgestaltet haben? Genau hier knüpfen zwei Projekte des Müllroser Heimatmuseums an.
Seit Mitte Januar ist eine junge Historikerin aus Berlin in Müllrose unterwegs und befragt Frauen und Männer nach deren Erfahrungen in der DDR. Brenda Spiesbach hat dafür einen Themenkatalog erarbeitet. Alles, was ihre Interviewpartner erzählen, wird aufgezeichnet. Mindestens zehn Müllroser will die junge Frau bis Ende Februar befragen – in diesem ersten Projekt ausschließlich anonym. Sieben Gespräche  hat sie schon geführt.
„Die Interviews sollen uns dabei helfen, die DDR-Zeit in Müllrose zu dokumentieren und aufzuarbeiten“, sagt Romy Werner, Leiterin des Heimatmuseums. Sie hatte die Idee für das Projekt, das vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und vom Landkreis Oder-Spree finanziell unterstützt wird. „Wir werden die Zeitzeugenberichte zum einen als Dokumentation in den Bestand des Museums einfügen“, erklärt sie. „Zum anderen wollen wir sie für künftige Ausstellungen nutzen. Die Interviews können dann zum Beispiel von Besuchern in Hörstationen abgerufen werden oder auch in Textform gelesen werden.“
Sie finde es „wichtig, dass die Zeit der DDR auch speziell für Müllrose dokumentiert und aufgearbeitet wird“, betont Romy Werner. „Ich finde das wichtig für die Müllroser und auch für das Museum selbst, dass diese Epoche auch entsprechend umfassend präsentiert wird.“
Während sich dieses erste Projekt der Geschichte Müllroses in der DDR widmet, geht es in einem zweiten Projekt um das Leben in verschiedenen Zeiten. „Schwerpunkt ist dann die eigene Lebensgeschichte in Müllrose“, erklärt Romy Werner. Auch für dieses Projekt, dass noch 2018 gestartet und  von der Stadt finanziert wird, werden Bürger von einer Historikern interviewt. „Uns interessieren Menschen, die in Müllrose geboren wurden oder als Kinder oder Jugendliche hierher kamen und ihr Leben bis heute hier verbrachten“, sagt die Museumsleiterin. „Uns interessieren  Menschen, die die Zeit des Nationalsozialismus in Müllrose verbracht haben oder die zum Kriegsende vertrieben wurden und so nach Müllrose kamen.“ Und besonders interessant seien die Erinnerungen von Menschen, die nach 1989 in die Stadt kamen und seitdem hier leben.
Auch die Interviews dieses zweiten Projektes werden als Dokumentationen und Zeugnisse der Geschichte im Heimatmuseum archiviert und in Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, als Tonaufzeichnung und als Abschrift. Im Unterschied zum ersten Projekt können sich die Bürger diesmal aber dafür entscheiden, ihre Lebensgeschichte unter ihrem Namen zu schildern. „Unser Ziel ist, das Leben in Müllrose aus verschiedenen Blickwinkeln darzustellen“, sagt Romy Werner. „Und am liebsten wäre es mir, wenn diese Interviews nicht anonym geführt werden.“ Für das zweite Projekt werden jetzt Freiwillige gesucht.
„Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse“, sagt Romy Werner. „Ein Museum lebt ja nicht nur von Geschichte, sondern auch von Geschichten. Gerade persönliche Erinnerungen machen ein Museum lebendiger, spannender und authentischer.“
Tel. 033606 77290, museum@hausdesgastes-muellrose.de