Erste Hilfe ist der Anfang einer jeden Rettungskette. Selten kommt der Rettungsdienst zum Patienten, ohne dass nicht einer den Notruf abgesetzt hätte - umso beschämender, dass nach einer Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie lediglich 15 Prozent der Bevölkerung Erste Hilfe leisten. Besonders bei 55 Millionen Führerscheinbesitzern im Land, die alle während der Fahrschule einen solchen Kurs besuchen mussten. Dabei könnte es so einfach sein - das beweist der Jugendförderverein Frankfurt in Kooperation mit Medizinstudenten der Berliner Charité, der Unfallkasse Brandenburg und dem Evangelischen Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin. Gemeinsam haben sie das Projekt "Jeder kann ein Held sein" ins Leben gerufen.
Ziel ist es, die Bereitschaft zur Leistung der Sofortmaßnahmen spürbar zu erhöhen. Dafür wird erstaunlich früh angesetzt: "Wir haben sehen können, dass vor allem die von uns ausgebildeten Grundschüler großes Interesse zeigten und viel Spaß hatten. Selbst nach dem Unterricht waren sie noch ausgesprochen motiviert und übten mit den Eltern das Gelernte. Außerdem gab es im Gegensatz zu den Oberschülern weniger Berührungsängste bei der Reanimation, aber grundsätzlich haben es alle super gemeistert", sagt die Eisenhüttenstädterin Anne Nasert, die im sechsten Semester Medizin studiert.
Sie gehört zu einer Gruppe von Studenten, die in ihren Semesterferien nach Briesen (Mark) aufgebrochen ist, um dort im Rahmen einer Projektwoche eine Grund- und Oberschule in den Maßnahmen der Ersten Hilfe und der Wiederbelebung zu schulen. "In unserer Region kann es schon mal vorkommen, dass der Rettungsdienst etwas länger braucht, um am Einsatzort einzutreffen. Daher sollen idealerweise bereits die Kleinsten mit den Sofortmaßnahmen vertraut gemacht werden, um im Ernstfall helfen und die Zeit zum Eintreffen der Rettungskräfte angemessen überbrücken zu können", erklärt die 23-jährige Studentin.
290 Schüler im Alter von sechs bis 16 Jahren lernten innerhalb einer Woche, wie sie im Notfall richtig reanimieren, Verbände anlegen oder jemanden in die Stabile Seitenlage legen. "Besonderen Wert haben wir dabei auf den Eigenschutz gelegt. Die Schüler sollen im Zweifelsfall den Notruf absetzen können, ohne sich selbst in Gefahr bringen zu müssen", sagt Anne Nasert.
Auch die Lehrer mussten sich beteiligen und im Takt von "Stayin' Alive" auf den Übungsphantomen die Herzdruckmassage ausprobieren. Nach einer Abschlussübung bekamen alle Schüler feierlich ihre "Heldendiplome" überreicht. Für die unentgeltliche Aktion stiftete der berühmte Internist und Buchautor Gerd Herold eine Ausgabe seines aktuellen Werkes, wofür die Studenten sehr dankbar waren. Der Eifer der sogenannten "Heldenmacher" ist weiterhin ungebrochen: Für sie soll Briesen nur der Auftakt gewesen sein. "Wir haben noch einiges in Planung und hoffen, dass wir noch viele Schüler ausbilden können", zieht Anne Nasert ein positives Fazit.