Wen man auch fragt, nach dem Entsetzen kommt die Traurigkeit, wenn es um das Aus des Eisenhüttenstädter Kinos "Filmpalast" geht. Die Betreibergesellschaft Kieft & Kieft Filmtheater hatte am Freitag mitgeteilt, dass die Entscheidung zu schließen wegen der Pandemie und Problemen mit dem Vermieter alternativlos gewesen sei.
"Ich war richtig schockiert", erzählt Katrin Pohle. Sie und ihr sechsjähriger Sohn wohnen auf einem Dorf im Amt Neuzelle. "Wir sind bestimmt ein- bis zweimal im Monat ins Kino nach Eisenhüttenstadt gefahren." Das sei immer eine schöne Abwechslung gewesen. Sie hätten sich dort auch wohlgefühlt, erzählt Katrin Pohle. "Man kannte die Leute schon, hat Rabatte genutzt. Das ist jetzt wirklich traurig. Es gibt ja kaum noch einen Grund, überhaupt nach Eisenhüttenstadt zu fahren – bis auf das Inselbad, wo wir auch oft sind."
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So oder ähnlich sehen es einige. "Sehr, sehr schade", schreibt eine Frau zur Schließung des Kinos im Internet. Eine andere meint: "Dann ist ja ganz tote Hose in Hütte." Und in einem weiteren Statement heißt es: "Jetzt hat Hütte nur noch das Schwimmbad. Nix mehr für die Jugend. Sonst wird ja nichts angeboten. Traurig." Aber auch solche Töne sind zu hören: "Ich war regelmäßiger Kinogänger und den Aufschrei hier kann ich nur bedingt nachvollziehen.... Die Vorstellungen waren teilweise selbst am Premierentag so leer, dass man sich gefragt hat, wo die Leute denn sind!"
Das deckt sich mit dem, was Frank Balzer, der Bürgermeister von Eisenhüttenstadt, sagt: "Das tatsächliche Aus kam für mich überraschend, aber uns haben bereits vorher Informationen vorgelegen, dass es dem Kino finanziell nicht so gut geht." Bereits eine Woche vor der Pressemitteilung habe man versucht, mit dem Kino in Kontakt zu treten. Man habe Informationen gewollt und auf die Soforthilfe Brandenburgs während der Corona-Krise verwiesen, sagt Balzer. Doch erst am vergangenen Freitag habe es dann ein Telefonat gegeben. "Uns wurde gesagt, dass die Geschäfte schon vor Corona schlecht liefen und man die Miete zu den bestehenden Konditionen wegen der Krise nicht mehr zahlen könne. Und weil der Mietvertrag Ende Oktober ausläuft, habe man dann diese Entscheidung getroffen."

Bürgermeister selbst Kinogänger

Bleibt Eisenhüttenstadt nun ohne Kino? "Ich denke mal nicht", sagt Balzer. Auch mit dem Berliner Vermieter habe der Bereich Wirtschaftsförderung bereits telefoniert. "Mit der Bitte, eine Betreibernachfolge zu organisieren. Wir würden  das auch unterstützen", sagt der Bürgermeister, der nach eigenen Aussagen mehrmals im Jahr das Kino genutzt habe.
Experten der Branche rechnen damit, dass dem Aus des Filmpalasts in Eisenhüttenstadt, das als mittelgroßes Kinocenter eingestuft wird, aufgrund der Corona-Krise weitere folgen könnten.