Nach der Einbruchsserie, der neun Gewerbe innerhalb kürzester Zeit zum Opfer fielen, verstärken einige Gewerbetreibende ihre Maßnahmen. Doch längst nicht alle reagieren auf die Ausnahmesituation, wie die Nachfrage bei den Sicherheitsdienstleistern bestätigt.
Auch wenn Einbrecher im März und zwei Monate zuvor an ihrer Back-Hütte in der Lindenallee gescheitert waren, bleibt bei Diana Brendel die Verunsicherung. Die Selbstständige habe schon öfter darüber nachgedacht, was passiert, wenn sie es schaffen. So geht es nicht nur ihr, die Kriminellen bedrohen das Geschäft Gewerbetreibender, die in den vergangenen Wochen zu Opfern der Einbruchsserie in der und um die Lindenallee wurden. „Wenn sie meine Öfen und den Tresen zerstören, dann habe ich ein Problem.“ Dabei sei bei ihr nichts zu holen. „Höchstens ein altes Brötchen“, witzelt die 41-jährige Backstuben-Inhaberin. Statt mit dem Finger auf die Polizei zu zeigen, will sie zusätzlich zur mehrfach gesicherten Eisentür eine Kamera installieren. „Eine Alarmanlage kann ich mir nicht leisten.“
Möbelhaus-Chef Heinrich Hajen dagegen hat in mehr Sicherheit investiert. „Und an bestimmten Tagen bleibt von nun an jemand im Haus“, bestätigt er. „Auch wenn die Polizei sagt, sie macht viel.“ Zudem fahre sporadisch der Wachschutz vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. Er habe am verkehrten Ende gespart, überlegt Hajen, der auch Weihnachten zum Opfer von Dieben wurde. So langsam bekomme er ein Problem mit der Versicherung. „Die Prämien steigen“, gibt er zu bedenken.
Hajen ist nicht der Einzige, der nach der Einbruchsserie vorsorgt. Nach MOZ-Informationen wurde die aufgehebelte Tür des Kinos von einer Sicherheitsfirma verstärkt. Auch Hauseigentümer Claus Tuchen will handeln, nachdem in seine Immobilie in der Lindenallee eingebrochen wurde. Zu den Mietern gehören unter anderem ein Bäcker und ein Reformladen. Welche Maßnahmen er konkret treffen will, darüber bewahrt er vorerst Stillschweigen. Dass Bernd Niemacks Feinkostladen in der Lindenallee verschont blieb, hat handfeste Gründe. Die eiserne Eingangstür vorn wurde von einer Sicherheitsfirma verstärkt. „Ich habe mir das alles mühselig aufgebaut, will mir das nicht wegnehmen lassen“, sagt der Mann, der seit 28 Jahren selbstständig ist.
Doch längst nicht alle Gewerbetreibenden reagieren in diesem Ausmaß. Die Kfz-Zulasserin Jana Braun, deren Kasse geplündert wurde, habe lediglich ihr Fenster am Busbahnhof reparieren lassen, statt es zu verstärken. Allerdings wolle sie eine Alarmanlage anschaffen. „Ich weiß jedoch noch nicht konkret welche.“ Sie habe erst einmal genug mit der Versicherung zu tun gehabt. Auf jeden Fall werde sie Geld und Fahrzeugbriefe abends mit nach Hause nehmen.
„Die Leute reagieren erst dann, wenn was passiert“, weiß Sicherheitstechniker Gerhard Busse, seit kurz nach der Wende im Geschäft. Und selbst nach der Einbruchsserie würden sich viele darauf beschränken, die Schlösser zu reparieren. „Viele scheuen die Kosten, legen lieber selbst Hand an“, kritisiert er. „Einige waren da, haben aber nur reparieren lassen, nicht aufgerüstet“, bestätigt Gunter Brose, der ein Geschäft in der Fritz-Heckert-Straße betreibt. Statt mit dem Vermieter zu reden, oder sich vom Fachmann beraten zu lassen, würden viele die Kosten scheuen. Dabei würde sich die Anlage in mehr Sicherheit langfristig lohnen. „Eine Alarmanlage ist eine effiziente Investition, die das eigene Gewerbe zehn bis 15 Jahre schützt“, weiß Füwas-Geschäftsführer Joachim Zimmerling. Seine Leute seien innerhalb von fünf bis zehn Minuten vor Ort. Doch auch seine Möglichkeiten sind begrenzt. „Dem Wachschutz geht es wie der Polizei“, gibt Zimmerling zu bedenken. „Sind alle im Einsatz, dann verzögert sich die Ankunftszeit.“
Gegen Gewalt hilft zwar nichts, aber man kann es dem Einbrecher erschweren, weiß Busse. Dies gelinge beispielsweise durch die Mehrfachverriegelung der Tür, was auch die Versicherung empfehle. Wenn der Einbrecher in drei Minuten nicht reinkomme, ziehe er weiter, so die Faustregel. Busse empfiehlt in jedem Fall eine individuelle Beratung. Die sei kostenlos.