Am Wochenende klingelte bei Michael Lyszczok das Telefon. Am anderen Ende war ein besorgter Anwohner, der beobachtet hatte, wie sich ein Schwan in einer Angelsehne verfangen hatte. "Wir haben dann schnell ein paar Kameraden rausgeschickt und das Tier befreit", berichtet Lyszczok. Doch nicht immer wird die Freiwillige Feuerwehr zu solch harmlosen Einsätzen gerufen. "Wir helfen bei Bränden und Verkehrsunfällen, aber auch bei Sturmschäden oder Überflutung. Außerdem leisten wir sogenannte Amtshilfe bei ausgelaufenem Öl oder einer vereisten Straße", erklärt Lyszczok, der im "normalen" Leben einen Autoverwertungs- und Abschleppdienst betreibt.
Der 53-Jährige, der bereits seit 1995 Amtsbrandmeister ist und nun für weitere sechs Jahre in dieser Funktion bestätigt wurde, hat schon unzählige Einsätze geleitet. "Natürlich gibt es immer wieder Blessuren oder auch mal eine gebrochene Hand, aber im Großen und Ganzen haben wir bisher alle Kameraden heil heimgebracht - und das ist das Wichtigste." Häufig dürfe man aber auch die psychische Belastung nicht unterschätzen. "An einigen Einsätzen, beispielsweise wenn jemand bei einem Bahnunfall zu Tode gekommen ist, hat manch ein Kamerad lange zu knabbern. Das versuchen wir durch Gespräche aufzufangen. Darüber hinaus gibt es auch professionelle psychologische Betreuung", sagt er.
Zur Feuerwehr gekommen ist Michael Lyszczok durch seinen Vater, der ebenfalls als Brandschützer aktiv war. "Er hat mich schon als Knirps mitgenommen und so bin ich da herein gewachsen. Außerdem habe ich Interesse an Technik. Der wichtigste Antrieb aber ist, Leben sowie Hab und Gut zu schützen."
Das kann Nico Schneider nur bestätigen. Der 37-Jährige engagiert sich seit mehr als zwei Jahrzehnten bei der Freiwilligen Feuerwehr und wurde als erster stellvertretender Amtsbrandmeister ernannt. "Feuerwehrmann ist kein Beruf, sondern eine Berufung. Wir sind mit Leib und Leben dabei und lassen alles stehen und liegen, wenn wir zum Einsatz gerufen werden", sagt Schneider, der zudem Ortswehrführer in Ziltendorf ist. Das ehrenamtliche Engagement setze natürlich einen toleranten Arbeitgeber voraus - so wie bei dem Schornsteinfegermeister. "Wer einmal bei der Feuerwehr Blut geleckt hat, bleibt für immer dabei. Es herrscht eine große Kameradschaft untereinander und vor allem große Einsätze wie das Oderhochwasser 1997 schweißen noch mehr zusammen."
Dies war auch der Anstoß für Patrick Urbicht, der als Ortswehrführer in Wiesenau zum zweiten Stellvertreter des Amtsbrandmeisters gewählt wurde. "1997 habe ich mit Kumpels am Deich Sandsäcke geschleppt und bin auf diese Weise zur Feuerwehr gekommen", erzählt der 31-Jährige. Mittlerweile hat er seine Leidenschaft sogar zum Beruf gemacht und arbeitet bei der Werkfeuerwehr von ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt. Gemeinsam mit Nico Schneider sorgt Patrick Urbicht nach dem Abschied des stellvertretenden Amtsbrandmeisters Jens Rabethge, der 18 Jahre diese Funktion inne hatte und weiterhin als Ortswehrführer in Groß Lindow aktiv ist, für einen Generationwechsel in der Führungsebene.
In den fünf Ortswehren der Amtsgemeinde BrieskowFinkenheerd gibt es derzeit insgesamt 138 Einsatzkräfte - darunter fünf Frauen. "Damit sind wir zwar eigentlich gut aufgestellt, aber da viele auswärts oder in Schicht arbeiten und daher unter der Woche nicht verfügbar sind, suchen wir immer nach neuen Mitgliedern", berichtet das Trio. Daher wird auch die Nachwuchsarbeit groß geschrieben. Die Kinder- und Jugendfeuerwehr ist mit momentan 43 Mitgliedern ebenfalls gut vertreten, freut sich aber immer über Verstärkung.