"Ich habe richtig was zu tun hier", sagt MUDr. Vraspir. "Es ist eine interessante und vielfältige Aufgabe." Nachdem er zuvor gedacht habe, er würde vor allem ältere Patientinnen betreuen, wurde er in der Praxis eines Besseren belehrt. Das gehe bei Frauen ab 20 Jahren los und bis ins hohe Alter.
Trotz aller Probleme, die vor allem in der Geburtshilfe in Eisenhüttenstadt aufgrund von Hebammen-Mangel herrschen, findet er lobende und hoffnungsvolle Worte. "Was die Geburtshilfe angeht, sind wir hervorragend ausgestattet", sagt er mit Blick auf die Technik und die klinikinterne Infrastruktur. Der Kreißsaal sei sehr modern und verfüge über einen integrierten OP-Raum. Zudem gebe es einen stationären Bereich für Kinder- und Jugendmedizin. Das sei nicht überall so. Auch ansonsten sei die medizintechnische Ausstattung seiner Klinik in den vergangenen zwei Jahren verbessert worden, da arbeite er gut mit dem Krankenhauschef zusammen.
Momentan sei es in der Geburtshilfe schwierig: Von vier Hebammen seien zwei nicht da, aufgrund von Elternzeit und Reha-Aufenthalt. Aus diesem Grund hat der Kreißsaal nur tagsüber auf. "Aber wenn wirklich eine Frau kurz vor der Geburt steht, wird keiner von uns einfach abschließen", versichert er. Die Corona-Krise habe die geplante Ankunft von Hebammen aus Tschechien verzögert. Aber Vraspir ist guter Dinge, dass die Zeiten wieder besser werden. In diesem Jahr sind bislang bei verminderten Betriebszeiten knapp 100 Babys geboren worden. "Und solange ich hier bin, wird es auch eine Geburtshilfe geben", betont er.

Auch ambulant hat er gut zu tun

Vraspir liebt seinen Job, und zwar nicht nur den als Chefarzt und Geburtshelfer. Er ist auch als Frauenarzt im zum Krankenhaus gehörenden Medizinischen Versorgungszentrum in Guben tätig. Mehrmals in der Woche bietet er Sprechstunden an. Viele seiner Praxis-Patientinnen sieht er später im Kreißsaal oder im OP der Stahlstadt wieder. Was er mag, ist der persönliche Kontakt. Vraspirs Team besteht aus zwei Ober-, zwei Fach-, zwei Assistenzärzten und aktuell zwei Hebammen.
Brust-, Gebärmutterhals- und Eierstockkrebs behandelt er, aber ebenso führt er Beckenboden-OPs und minimalinvasive chirurgische Eingriffe durch. Seine Krebs-Patienten würden immer in der interdisziplinären Tumorkonferenz in Frankfurt vorgestellt, berichtet der Arzt, der in seiner Freizeit in Frankfurt boxt. Zeit für die Familie in Kassel – Vraspir ist selbst Vater – bleibt an Wochenenden und im Urlaub.