Die Gaststätte, in der gemeinsam gespeist wird, befindet sich im Ortsteil Fürstenberg (Oder). Mit dem Auto fahren möchten die Meiers nicht, denn dann dürfte ja einer von ihnen nur Wasser zum Festmahl trinken. Laufen wollen sie auch nicht - 45 Minuten Fußmarsch sind nicht jedermanns Sache, auch wenn ein Essen lockt. Bislang mussten sie weder mit dem Auto fahren noch wandern, denn Eisenhüttenstadt hat einen funktionierenden Nahverkehr. Busse der Busverkehr Oder-Spree (BOS) GmbH bringen die Leute auch zu Silvester sicher durch die Stadt. Ein Angebot, das Familie Meier und ihre Freunde gern nutzten.
Jedenfalls galt das bis 2011. Jetzt ist damit Schluss. Zwar würden die Meiers noch hinkommen zu ihrer Gaststätte. Für den Rückweg aber müssten sie sich feste Wanderschuhe anziehen oder versuchen, ein Taxi zu bekommen (was zu Silvester alles andere als einfach ist). Denn der BOS hat mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember sein Angebot drastisch eingeschränkt - auf Beschluss des Landkreises.
Am Wochenende wird Eisenhüttenstadt abends und nachts sozusagen zur nahverkehrsfreien Zone. Laut Sonnabendfahrplan, der am Silvestertag gilt, startet der letzte Bus der Linie 454 vom Bahnhof zum ZOB um 19.11 Uhr, um 19.48 Uhr steigen die letzten Fahrgäste aus. Feiertags fährt der erste Bus ab Bahnhof um 9.11 Uhr. Ab Bahnhof fährt also 14 Stunden lang kein Linienbus. Zum Vergleich: Bisher fuhr sonnabends der letzte Bus ab dem Bahnhof um 21.55 Uhr.
Bei der BOS GmbH war am Donnerstag niemand für eine Stellungnahme erreichbar. So konnte auch niemand die Frage beantworten, warum nicht wenigstens zu Silvester der Fahrplan für die Werktage gelten könnte - dann würde nämlich die letzte Fahrt vom Bahnhof um 22.11 Uhr, in der Gegenrichtung um 21.15 Uhr starten.
Die Veranstalter der Silvesterparty in der Inselhalle haben in der Not zur Selbsthilfe gegriffen: Sie haben für ihre Gäste einen kostenlosen privaten Kleinbusservice eingerichtet. Sollte das Schule machen, könnte sich der Nahverkehr bald selbst überflüssig machen.
*) Name geändert