"Es ist ein guter Tag für die Einrichtung und ein guter Tag fürs Land", sagt Innenminister Ralf Holzschuher, kurz bevor die Kartusche mit aktueller Tageszeitung in einem gemauerten Pfeiler versenkt wird. Der Bau des 6,4 Millionen Euro teuren Familienhauses zeige, dass das Land nicht bereit sei, Zustände zu dulden, die keine menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen ermögliche. Das neue, moderne Gebäude soll Ende 2015 fertiggestellt werden. Um den Termin halten zu können, hat der Bau bereits begonnen. "Das Familienhaus wird die Wohnsituation der Asyl suchenden Familien, Frauen und Kinder spürbar verbessern", betont der Innenminister. Sie hätten das Recht darauf, mit Respekt behandelt zu werden.
Etwas abseits beäugen die Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung der Zentralen Ausländerbehörde (ZABH) das Treiben auf der Baustelle, wo sonst nie so viele Herren in Anzug und Damen im Kleidchen zu sehen sind. Lediglich ein kleiner Flüchtlingsjunge hat sich unter die illustre Gästeschar gemischt und schaut genau hin, als diese zu Walzerklängen die Kupferkartusche unter Steinen verschwinden lassen und dann auch noch mit dem Hammer oben drauf klopfen.
Einer, der den Hammer schwingt, ist ZABH-Leiter Frank Nürnberger. Man wolle Asylbewerber hier nicht erfolgreich verwalten, sondern Menschen in Not helfen, erklärt er. Der Neubau bietet auf vier Etagen Platz für 237 Menschen - vor allem Familien, aber auch Frauen. Genau so groß ist die Kapazität des bisherigen Familienhauses, das Nürnberger zufolge abgerissen werden soll. Schon jetzt sei es rein brandschutztechnisch kaum noch akzeptabel. Dabei ist es erst nach der Wende gebaut worden. Die modernsten Wohnbedingungen würden derzeit die sieben Übergangscontainer bieten, so Nürnberger. Die wurden aufgestellt, weil die Betten für die vielen Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt nicht mehr ausgereicht haben. Normalerweise nämlich hat die ZABH eine Kapazität von 500 Plätzen. Gegenwärtig leben aber 693 Menschen, darunter 113 Kinder, dort - die meisten aus Syrien und der Russischen Förderation. "Ich habe schon das Gefühl, dass sich das Klima unter den Bewohnern verbessert hat, seitdem sie sehen, dass sich hier etwas tut", sagt Nürnberger.
Daniela Trochowski, Staatssekretärin des Finanzministeriums, erklärt beim Festakt, dass es sich bei dem Familienhaus mit einer Nutzfläche von 1900 Quadratmetern um einen der bundesweit ersten Neubauten für eine Erstaufnahmeeinrichtung handelt. Die bessere Unterbringungssituation löse natürlich nicht die vielfältigen Sorgen, die die Flüchtlinge haben, allen voran die Frage, ob sie in Deutschland bleiben können, sagt sie. "Aber es ist das Mindeste und sollte selbstverständlich sein, dass sie anständig untergebracht sind."
Zeitgleich zum Neubau läuft übrigens die Sanierung des Männerhauses der ZABH. Insgesamt wird das Land von 2011 bis 2016 mehr als 12 Millionen Euro in Um- und Neubauten auf dem Gelände investiert haben, informiert die Staatssekretärin. Und der Innenminister betont: "Brandenburg muss sich auf eine weiter steigende Zahl von Asylsuchenden einrichten." Zuversichtlich fügt er hinzu: "Wir sind vorbereitet."