Ein großer Name wird das Friedrich-Wolf-Theater in Eisenhüttenstadt in dieser Woche schmücken. Heinz Rudolf Kunze, Musiker, Komponist und Sprachkünstler, kommt am Freitagabend mit seinem neuen Soloprogramm. Vorab sprach der 62-Jährige mitüber sich und seine Leidenschaft.
Herr Kunze, Sie kommen mit dem Programm "Wie der Name schon sagt" nach Eisenhüttenstadt. Was sagt denn Ihr Name?
Dieser Programmtitel ist ein bisschen augenzwinkernd und kokett. Er soll darauf hinweisen, dass ich schon eine eigene Marke bin. So ein Name wie meiner ist ziemlich selten. Und ich glaube, dass das, was ich mache, auch ein gewisses Alleinstellungsmerkmal hat.
Woran machen Sie das fest?
Ich kenne nicht alles, was im Lande passiert, aber soweit meine Kenntnis reicht, ist diese Form von Soloauftritt, wo Musik und Sprache auf eine solche Weise kombiniert werden, doch etwas sehr Seltenes. Das ist wirklich ein Seiltanzakt zwischen Kabarett, Comedy und Musik. Und das gesprochene Wort hat genauso viel Raum wie das gesungene.
Was halten Sie denn von dem Zustand der deutschen Sprache?
Ich dachte, wir wollten über etwas Schönes reden. (lacht)
Das ist ja auch schon eine Aussage....
Das können wir in einigen Minuten nicht abschließend behandeln. Aber ich bin entsetzt über den Umgang mit der deutschen Sprache  – auch in unseren Schulen. Wir haben viele Lehrerinnen und Lehrer, die selber nicht mehr richtig schreiben können, die längst vor der Orthografie kapituliert haben. Durch die Rechtschreibreform, die eine einzige Katastrophe war, wurden sie noch weiter verunsichert. Wir sind jedenfalls dabei, eine der größten kulturellen Errungenschaften, die es gibt, zu verlieren – unsere vereinheitlichte Hochsprache.
Und das tut weh.
Ja, aber ich merke bei den Menschen, die kommen, dass die eine große Sehnsucht danach haben und dass sie sehr froh sind, dass ich versuche, mich darum zu kümmern.
Was dürfen die Zuschauer in Eisenhüttenstadt und kurz darauf in Neuruppin erwarten? Werden sie etwas Bekanntes hören oder setzen Sie nur auf Neues?
Ich spiele das Material von Anfang an – von 1981 bis heute. Dabei sind viele Lieder, die man nur kennt, wenn man meine Alben gekauft hat und nicht nur die Singles im Radio gehört hat. Das wird eine Mischung aus Bruce Springsteen solo "On Broadway" und der Harald-Schmidt-Show.
Wenn Sie die Bühne mit einem Zimmer in Ihrer Wohnung vergleichen. Welches wäre es dann?
Mein geliebtes Arbeitszimmer. Das ist auch voller Musikinstrumente, Bücher und CDs. Gut, die Bücher und CDs fehlen jetzt auf der Bühne, aber ansonsten ist das quasi eine Situation, wo mir der Zuschauer über die Schulter schauen kann, denn so klingt das ja bei mir zu Hause auch.
In den vergangenen Jahren hat sich im Musikgeschäft einiges verändert – unter anderem hat das Interesse an CDs nachgelassen. Können Sie sich ein Leben ohne CDs vorstellen?
Ich kann es mir nicht vorstellen. Ich hatte schon mit dem Abschied von der Schallplatte große Schwierigkeiten, aber immerhin empfand ich die CD als einen großen technischen Fortschritt: wegen der Knackfreiheit, weil man sie nicht umdrehen muss und weil mehr drauf passt. Hinzu kommt, ich gehöre zu einer Generation, die leidenschaftlich gern sammelt und ich hoffe, dass das nicht ausstirbt. Mir würde es nicht reichen, Stücke einfach nur runterzuladen und zu hören. Ich möchte CDs ins Regal stellen können, ich möchte darin stöbern und schnüffeln. Ich brauche einen haptischen Gegenstand  – genau wie bei den Büchern. Die lese ich auch nicht auf dem Bildschirm, das finde ich einfach scheußlich. Ich bin verblüfft, dass es vielen jüngeren Menschen nicht mehr so geht und ich glaube, dass die etwas verpassen. Die wachsen in eine Zeit hinein, wo Musik nur noch ein sehr beliebiger, verfügbarer virtueller Gegenstand ist. Das ist ein sehr trauriger Rückzugskampf, den wir da führen.
Ist der schon verloren?
Das weiß ich nicht. An guten Tagen halte ich ihn immer noch für kämpfbar.
Bei so vielen Jahren auf der Bühne und im Studio, mangelt es da mal an Motivation?
Der innere Antrieb, etwas mit Worten und mit Tönen zu basteln, der ist seit meiner frühsten Jugend sehr stark. Das kommt einfach, da brauche ich gar nichts zu tun. Ich würde wohl auch immer noch Musik machen, wenn keiner mehr zuhören würde, weil ich es einfach muss. Es ist meine größte Leidenschaft. Das alles gehört zu meinem Leben.
Waren sie schon mal in Eisenhüttenstadt oder in Neuruppin?
In Neuruppin war ich definitiv schon musikalisch. In Eisenhüttenstadt könnte es eine Lesung gewesen sein. Aber da war ich schon allein deshalb, weil ich aus der Gegend, also aus Guben, stamme. Wenn ich das sage, dann meine ich meine Wurzeln. Mein Vater und meine Mutter und alle meine Verwandten waren Gubener und Eisenhüttenstädter. Ich selbst bin in einem Flüchtlingslager in Westdeutschland geboren, aber ich denke, ich bin noch in Guben gemacht worden. (lacht) Auf jeden Fall habe ich häufig meine Verwandten in Eisenhüttenstadt besucht. In den Schulferien waren wir oft in der DDR.
Woran arbeiten Sie gerade?
Ich arbeite immer an irgendwas. Gerade hat der Reclam-Verlag ein Buch herausgebracht, da habe ich hundert Songtexte von Bruce Springsteen übersetzt. Jetzt bin ich mit Volldampf mit dem neuen Album beschäftigt, das wir im November/Dezember aufnehmen wollen. Im Frühjahr 2020 wird es gemeinsam mit meinem neuen Buch erscheinen und im Anschluss gehen wir damit wieder auf große Deutschlandtour.
Gibt es schon einen Titel?
Ja, aber den verrate ich noch nicht.
"Quentin Qualle" ist ein anderes Buch-Musik-Projekt, und zwar eins für Kinder. Geht es damit auch weiter?
Der vierte Band von Quentin ist geschrieben und gezeichnet und liegt auf Halde. Wir hoffen, dass wir ihn irgendwann ans Licht der Welt bringen können. Derzeit sind wir aber noch in Verhandlungen.

Das neue Soloprogramm des Rock-Poeten


"Wie der Name schon sagt" – so heißt das neue Soloprogramm, mit dem Heinz Rudolf Kunze am Freitag nach Eisenhüttenstadt kommt. Das Programm bildet die Essenz aus 36 Studioalben, zahlreichen Büchern und Konzerten. "Wie der Name schon sagt" ist alles, was ihn ausmacht und reduziert auf das Wesentliche: Kunze, die Gitarre, das Klavier und seine Songs. Die Veranstaltung im Friedrich-Wolf-Theater beginnt um 20 Uhr. Konzertbesucher können auch ein sogenanntes Dinnerticket buchen und vor der Veranstaltung ein ausgewähltes Drei-Gänge-Abendmenü in der Kleinen Bühne genießen. Tickets gibt es beim Tourismusverein in der Lindenallee, Tel. 03364 413690. red