Wirklich gehen will am Sonntagabend, als sich der Vorhang im Friedrich-Wolf-Theater geschlossen hat, niemand. Klar, wenn Schneemann Snowy, Schneesternchen und all ihre Freunde und Widersacher schon mal so nah sind, müssen Fans das nutzen. Schließlich gibt es Autogramme und Fotos können gemacht werden – als Erinnerung. Auch Milena ist bis zu Snowy vorgedrungen. „Es war schön“, sagt die Neunjährige aus Frankfurt mit leuchtenden Augen. Sie sei in den Vorjahren schon mal mit der Klasse da gewesen, nun wollte sie das nächste Abenteuer des tolpatschigen Schneemanns sehen.
Genau wie Gabriele Noppe aus Fürstenwalde. „Ich bin mit meinem Sohn, der Schwiegertochter und den Enkeln hier“, erzählt sie und gerät sogleich ins Schwärmen. „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, das ist einfach alles toll: Die Kostüme sind wunderschön und wie auf der Bühne gespielt wird – das sind ja alles Laienkünstler – großartig.“ Hier und da seien ihr sogar die Tränen vor Rührung gekommen. 
Auch der zehnjährige Ben sieht nach der Vorstellung begeistert aus. „Wir kommen schon seit Jahren zu Snowy“, erzählt er. „Das ist ja alles von Kindern gemacht, das ist doch toll“, sagt er. Der Schneemann sei seine Lieblingsfigur. „Der ist so lustig.“
Ja, das ist er in der Tat. Ob er nun Suchplakate für das entführte Schneesternchen aufhängen will, die immer wieder auf den Boden flattern – bis auf eins, das kleben bleibt, wo es auch gleich Zwischenapplaus gibt –, oder aber er stolpert mal wieder über die Bühne oder spricht die böse Eiskönigin mal eben mit „kalte Tante“ an. Lacher gibt es viele – übrigens nicht nur für die jungen Besucher. Die Drehbuchautoren, die die Snowy-Geschichte von 2001 ins Heute geholt haben, halten an dem Konzept fest: Das Musical soll allen Generationen Spaß machen. Deshalb gibt es auch immer wieder ein paar Spitzen in Sachen aktuelle Politik. So muss der Weihnachtsmann seinen Schlitten außerhalb des Ortes parken wegen der neuen Abgasnorm.
Aber Snowy, der bei der Premiere wunderbar von Tommy Bensch gespielt wurde, ist eben nicht nur komisch, laut und etwas tolpatschig, sondern immer wieder auch ein sehr gefühlvoller Schneemann, einer, der sich auch in den leisen Tönen auskennt. Seine Verzweiflung, als Schneesternchen verloren scheint, ist greifbar. Der Besucher taucht mit ein – sowohl in das Reich des Teufels als auch in den Eispalast. Dabei hilft das tolle Bühnenbild und auch die Tontechnik. Als Snowy allein in den leeren Sälen der „kalten Tante“ herumirrt, hallt beispielsweise seine Stimme.
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Wunderbar ist auch, dass es wieder eine Liveband auf der Bühne gibt. Die kann auf Bewegungen der Darsteller reagieren, diese mit Tönen unterstützen und macht das Gesamterlebnis „Snowy“ perfekt. Den Spaß, den die Darsteller und auch die Tänzer von Fire & Flame haben, den spüren die Zuschauer im Theater. Das Musical, bei dem Fabian Bothe Regie führt, Anna Lena Feldmann für die Choreografie verantwortlich ist und Allanah Titzki für die Musik, funktioniert wie ein Uhrwerk: Jedes Rädchen passt ins andere. Und es ist kaum zu glauben, dass dort auf der Bühne tatsächlich nur Laien schauspielern, singen und tanzen. Die Textsicherheit ist enorm, die Leichtigkeit steckt an. Zuschauen lohnt auf jeden Fall. Ohrwürmer gibt es gratis.
Für die heutige Vormittagsvorstellung um 9.30 Uhr sind noch etwa 20 Tickets da. Und die sind mindestens so begehrt wie Marzipan bei Snowy.