„Wir haben uns zusammengetan, weil wir Angst davor haben, Bücher wegzuschmeißen“, sagt Christa Drews (61). Das ist auch der Grund dafür, dass sie als Verein einen kleinen Buchladen in der Königstraße 10 eröffnen. Allerdings ist das ein ganz besonderer Laden – und zwar nicht nur, weil dort keine druckfrischen Werke stehen, sondern gebrauchte. „Wir verkaufen keine Bücher, sondern geben sie gegen eine kleine Spende weiter“, betont Christa Drews. Das geht bei 20 Cent los und endet bei 5 Euro. Und jedes Kind, das in den Laden kommt, soll ein Buch seiner Wahl gratis dazu bekommen.
Etwa 5000 Bücher hat der Verein bereits – fast alle stammen vom Berliner Büchertisch, der somit Starthilfe leistete. Genau wie das Transportunternehmen Möller aus Eisenhüttenstadt, das die Kartons von dort abholte. Künftig sollen auch Buchspenden aus der Bevölkerung kommen. „Bevor die Leute alte Bücher wegschmeißen, können sie sie uns geben“, sagt Käte Gehrke. Egal, was und wie alt: Das darf thematisch von Handarbeit über Musik bis hin zu Fachliteratur gehen.
Dass sie mit dem Laden, der auch Vereinssitz ist, nicht reich werden, wissen die Lesezeichen-Mitglieder. Das wollen sie auch nicht. Nur für die Miete muss das Geld reichen. Deshalb will man soziale Dienste in Alten- und Kindereinrichtungen anbieten und unter anderem als Vorleser agieren. Erste Gespräche habe es gegeben. Mit der GEM und der AWO wolle man beispielsweise zusammenarbeiten. In einen Wettstreit mit der Stadtbibliothek, die selbst einen sozialen Bibliotheksdienst hat, wolle man nicht treten. „Wir werden uns nirgendwo einmischen, wo die Bibliothek schon aktiv ist“, versichert Christa Drews. Das ist ihr wichtig, denn sie und Käte Gehrke haben sich einst selbst um diesen sozialen Dienst gekümmert – im Rahmen einer Hartz-IV-Maßnahme. „Da haben wir viel gelernt“, sagt Käte Gehrke dankbar. Als Konkurrent zum einzigen Eisenhüttenstädter Buchgeschäft in der Lindenallee sieht sich das Lesezeichen auch nicht. „Wir schaffen ein zusätzliches Angebot – vor allem auch für Bedürftige“, sagt Christa Drews, die früher als Lohnbuchhalterin gearbeitet hat, nun aber seit Jahren arbeitslos ist. Auch Käte Gehrke, die einst als Journalistin tätig war, ist seit 2001 ohne Job. Mit der ehrenamtlichen Tätigkeit beim Lesezeichen hat sie eine neue Aufgabe gefunden, eine, die ihr Spaß macht. Deshalb ist sie auch so dankbar, dass es von außen Hilfe gab, unter anderem vom Stadtteilbüro „offis“ und der GEM.
Eröffnung, Königstraße 10, Do, 9 Uhr, geöffnet Mo–Fr 9–17 Uhr.