"Wir haben im vergangenen Jahr seitens der Stiftung Stift Neuzelle den Auftrag bekommen, diese beiden Altäre zu restaurieren", erklärt Dorothee Schmidt-Breitung, die gerade noch mal die Gottesmutter genauer unter die Lupe nimmt.
Die Figuren waren ganz schwarz
"Im Oktober haben die Arbeiten begonnen", bestätigt Jan Battmer, Baukoordinator der Stiftung. Etwa 30.000 Euro kostet die Schönheitskur, die bitter notwendig war und die Sakristei in völlig neuem Licht erscheinen lässt. Beispielsweise die vier weißen Engel aus Lindenholz waren komplett schwarz. "Versottet", wie Dorothee Schmidt-Breitung sagt. Verrußt ist die Übersetzung. "Die Reinigung war wirklich aufwendig. Da haben wir richtig gekämpft." Enzyme, aber auch Reinigungsmittel kamen zum Einsatz. Erfolgreich. "Aber da muss man sehr aufpassen, dass man die Oberfläche nicht kaputtmacht." Die Figuren sehen nun wieder nahezu jungfräulich aus. Wo sich die Farbe gelöst hatte, wurde Fischleim eingesetzt. Darauf schwören Restauratoren.
Auch die Altararchitektur, also die Stuckmarmorfläche, sieht nach der Generalüberholung komplett anders aus. Rosa- bis Pinktöne tauchen da unter anderem auf. "Ein bisschen Punk in der Kirche", sagt Dorothee Schmidt-Breitung scherzhaft, versichert aber, dass dies das Originalaussehen ist. Die Sakristei ist im 18. Jahrhundert unter Abt Gabriel Dubau (1742–1775) angebaut worden. In diesem Zuge sind auch die Altäre entstanden. Restauriert wurden sie bis dato nie. An den Figuren haftete demnach Ruß und Staub von mehr als 250 Jahren – auch an denen aus Alabaster.  "Das ist ein Material, das wir in der Kirche selbst nicht finden", erklärt die Restauratorin. Dabei handele es sich um einen sehr weichen Stein, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Marmor aufweist. Der heilige Bernhard von Clairvaux ist unter anderem dargestellt. Dem fehlten bis vor wenigen Wochen noch alle Finger an einer Hand. Auch die schmerzhafte Mutter gehört zu den Alabasterfiguren. "Die hat sich nach dem Tod ihres Sohnes vor lauter Schmerz einen Dolch ins Herz gestoßen", weiß Dorothee Schmidt-Breitung. Der Dolch aus Holz liegt auf einem kleinen Regal, neben weiteren Utensilien, die nach und nach zurück an die Altäre kommen.
Wie stark die beschädigt waren, zeigt der Fakt, dass ein Engel komplett heruntergefallen war. Restaurator  Christoph Schröter und Aaron Fischer befestigen die kostbaren Kerlchen nun wieder – teilweise mit Original-Nägeln, teilweise mit Schrauben. Beides ist erlaubt. Ganz vorsichtig und nach dem Vorbild von Fotos werden die Figuren in die richtige Position gebracht. Derweil kommt Dorothee Schmidt-Breitung aus dem Schwärmen gar nicht heraus: "Ich finde diesen Raum ganz toll", sagt sie und schaut auf die Deckenmalerei. "Es ist ein durch und durch barocker Raum. Das ist schon beeindruckend."