Sie waren in der Vergangenheit in Ausschüssen und in der Stadtverordnetenversammlung auf den Zuschauerplätzen zu sehen: Mitglieder der Partei "Die Piraten" haben die Stadtpolitik verfolgt und bei Stammtischen ausgewertet. Nun wollen die Piraten selbst an der politischen Gestaltung in der Stadt mitwirken. "Ja natürlich treten wir an", sagt der Eisenhüttenstädter Frank Behr, Schatzmeister des Regionalverbandes Dahme-Oder-Spree. Auf jeden Fall werde er sich selbst um einen Sitz bewerben. Ob die Partei mit einer Liste mehrerer Kandidaten antritt, soll am 15. Februar bei einer Mitgliederversammlung entschieden werden. Bürgerbeteiligung, Mitbestimmung und Transparenz sind klassische Piraten-Themen, die auch in Eisenhüttenstadt in den Vordergrund gestellt werden.
Die schon in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Parteien - momentan gibt es fünf Fraktionen - werden wieder antreten. Die meisten neuen Gesichter wird wohl die bisher stärkste Fraktion der Partei Die Linke haben. Zumindest kündigt Helga Boehnisch, Fraktionschefin und die Vorsitzende in Eisenhüttenstadt, einen Generationswechsel an. Zum Teil treten langjährige Stadtverordnete noch einmal an, zum Teil wollen Jüngere kandidieren. Helga Böhnisch, auch sie kandidiert, hofft, dass mit neuen Leuten die ein oder andere Front, die sich zwischen Fraktionen verfestigt hat, aufgebrochen wird. Bisher ist Die Linke mit elf von 33 Sitzen die stärkste Fraktion. Die Partei will am 15. Februar in einer Mitgliederversammlung die Kandidatenliste für die Wahl bestimmen.
Bei der SPD dagegen treten alle bisherigen Stadtverordneten wieder an. Die Notwendigkeit zur Verjüngung sieht Ingrid Siebke, Fraktionsvorsitzende und SPD-Ortsvereinsvorsitzende nicht zwingend. "Wir haben etliche junge Leute, die sich bewerben. Es ist eine gute Mischung." Am 6. März wird bei einer Mitgliederversammlung die endgültige Liste bestimmt. Momentan verfügen die Sozialdemokraten über neun Sitze
Erich Opitz, Vorsitzender der Bürgervereinigung Fürstenberg/Oder, sieht es skeptisch, dass am gleichen Tag die Wahlen für das Europaparlament stattfinden. Das benachteilige die Vereinigungen und Parteien, die nur auf regionaler Ebene aktiv sind, fürchtet er. Er legt Wert auf die Feststellung: "Wir sind parteilos." Seit mehr als 20 Jahren macht die Bürgervereinigung Politik in der Region. Auf ihrer Kandidatenliste werden sich bekannte Namen, die bisher im Stadtparlament vertreten sind, wiederfinden. Da sich der eine gewählte Kandidat der Grünen der Bürgervereinigung angeschlossen hatte, war diese bisher die drittstärkste Fraktion. Für Erich Opitz ein durchaus wieder erstrebenswertes Ziel.
Bei den Bundestagswahlen im vergangenen Jahr hatte die CDU bei den Stimmen in Eisenhüttenstadt abgeräumt, war stärkste Partei im linken Eisenhüttenstadt. Dass sich das bei der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung wiederholt, sieht Eisenhüttenstadts CDU-Chef Veit Paul selbst als wenig realistisch an. Damals sei der Kanzlerinnenbonus entscheidend gewesen. Eine Zielmarke will er nicht vorgeben. "Die Entscheidung liegt bei den Wählern." Die CDU geht unter anderem mit ihren vier Stadtverordneten ins Rennen. Jüngere zu finden sei schwierig. Die meisten arbeiten oder studieren auswärts, sind nur am Wochenende zu Hause. Die CDU will ihre Liste am 10. Februar wählen.
Clemens Rostock, bisher einziger Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen, der mit der Bürgervereinigung eine Fraktion gebildet hat, will nicht mehr antreten, da er Eisenhüttenstadt verlässt. Trotzdem ist er zuversichtlich, dass es zur Wahl auf dem Wahlzettel eine eigene grüne Liste gibt. Noch im Februar soll darüber entschieden werden.
Bei der FDP stehen die vier Kandidaten schon fest, unter anderem die bisherigen Stadtverordneten Lutz Mück und Klaus Losensky. Angesichts der schwierigen Situation, in der die FDP bundesweit steckt, ist Lutz Mück froh, wenn wieder zwei Sitze und damit der Fraktionsstatus erreicht wird.
Eine Stadtverordnete steht übrigens unabhängig von der Wahl schon fest. Bürgermeisterin Dagmar Püschel (Die Linke) ist aufgrund ihres Amtes Mitglied des Gremiums.