Bei dem Einsatz im Gebiet Kunitzer Loose transportierten Ute Valentin und ihr Mitarbeiter Roland Zahn (65) zehn Welpen, zwei Rüden und zwei Hündinnen ab. Eine weitere, tragende Hündin musste zurückbleiben, weil im Tierheim kein Platz mehr war.
Der Tipp, der den punktgenauen Einsatz in Kunitzer Loose auslöste, kam vom Ordnungsamt in Berlin-Reinickendorf – von der dortigen Veterinär- und Lebensmittelaufsicht.
Simone Gärtner, im Amt Brieskow-Finkenheerd tätig im Fachbereich II - Außenverwaltung und zuständig für "Öffentliche Ordnung und Katastrophenschutz", bestätigte der MOZ, das eine entsprechende E-Mail am 14. August eintraf. Nachfragen der MOZ zur Informationsquelle beim zuständigen Reinickendorfer Bezirksstadtrat für Bürgerdienste und Ordnungsangelegenheiten, Sebastian Maack, konnten bis Redaktionsschluss nicht beantwortet werden.
Wie dem auch sei: Als das Ordnungsamt Brieskow-Finkenheerd zwei Tage später vorfuhr, zur "Amts-und Vollzugshilfe", begleitet von Polizisten der Polizeiinspektion Oder-Spree/Frankfurt (Oder), schienen die Ordnungshüter offenbar zunächst nur von illegaler Hunde-Haltung auszugehen.
Folgt man den Schilderungen von Tierheim-Chefin Ute Valentin, wurde aber offenbar erst auf dem Grundstück klar, dass der Hundebesitzer die Tiere auch züchtet. Er verneinte es zwar und erklärte die Tiere zu Mischlingen, konnte aber Ute Valentin in keiner Weise täuschen. "Wenn wir eine tragende Hündin vorfinden, zehn Welpen und dieser Bürger insgesamt drei Hündinnen und zwei Rüden hält, dann brauche ich da nicht lange zu überlegen. Es liegt auf der Hand, dass er züchtet", sagt Ute Valentin. Ihre persönliche Meinung sei, dass die Tiere nicht mehr nach Kunitzer Loose zurück dürften, wenn auch die Bedingungen für Hunde dort sehr gut seien.
Zuchtwelpen bringen viel Geld
Einen Welpen, schätzt sie, könne man für 500, 700, vielleicht sogar für 1000 Euro verkaufen. "Rechnen Sie sich das mal aus", sagt sie. "Wenn ich eine Hündin zweimal im Jahr zulasse, dann ist das wie eine Gebärmaschine. Ich bin sowieso gegen die Züchter, weil es schon so viele Hunde gibt", schimpft sie. Die Tierheime seien voll mit Hunden. "Von Tierliebe kann ich da auch nicht reden", meint Ute Valentin. "Die Züchter haben alle nur Dollar-Noten im Auge. Aber solange die Leute die Tiere kaufen."
Am 16. Juni 2004 erließ das Brandenburger Innenministerium auf Grundlage des Ordnungsbehördengesetzes eine neue Hundehalterverordnung. Nach den dort aufgeführten Rasse-Listen zählt der Staffordshire Terrier zu Hunderassen und Gruppen, die als gefährlich eingestuft werden.
Tierheim-Chefin Ute Valentin relativiert. "Ein Staffordshire Terrier ist an und für sich ein Familienhund", weiß sie. "Es braucht aber erfahrene Hände, weil er sehr kräftig muskulös gebaut ist, und viel Auslauf nötig hat. Darum sollte man schon die Welpen an die Leine heranführen, damit die Tiere das kennen." Diese Hunderasse sei sehr wachsam und dem Menschen treu ergeben.
Was bringen die Tiere auf die Waage? "40 bis 50 Kilogramm", erwidert Ute Valentin, "aber das ist alles Muskelmasse. Darum werden diese Hunde ja in anderen Ländern auch zu Kampfhunden gedrillt." Wenn sie im Tierheim demnächst wieder einen Platz frei hat, soll nach dem Willen des Ordnungsamtes die in Kunitzer Loose verbliebene tragende Hündin bei ihr ebenfalls Aufnahme finden. Vorausgesetzt, das Ordnungsamt gibt die Tiere im Laufe des Ordnungswidrigkeiten-Verfahrens frei, könnten die Welpen an Familien in andere Bundesländer vermittelt werden. Apropos Ordnungswidrigkeit: Das Bußgeld, das den Eigentümer der Staffordshire Terrier erwartet, kann bis zu 50 000 Euro betragen.