Die Planen werden ausgerollt und die Anker in den Rasen gerammt. Unterhalb der Masten hängt das große Zirkuszelt schlaff herunter. Das Hämmern und Rascheln wird nur selten von einem „ein bisschen Tempo, Jungs“ des Zirkusdirektors Hardy Weisheit unterbrochen. Ernst Prenz ist schon beim letzten Anker angekommen, den er mit einem Hammer im Rasen versenkt. „Normalerweise machen wir das mit einem Kompressor“, sagt der 24-Jährige und deutet auf eine große Blase auf seiner Handinnenfläche. „Wir sind hart, aber gefühlvoll“, witzelt er und sagt dann, ein bisschen Spaß müsse sein.
Zum Zirkus Afrika habe den Handstandartisten aus Frankfurt am Main die Liebe geführt, sagt er. Ursprünglich sei er vom Zirkus Renz gekommen und in der Pfalz aufgewachsen. Vor vier Jahren habe er sich in die Tochter des Zirkusdirektors, eine Seilartistin, verliebt und sei so zum Zirkus Afrika gewechselt. Dann klettert Ernst Prenz die noch herunterbaumelnde Zeltplane unterhalb der Masten hinauf, um die Naht dort zu bearbeiten. Während dessen rammt eine Gruppe um Zirkusdirektor Hardy Weisheit die Rondellstangen in den Boden, die den Bereich der Manege abstecken.
Einige Meter weiter kümmern sich zwei Mitarbeiter um das Ausmisten der Ställe sowie das Füttern der Tiere. Auf der eingezäunten Wiese nebenan bewerfen sich drei Elefanten mit Erde. Auf den Stoßzähnen des Jüngsten von ihnen, dem 35-jährigen Tonga aus Afrika, wird Kimberley Weisheit in der Show einige Kunststücke darstellen, wie die Tochter des Zirkusdirektors selbst erzählt, als sie aus einem der Wohnwagen kommt. Schon mit zwei Jahren habe sie das erste Mal auf einem Elefanten gesessen. „Sie sind für mich wie Haustiere“, sagt sie. Ihre Charaktere kenne die 22-Jährige in und auswendig. „Ich merke sofort, wenn sie mal keine Lust haben.“  
Ein Leben für den Zirkus

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Kimberley Weisheit wird bei der Zirkus-Show aber nicht nur mit den Elefanten auftreten, sondern sich auch in einem Areal-Netz in der Luft bewegen. „Das kostet sehr viel Kraft“, betont sie. Sechs Monate trainiert sie dafür bereits, in zwei Shows ist sie mit der Nummer schon aufgetreten. Ihren ersten Auftritt im Zirkus habe sie übrigens mit 16 Jahren gehabt. „Ein anderes Leben kann ich mir nicht vorstellen“, sagt sie. Das wäre zu langweilig.
„Du musst da reingeboren sagt“, meint Ernst Prenz, während er mit einer Dose Redbull vor seinem Wohnwagen sitzt. Nicht jede Rolle in der Manege hat ihm jedoch gefallen. Als Jugendlicher den Clown zu spielen – damit habe er sich als Jugendlicher gar nicht anfreunden können, erinnert er sich. Als seine Tante ihm beibringen wollte, Gegenstände auf dem Kinn zu balancieren, habe er zunächst auch „null Interesse“ gehabt. „Nach den ersten Shows bin ich mit einem blutenden Kinn herausgekommen, irgendwann hat das aber aufgehört“, sagt er. Die Tante habe „ihren Jungen“ aber immer mit den schicken Kostümen motivieren können.
Am Abend darauf herrscht Ruhe auf dem Inselvorplatz. Zwar steht das Zelt bereit für die Premiere am Freitag, doch Zirkusdirektor Hardy Weisheit kümmert sich in seinem Wohnwagen nun um Bürokratisches. „Der Zirkus ist ein arbeitsreicher Beruf“, sagt er, nachdem er aufgelegt hat. Gerade habe er Futter für die Tiere sowie die Entsorgung des Mists organisiert. 400 Kilo Heu sowie 100 Kilo Gemüse benötige er für seine Tiere täglich.
Gerade die Hitze, sagt er, habe ihm sehr zu schaffen gemacht. Nicht nur habe er mehr für Futter und Wasser ausgeben müssen, auch habe er die Erfahrung gemacht, dass die Menschen dann eher ins Freibad als in den Zirkus gingen. „Manchmal wächst einem das schon über den Kopf“, räumt er ein. Seit 51 Jahren im Geschäft versteht der Wildtierexperte hingegen nicht, warum verschiedenste städtische Angebote, wie etwa das Theater, subventioniert würden und eines der ältesten kulturellen Professionen leer ausgingen.
Auch die Kritik von Tierschutzvereinen, die in vielen Städten schon auf sie warteten, ärgert ihn. Die Elefanten leben laut Hardy Weisheit schon in der sechsten Generation bei ihnen. „Wir sind wie eine Familie miteinander verwachsen“, betont er. Wenn das nicht so wäre, würde man sich diese schwere Arbeit gar nicht auferlegen, meint der Zirkusdirektor.
Wie Balsam für die Seele sei hingegen jedes Mal der Moment, in dem Hardy Weisheit in der Manege die Show eröffnet. „Diese zehn Minuten bauen mich seelisch wieder auf“, sagt er. Im wahrsten Sinne des Wortes sei der Zirkus ein Drahtseilakt.
Premiere ist heute um 16 Uhr.