"Uns geht es vor allem darum, die Abschiebehaft zu stoppen", betont eine junge Frau, die zu den Organisatoren der Veranstaltung gehört. Passend dazu gibt es Fahnen mit der Aufschrift "Kein Gefängnis für Flüchtlinge" und "Kein Mensch ist illegal". Aber auch das Lagersystem für Flüchtlinge mit der Residenzpflicht und mit vielen weiteren unsichtbaren Zwängen missfalle ihr und den anderen. Deshalb sind sie nach Eisenhüttenstadt gekommen, wo Brandenburgs einzige Abschiebehaft ist. Sie wollen mit Bewohnern der Erstaufnahmeeinrichtung reden, ihnen Tipps geben.
"Sie", das sind nach Aussagen eines Berliners, der seinen Namen nicht nennen möchte, Flüchtlinge aus Berlin und Brandenburg sowie Unterstützer. Eine Organisation oder ein Verein stehe nicht hinter der Aktion. "Ab Donnerstag geht es hier richtig los mit Workshops und Musik", sagt er und erzählt auch, dass die gesamte Aktion anfangs etwas anders geplant war. Normalerweise wollten die Teilnehmer des Camps nämlich Zelte aufbauen und auf der Wiese schlafen, aber das wurde ihnen aufgrund der Stadtordnung nicht genehmigt. Nun weichen sie für die Nächte unter anderem auf einen Campingplatz in Neuzelle aus.
Willkommen fühlten sich Protestler in Eisenhüttenstadt jedenfalls nicht. Viele, die vorbeikommen, würden einen Stinkefinger zeigen und sogar schimpfen, berichten sie. Zwei ältere Anwohner der Poststraße sind da gelassener: "Wir empfinden das als kulturelle Bereicherung", sagt einer von ihnen. "Orientalische Musik hat man ja nicht alle Tage", der andere. Die Aufnahmestelle für Asylbewerber hat aufgrund des "Stop Deportation Camp" das Besuchsrecht bis Montag ausgesetzt. Frank Nürnberger, Leiter der Zentralen Ausländerbehörde, (ZABH) erklärt, warum: Vor etwa einem Jahr hatten Demonstranten versucht, die Abschiebehaft zu stürmen. Das wollte er vermeiden. Bewohner der ZABH könnten aber jederzeit das Gelände verlassen, um Besuch zu empfangen. Etliche nahmen bereits Kontakt mit den Protestlern auf.
"Kein Gefängnis für Flüchtlinge": das fordern die Demonstranten. Sie bieten bis Montag Workshops und Filme.Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Mehrtägiges "Stop Deportation Camp" gestartet / Teilnehmer am Mittwoch teilweise beschimpft